27. Oktober 2026 – Sascha Funke
Spritdiebstahl ist für Tankstellen längst kein Randproblem mehr. Eine Tankstelle in Hannover will den Schaden nicht länger hinnehmen und setzt jetzt auf einen einfachen Plan: erst persönlicher Kontakt, dann Sprit.
Wenn Diebstähle an der Zapfsäule zum Problem werden
Wer an der Esso-Tankstelle in der Garbsener Landstraße in Hannover an den hinteren Zapfsäulen tanken will, muss seit Kurzem erst kurz in den Verkaufsraum. Dort wird die jeweilige Säule freigeschaltet. Hintergrund ist ein Problem, das viele Tankstellen kennen: Diebstähle an der Zapfsäule.
Für Betreiber David van-der-Velde ist das längst mehr als ein Ärgernis. In den vergangenen Wochen sei der Schaden deutlich gestiegen. „700 Euro in vier Wochen waren schon echt ein bisschen viel“, sagte er im Gespräch mit der Antenne Niedersachsen Moin-Show.
Die wirtschaftliche Belastung trifft den Betrieb direkt. „Wir bleiben im Endeffekt auf dem Schaden sitzen - nicht der Staat, nicht der Konzern.“ Und noch deutlicher: „Was der Kunde am Ende bezahlt, habe ich schon bezahlt - den Sprit.“
Erst rein, dann wird freigeschaltet
Das neue System ist einfach: Wer an einem der hinteren Zapfpunkte tanken will, nennt vorher im Verkaufsraum die Nummer der Säule, etwa die 5 oder die 6. Erst dann gibt das Personal die Zapfsäule frei. Kennzeichen oder andere persönliche Daten würden dabei nicht erfasst.
Eine formale Kontrolle ist das nicht. Der Gedanke dahinter ist aber klar: Wer tanken will, soll an diesen Zapfsäulen nicht anonym bleiben. Van-der-Velde schildert das Problem so: Täter hätten sich bislang oft so vor den Kameras bewegt, dass zwar das Auto zu sehen war, aber kein Gesicht. Genau das soll der kurze Gang in den Verkaufsraum ändern.
Mehr Kameras sind aus seiner Sicht keine einfache Lösung. Die hinteren Zapfsäulen seien von der Kasse aus schwer einzusehen. Gleichzeitig sei ein großer Teil der Kundschaft bekannt: Rund 80 Prozent seien Stammkunden.
Ganz neu ist das Prinzip nicht. In der Antenne Niedersachsen Moin-Show erzählte die Moderation, sie kenne den Ablauf aus einem Frankreich-Urlaub. Van-der-Velde selbst kennt ähnliche Regelungen nach eigenen Angaben aus England und den USA.
„So nicht mit uns“
Im Alltag kommt das System laut van-der-Velde gut an. Stammkunden kennen den Ablauf mittlerweile und winken einfach Richtung Fenster. Neue Gesichter sollen vorher hereinkommen. Beim Verständnis sieht er „50:50“. Einige meckern über den zusätzlichen Weg. Viele sehen aber ein, dass die Tankstelle den Schaden selbst trägt: „nicht der Staat, nicht der Konzern“.
Für van-der-Velde ist die Umstellung vor allem ein Signal. „Wir hoffen, dass es den Tätern sagt: So nicht mit uns.“ Seine erste Bilanz fällt positiv aus. Nach der Umstellung habe es nach seiner Einschätzung nur einen versuchten Diebstahl gegeben. Ein Fahrer habe zwei gesperrte Säulen vorgefunden und sei wieder ins Auto gesprungen, als van-der-Velde nachsehen wollte, was los ist.
Deshalb soll die Regelung vorerst bleiben. Van-der-Velde rechnet damit, dass sich in den nächsten sechs Monaten nichts ändert. In dieser Zeit will die Tankstelle beobachten, ob das System dauerhaft abschreckt oder ob Täter nur pausieren. Für den Moment ist der Kurs aber klar: erst persönlicher Kontakt, dann Sprit.
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