30. Oktober 2026 – dpa
Ein Strich zu viel? Für Ai Weiwei gibt es beim Malen von Kindern keine Fehler. Warum gut gemeinte Korrekturen ihrer Kreativität sogar schaden können.
Der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei wünscht sich für Kinder bei der Entdeckung ihre künstlerischen Talente größtmögliche Freiheit. Man sollte Kinder etwa beim Malen und Zeichnen nicht korrigieren. «Was immer sie dem Kind dann für einen Rat geben, er ist jetzt schon völlig falsch», sagte der 69-Jährige der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Weil es in der Kunst keinen Fehler gibt. Warum denken das alle?» Der falsche Strich sei genau der Moment, in dem der Fehler zur Kunst werde.
«Jede Kunst beginnt mit einem Fehler - sonst ist es keine Kunst, sondern Dekoration. Sie versuchen, die Fähigkeit Ihrer Kinder, echte Kunst zu machen, zu zerstören. Sie sagen, das Kind soll es besser machen, und das ist falsch. Diese ganze Erziehung ist völlig falsch», fügte er hinzu.
Wenn ein Kind etwas zeichne, hält Ai die Idee von Erwachsenen für fragwürdig, «eine bestimmte Absicht zu verfolgen». «Trotzdem bringt man Kindern immer wieder bei, "Fehler" zu vermeiden, um das "Bessere" zu erreichen. Als ob man vorher wissen könnte, was besser ist und was nicht. Damit trainiert man schon die Selbstzensur.» Ai Weiwei lebt seit 2015 in Europa, lange in Deutschland, inzwischen unter anderem in Großbritannien und Portugal.