03. Juli 2026 – dpa
Julian Nagelsmann hat eine bittere WM-Schlappe hinnehmen müssen. Nun ist er nicht mehr Bundestrainer. Welcher Job ist nach dem höchsten deutschen Trainerposten für ihn noch möglich?
Julian Nagelsmann hat einen langen Sommer vor sich. Bestimmt wird er sich auch mal sein Mountainbike schnappen und in die geliebten Berge fahren. Weit oben findet er Ruhe und Entspannung. Da ist die Fußball-Welt mit ihren absurden Wendungen weit weg. Der Ochsenälpeleskopf in den Ammergauer Alpen ist so ein für ihn enorm wichtiger Ort, wie er einst erzählte.
Im Allgäu traf sich Nagelsmann auch vor dem Start in die WM-Qualifikation im vergangenen Spätsommer mit seinem Trainerstab. Das dort erarbeitete Konzept war allerdings, wie man mittlerweile weiß, nichts wert.
Wenn der schlimmste Schmerz verarbeitet ist, findet der 38-Jährige vielleicht in der Höhenluft aber auch den Anreiz für neue Ziele. Er muss sich im jungen Trainer-Lebensalter nach neuen Aufgaben umschauen.
«Ein Leben ohne Ziele ist nicht erstrebenswert», sagte Nagelsmann als die WM-Mission begann. «Deshalb finde ich es gesund, Ziele zu haben.» Doch was kann noch kommen, wenn man Bundestrainer war? «Er ist ein absoluter Toptrainer», merkte sein DFB-Mentor Rudi Völler noch in der Nacht des Scheiterns in Foxborough an.
Vermutlich wird Nagelsmann wieder in den Club-Fußball streben. Der DFB-Job, den er eigentlich nur neun Monate bis zur Heim-EM 2024 machen wollte, gefiel ihm irgendwann, als er merkte, welchen Einfluss man haben kann. Doch viele Experten sind sich weiter sicher. Nagelsmann ist ein geborener Vereinscoach. Der Reiz des täglichen Powerns, der turnt ihn an. Und eine lange Pause ist nicht seine Sache.
Nagelsmann war nach seinem Kometenaufstieg in Hoffenheim und Leipzig beim FC Bayern. Eine bessere Adresse gibt es in Deutschland nicht. Eine Rückkehr nach München ist unrealistisch. Jeder andere nationale Club wäre ein Abstieg -außer vielleicht Borussia Dortmund. Doch der Posten ist mit Niko Kovac prominent besetzt.
Bleibt das Ausland. Fließend Englisch spricht er. Doch auch da ist Geduld gefragt. Die Topadressen von Real Madrid (José Mourinho) bis Manchester City (Enzo Maresca) und dem FC Liverpool (Andoni Iraola) sind besetzt. Xabi Alonso ist jetzt beim FC Chelsea. Ohnehin ist eine direkte Neubeschäftigung nach einem Mammutprojekt nicht ratsam. Pep Guardiola ging einst ein Jahr nach New York, als beim FC Barcelona Schluss war.
Apropos FC Barcelona. Das war die nächste Station von Nagelsmanns Vorgänger Hansi Flick nach dessen Scheitern als Bundestrainer. So prominent kam kaum ein anderer Ex-Coach nach dem DFB-Job gleich wieder unter. Okay, Franz Beckenbauer sprang als Helfer in der Not nochmal beim FC Bayern ein, aber der Kaiser war eh eine andere Liga. Auch Jürgen Klinsmann wurde noch nach München geholt - doch da war Nagelsmann ja schon. Besser lief es für Klinsmann als Trainer des US-Teams.
Jupp Derwall ging in den 80er Jahren nach dem EM-Aus in die Türkei zu Galatasaray Istanbul und wurde dort verehrt. Berti Vogts tingelte nach einem kurzen Engagement bei Bayer Leverkusen über Kuwait, Schottland, Nigeria und Aserbaidschan weiter.
Der letzte Weltmeister-Coach, Joachim Löw, nahm seit 2021 keinen neuen Job mehr an. Eine so lange Auszeit wäre ganz sicher nichts für Nagelsmann. Eine Option mit Brisanz böte sich auch noch an. Die Niederlande suchen nach ihrer eigenen WM-Enttäuschung einen neuen Bondscoach als Nachfolger von Ronald Koeman. Der erste Gegner wäre am 24. September in der Nations League die deutsche Nationalmannschaft.