03. Juli 2026 – Frederic Heimann
Keine weiteren Warnstreiks beim Nahverkehr hier in Niedersachsen: Im Tarifstreit gibt es eine Einigung. Die Kommunalen Arbeitgeber Niedersachsen und die Gewerkschaft ver.di haben sich nach einer Schlichtung auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der bis Ende 2029 läuft.
Für die mehr als 4.450 Beschäftigte in zehn Nahverkehrsunternehmen ändert sich einiges: Ab 2028 sinkt die reguläre Wochenarbeitszeit von 39 auf 38,5 Stunden. Der Sonntagszuschlag steigt von 25 auf 30 Prozent, das Urlaubsgeld erhöht sich um rund 180 Euro. Gleichzeitig können Beschäftigte freiwillig bis zu 42 Stunden pro Woche arbeiten.
Bis Monatsende werden jetzt noch die Ver.di-Mitglieder dazu befragt - es gibt also eine minimale Gefahr, dass das Ganze doch noch gekippt wird.
Das gilt für: Braunschweiger Verkehrsgesellschaft BSVG, Delbus GmbH & Co. (Delmenhorst), Göttinger Verkehrsbetriebe GÖVB, MOIN Mobilitätsinfrastruktur und -betriebs GmbH Landkreis Lüneburg, SWO Mobil GmbH (Osnabrück), Stadtbus Goslar, SVHI Stadtverkehr Hildesheim, Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven, üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG und Wolfsburger Verkehrsgesellschaft WVG)
Das schreiben beide Seiten selbst
Pressemitteilung von Ver.di
ver.di und Arbeitgeber erzielen nach Schlichtungsverfahren Einigung zum Tarifvertrag Nahverkehr Niedersachsen
Die Tarifparteien im ÖPNV haben nach intensiven Verhandlungen im Rahmen des Schlichtungsverfahrens am 03. Juli 2026 eine gemeinsame Tarifeinigung erzielt. Die Schlichtung zum Tarifvertrag Nahverkehr Niedersachsen war von komplexen Positionen geprägt. Insbesondere bei der Frage der Arbeitszeit lagen die Parteien zunächst sehr weit auseinander. Dennoch konnte unter Vermittlung der Schlichter nach drei langen Verhandlungstagen eine Lösung gefunden werden. Das Ergebnis stellt einen Kompromiss dar, beinhaltet aber auch wichtige Verbesserungen für die Beschäftigten.
„Wir hätten uns an einigen Stellen deutlich mehr Bewegung bei den Arbeitgebern erhofft. Das Tarifergebnis bedeutet aber eine konkrete Entlastung für die Beschäftigten im Nahverkehr durch die Reduzierung der Arbeitszeit und die Erhöhung der Zuschläge. Für dieses Jahr gibt es noch ein erhöhtes Urlaubsgeld”, sagt der ver.di-Verhandlungsführer Marian Drews zu dem Ergebnis.
„Die erzielte Einigung ist das Ergebnis von erfolgreichen Streikmaßnahmen der Kolleg*innen und eines mehrmonatigen, intensiven Verhandlungsprozesses, in dem beide Seiten am Ende Verantwortung übernommen und Kompromissbereitschaft gezeigt haben“, so Drews. Nachdem die Tarifkommission das Ergebnis zur Annahme empfohlen hat, werden in den nächsten Wochen die Mitglieder befragt, ob sie das Ergebnis annehmen. Bis zum 31.07.2026 steht das Ergebnis somit unter Vorbehalt.
Zu den wesentlichen Ergebnissen zählen:
• ab dem Jahr 2028 Reduzierung der Arbeitszeit auf 38,5 Stunden und ein Schutz vor Verlängerungen der Arbeitszeit bis mindestens 2031
• Beschäftigte erhalten ab 2028 die Möglichkeit, freiwillig die Wochenarbeitszeit befristet auf bis zu 42 Stunden zu verlängern (analog TVÖD)
• Erhöhung des Urlaubsgeldes um mindestens 177 Euro auf 600 Euro ab dem Jahr 2026
• Erhöhung des Sonntagszuschlags auf 30 Prozent ab 2027
• Erhöhung der Zeitzuschläge für Berufseinsteiger
• die Abwehr von Verschlechterungen bei der Arbeitszeitgestaltung
• Laufzeit bis 31.12.2029
„Unser besonderer Dank gilt den beiden Schlichtern, Bodo Ramelow für ver.di und Stephan Rolfes für die Arbeitgeber für ihre engagierte, professionelle und ausgewogene Arbeit. Mit ihrer Erfahrung, ihrem Fingerspitzengefühl und ihrer Vermittlungskompetenz haben sie entscheidend dazu beigetragen, die Verhandlungsparteien in einer schwierigen Situation zu einem Tarifergebnis zu führen”, sagt Marian Drews.
