16. Oktober 2026 – Frederic Heimann

Straftaten rund um Sprit

Kraftstoffdiebstahl steigt in Niedersachsen um rund 32 Prozent

Nach exklusiven Angaben des LKA für Antenne Niedersachsen steigt die Zahl der Kraftstoffdiebstähle in Niedersachsen deutlich. Für die Monate Januar bis September 2026 registrierten die Ermittler bei den Diebstählen ohne Betrugstaten ein Plus von rund 32 Prozent. Wie aktuell das Problem ist, zeigen mehrere Fälle aus Niedersachsen allein aus den vergangenen Tagen und Wochen.

Eine Hand führt eine Zapfpistole an einer Tankstelle zur Tanköffnung
LKA registriert 2026 deutlich mehr Kraftstoffdiebstähle in Niedersachsen (Symbolbild: dpa)

Exklusive LKA-Angaben zeigen deutlichen Anstieg

In Niedersachsen werden wieder mehr Straftaten rund um Kraftstoff registriert. Nach exklusiven Angaben des Landeskriminalamts für Antenne Niedersachsen wurde bei den Diebstählen von Kraftstoff ohne Betrugstaten für die Monate Januar bis September 2026 ein erheblicher Anstieg von rund 32 Prozent festgestellt.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Tankbetrug und Kraftstoffdiebstahl: Beim Tankbetrug wird an der Zapfsäule getankt, ohne zu bezahlen. Beim Kraftstoffdiebstahl wird Diesel oder Benzin dagegen direkt aus Fahrzeugen, Maschinen, Tanks oder an anderen Tatorten gestohlen. Das LKA erfasst beide Deliktbereiche getrennt.

Mehrere aktuelle Fälle aus Niedersachsen

Wie konkret und aktuell das Problem ist, zeigen mehrere Fälle aus Niedersachsen aus den vergangenen Tagen und Wochen. In Northeim wurden nach Polizeiangaben 400 Liter Diesel aus den Tanks von drei abgestellten Lastwagen gestohlen. Die Tanks waren zwar unverschlossen, das Gelände aber umzäunt und gesichert.

In Burgweg im Kreis Stade zapften Täter 800 Liter Diesel aus drei Baggern ab, in Riepe im Kreis Aurich 90 Liter aus dem Tank eines Baggers. Auf einem Lkw-Parkplatz in Steimbke im Kreis Nienburg wurden außerdem 250 Liter Diesel aus dem Tank eines Sattelschleppers abgepumpt.

Schon Anfang des Monats entstand in Celle ein Schaden von 1.400 Euro, als auf einem Baustellengelände Diesel aus zwei abgestellten Baumaschinen abgezapft wurde. Knapp eine Woche zuvor wurden in Ganderkesee im Kreis Oldenburg bei zwei abgestellten Sattelzugmaschinen Tanks aufgebohrt sowie Diesel und Hydrauliköl gestohlen. Der Schaden lag dort bei 1.300 Euro.

In Bad Bederkesa im Kreis Cuxhaven registrierte das LKA zudem einen Schaden von fast 2.000 Euro, nachdem an einer Tankstelle mit einer gestohlenen Tankkarte bezahlt worden war. Die Polizei ermittelt dort wegen Betrugs und Hehlerei.

Tankbetrug bleibt ein eigenes Delikt

Das LKA macht in seiner Einordnung deutlich, dass Kraftstoff schon seit langer Zeit im Fokus von Straftätern steht. Deshalb unterscheiden die Ermittler in ihren Zahlen zwischen Tankbetrug, dem Diebstahl von Kraftstoff direkt aus Fahrzeugen und einem breiter gefassten Bereich aller Kraftstoffdiebstähle ohne Betrugstaten.

Beim Tankbetrug zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik über mehrere Jahre eine klare Entwicklung: 2020 wurden 3.699 Fälle registriert, 2021 waren es 3.054. Danach stiegen die Zahlen auf 5.122 Fälle im Jahr 2022 und 6.749 Fälle im Jahr 2023. 2024 und 2025 lag die Zahl dann jeweils bei 6.079 Fällen.

Für 2026 nennt das LKA für die Monate Januar bis September bereits einen mittleren vierstelligen Bereich. Genauere Zahlen werden unterjährig nach Angaben des Landeskriminalamts nicht veröffentlicht.

Vor allem Anstieg bei Diebstählen fällt 2026 auf

Klarer ist die Entwicklung bei den Kraftstoffdiebstählen, also nicht Betrugsfällen. Das LKA betrachtet dafür alle Diebstähle von Kraftstoff - unabhängig davon, wo die Tat passiert ist oder welches Objekt betroffen war.

Hier lagen die Jahresfallzahlen in fast allen Jahren im unteren vierstelligen Bereich, nur 2021 nicht. Besonders auffällig ist laut LKA der Vergleich der ersten neun Monate: Für Januar bis September dieses Jahr wurde ein erheblicher Anstieg von rund 32 Prozent festgestellt.

Dabei hat das LKA Fälle ausgewertet, bei denen Kraftstoff direkt aus Fahrzeugen gestohlen wurde - also etwa aus Autos, Lastwagen, Motorrädern oder fahrenden Baumaschinen. Für die einzelnen Jahre wurden hier meist Werte im mittleren oder oberen dreistelligen Bereich festgestellt, 2022 einmal im unteren vierstelligen Bereich. Für die Monate Januar bis September hat das LKA 2026 bislang bereits eine Diebstahlzahl im oberen dreistelligen Bereich registriert. Die Zahlen seien deutlich höher als im Vergleichszeitraum vergangenes Jahr, bestätigt das LKA auf Antenne Niedersachsen Anfrage.

Nicht nur Zapfsäulenbetrug ist im Blick

Die Zahlen zeigen damit auch: Wer nur auf Tankbetrug an der Zapfsäule schaut, sieht nur einen Teil des Problems. Neben Betrugsfällen spielen auch klassische Diebstähle von Kraftstoff weiter eine Rolle - etwa auf Baustellen, an abgestellten Lastwagen oder bei Baumaschinen.

Auf Anfrage von Antenne Niedersachsen schreibt das LKA zu allen Diebstählen von Kraftstoff unabhängig vom Ereignisort oder vom angegriffenen Objekt, in den ersten neun Monaten dieses Jahres sei neben den üblichen Schwankungen ein erheblicher Anstieg von rund 32 Prozent festzustellen. Nach bisherigem Stand registriert das LKA in Niedersachsen 2026 damit wieder mehr Kraftstoffdiebstähle.

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