02. Juli 2026 – dpa

Gastgeber jetzt gegen Belgien

Mit John Denver und Widerstandskraft: WM-Traum der USA lebt

Die USA ziehen ins WM-Achtelfinale ein. Eine Szene regt Trainer Pochettino trotzdem auf. Sein bester Torschütze wird gegen Belgien fehlen.

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Folarin Balogun brachte die USA in Führung.

Wenn die US-Fußballer so weitermachen, wird John Denvers Klassiker bei dieser WM noch zum Dauerhit. Mit «Take Me Home, Country Roads» feierten Spieler und voller Inbrunst singende Fans in Rot, Weiß und Blau den Achtelfinaleinzug des Teams um Superstar Christian Pulisic.

Auch Trainer Mauricio Pochettino war auf dem Rasen leidenschaftlich dabei. «Als dieses Lied im Stadion erklang, war es unmöglich, nicht mitzusingen», sagte der Argentinier. «Es ist ein fantastisches Lied, sehr emotional, besonders nach einem Sieg.»

Das 2:0 gegen Bosnien-Herzegowina vor 68.827 Zuschauerinnen und Zuschauern im tosenden Super-Bowl-Stadion von Santa Clara soll für ihn und seine Mannschaft nur eine Zwischenstation sein und als Boost wirken. Der nächste Gegner heißt Belgien. Die Botschaft des Co-Gastgebers: Für uns ist noch ganz viel möglich.

«Dieses Spiel hat unseren Charakter gezeigt. Wir werden immer weiterkämpfen», sagte Malik Tillman. Auch von einer umstrittenen Roten Karte für 1:0-Torschütze Folarin Balogun und mehr als einer halben Stunde in Unterzahl ließen sich die USA nicht aus dem Konzept bringen.

«Das war der Moment, allen zu beweisen - und auch uns selbst -, dass es nicht nur leere Worte sind, wenn wir sagen, dass wir eine Familie sind», sagte Pochettino. «Ich finde, die Mannschaft hat genau das gezeigt: ihre Qualität, ihre Fähigkeit, auf höchstem Niveau zu bestehen und füreinander zu kämpfen.»

Tatsächlich stemmten sich die US-Amerikaner leidenschaftlich gegen die bosnischen Angriffe, ohne sich dabei komplett zurückzuziehen. Tillman entschied die Partie dann mit einem sehr sehenswerten Freistoß.

Dabei hatte der Offensivmann, dessen rechte Socke in der Interviewzone von Blut getränkt war, kurz zuvor infolge eines Tritts auf den Fuß noch Probleme gehabt und musste den Schuh wechseln. «Ich hatte Schmerzen, mein Schuh war aufgerissen», sagte der 24-Jährige.

Auf den Leverkusener wird es am Dienstag in Seattle gegen Belgien noch mehr ankommen. Schließlich fehlt in Balogun der bei dieser WM mit drei Toren beste US-Torschütze, der auch gegen Bosnien-Herzegowina ständig für Unruhe sorgte.

Balogun hatte seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic in einem Zweikampf hart, aber offensichtlich unabsichtlich getroffen. Schiedsrichter Raphael Claus aus Brasilien schaute sich die Szene noch einmal an und entschied auf Rot.

«Für mich ist das niemals eine Rote Karte. Das war niemals Absicht», sagte Pochettino und bekam von einem früheren Topschiedsrichter recht. «Das ist kein guter Einsatz des VAR. Das war ein Unfall und für mich keine Rote Karte», sagte der Engländer Mark Clattenburg beim amerikanischen Sender Fox.

Das hilft den USA aber natürlich nicht. Pochettino muss sich nun überlegen, wie er seinen zentralen Angreifer ersetzt. Dass er sich dabei auf den Zusammenhalt seiner Mannschaft verlassen kann, hob auch Abwehrspieler Chris Richards hervor. «Als wir ins Turnier gestartet sind, gab es große Zweifel an unserem Team generell. Spiel für Spiel haben wir diesen Leuten gezeigt, dass sie falsch liegen», sagte der 26-Jährige.

Das trifft nicht nur auf den Punkt Zusammenhalt zu. Das Offensivspiel der USA ist deutlich variabler und kreativer, als viele das vor der WM für möglich gehalten hätten. Außer beim quasi bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen die Türkei (2:3) präsentiert sich auch die Abwehr sehr gefestigt.

Und dass die Belgier keine Übermacht sind, hat bei diesem Turnier gerade erst der Senegal gezeigt. Die Westafrikaner hatten das Team um Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku am Rande einer Niederlage.

«Für uns geht es jetzt darum, weiter zu träumen», sagte Pochettino. «Im Fußball ist vieles möglich, wenn man daran glaubt. Und wir werden daran glauben – mit allem Respekt vor Belgien.» Dann darf er vielleicht nach dem Achtelfinale wieder singen.

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