Pressemitteilung der Kommunalen Arbeitgeber Niedersachsen - KAV:
Tarifverhandlungen im kommunalen Nahverkehr – Einigung steht – Planungssicherheit bis 2030
Planungssicherheit für die kommunale Familie bis 2030 / Neue Flexibilität bei der Arbeitszeit / Finanziell vertretbarer Abschluss
HANNOVER: Der KAV Niedersachsen verhandelt seit dem 19. Februar 2026 für insgesamt zehn kommunale Nahverkehrsunternehmen (Braunschweiger Verkehrsgesellschaft BSVG, Delbus GmbH & Co. (Delmenhorst), Göttinger Verkehrsbetriebe GÖVB, MOIN Mobilitätsinfrastruktur und -betriebs GmbH Landkreis Lüneburg, SWO Mobil GmbH (Osnabrück), Stadtbus Goslar, SVHI Stadtverkehr Hildesheim, Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven, üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG und Wolfsburger Verkehrsgesellschaft WVG) mit rund 4.550 Beschäftigten den Tarifvertrag für den Nahverkehr (TV-N) in Niedersachsen mit dem ver.di Landesbezirk Niedersachsen/Bremen.
Die Tarifvertragsparteien haben im Rahmen der Schlichtung vom 29. Juni bis 1. Juli 2026 einen Einigungsvorschlag erarbeitet, der heute von den jeweiligen Gremien, dem Fachausschuss Nahverkehr vom KAV Niedersachsen und der Tarifkommission von ver.di, angenommen wurde.
Damit ist die Tarifrunde zum Tarifvertrag für den Nahverkehr (TV-N) in Niedersachsen beendet.
Im Detail haben sich die Tarifvertragsparteien darauf geeinigt, dass ab 2028 die Arbeitgeber auf örtlicher Ebene ihren Beschäftigten anbieten können, auf Wunsch bis zu 42 Stunden pro Woche zu arbeiten. Dies erhöht die notwendige Flexibilität in den kommunalen Unternehmen. Gleichzeitig hat der KAV Niedersachsen akzeptiert, dass die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit ab dem 1. Januar 2028 von 39 Stunden auf 38,5 Stunden gesenkt wird.
Darüber hinaus entsteht der Anspruch auf Zahlung eines Zuschusses im Krankheitsfall erst nach einem Jahr der Beschäftigung, was zu einer Kosteneinsparung führt.
Der Zeitzuschlag für Sonntagsarbeit wird angepasst und erhöht sich von 25 Prozent auf 30 Prozent. Das Urlaubsgeld steigt um rund 180 Euro.
Der Tarifvertrag erhält eine Laufzeit bis zum 31.12.2029.
Michael Bosse-Arbogast, Hauptgeschäftsführer des KAV Niedersachsen: „Die Durchführung einer gemeinsamen Schlichtung war der richtige Weg, um die jeweiligen Positionen besser zu verstehen. Unser Ziel war es während der gesamten Schlichtung, die realitätsfernen Forderungen abzuwehren. Die finanziellen Auswirkungen dieses Tarifabschlusses sind für unsere kommunalen Unternehmen in Gänze überschaubar und haben gleichzeitig die Grenze des Möglichen erreicht. Die lange Laufzeit bis Ende 2029 hilft uns in der kommunalen Familie und bringt die nötige Planungssicherheit.“
„Die Einführung eines flexiblen und gleichzeitig freiwilligen Systems für eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit ist ein Meilenstein in der Geschichte des kommunalen Nahverkehrs in Niedersachsen. Daher sind wir mit dem Verlauf und dem Ergebnis zufrieden“, so Bosse-Arbogast abschließend.