02. Juli 2026 – dpa
Bronze geklaut, Moskau empört: Wie der Diebstahl des Puschkin-Denkmals in Hemer für Ärger sorgt – und was die Polizei dazu sagt.
Hemer im nördlichen Sauerland hat den Zorn des russischen Außenministeriums auf sich gezogen. Grund ist der Diebstahl einer Bronzestatue des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin (1799-1837) aus dem Friedenspark der 35.000-Einwohner-Stadt.
Eine Sprecherin des Ministeriums in Moskau sprach am Donnerstag von einem Fall russlandfeindlicher Cancel Culture. Das erinnere an die Bücherverbrennungen von 1933, schrieb Sprecherin Maria Sacharowa auf ihrem Blog im Netzwerk Telegram.
Das 1994 eingeweihte Denkmal - ein Geschenk von Hemers russischer Partnerstadt Schelkowo - sollte die Verständigung und Freundschaft zwischen Deutschen und Russen feiern. Nun bleiben nur der Sockel mit Puschkin-Inschrift und ein paar rostige Stahlanker.
Am vergangenen Wochenende zwischen Freitag und Samstagfrüh hatten Unbekannte die etwa 1,80 Meter große und laut Stadt massive Bronzestatue von ihrem Steinsockel geholt. Die Stadt hatte mit «Bestürzung» reagiert und 1.000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgeschrieben.
Doch bisher gibt es keine Spur, wie ein Polizeisprecher im Märkischen Kreis sagte. Die Polizei sieht auch keine politischen Motive oder gar kulturelle Vorbehalte gegen den Mitbegründer der modernen russischen Literatursprache im 19. Jahrhundert. «Wir gehen von normalen Metalldieben aus. Die sind da schmerzfrei», sagte ein Polizeisprecher.
Wenn er Recht behält, könnte das Abbild des großen russischen Dichters womöglich längst eingeschmolzen und zum Kilopreis verkauft worden sein. Puschkin würde damit das Schicksal einer anderen bedeutenden Figur teilen: Nur wenige Tage vor dem Puschkin-Denkmal war nicht weit entfernt von Hemer in Hagen eine Bronzestatue von Pippi Langstrumpf gestohlen worden. Auch von ihr fehlt jede Spur, wie die örtliche Polizei mitteilte.