17. August 2026 – dpa
Immer wieder lässt Russland westliche Stellen, die dem Machtapparat missfallen, zu «unerwünschten Organisationen» erklären. Die Forschungsstelle Osteuropa in Bremen spricht von Einschüchterung.
Als einen weiteren Versuch der Einschüchterung von Wissenschaftlern sieht die Universität Bremen die russische Einstufung der Forschungsstelle Osteuropa (FSO) als unerwünschte Organisation. Das bedeute, dass sie beziehungsweise ihre Mitglieder keinerlei Forschungsaktivitäten in Russland mehr entfalten dürfen und russischen Einrichtungen jede Kooperation untersagt ist, schrieb die Uni in einer Stellungnahme.
Die FSO in Bremen sei aber auch eine Zweigstelle und mithin Teil der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (Berlin), welche 2024 von Russland sogar zur «extremistischen Organisation» erklärt wurde mit noch deutlich weitreichenderen Strafmaßen, hieß es weiter. «Insofern kann man die nunmehr "doppelte Sanktionierung" der FSO als einen nochmaligen Ausdruck der Wissenschaftsfeindlichkeit Russlands und als weiteren Versuch der Einschüchterung von Wissenschaftlern betrachten», erklärte Rektorin Jutta Günther.
Das russische Justizministerium hatte seine Liste mit ausländischen und internationalen Einrichtungen erweitert, deren Arbeit auf dem Gebiet der Russischen Föderation untersagt ist. Besondere Gründe wurden nicht genannt, gelistet werden aber Organisationen, die nach Auffassung der Moskauer Behörden gegen die Interessen des russischen Staates arbeiten. In der Liste stehen bereits mehrere deutsche Organisationen, darunter das viele Jahre in Moskau tätige Deutsche Historische Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst sowie zahlreiche politische Stiftungen.
Die FSO sei «ein Ort, an dem der Ostblock und seine Gesellschaften mit ihrer spezifischen Kultur aufgearbeitet sowie die gegenwärtige Entwicklung in der post-sowjetischen Region analysiert werden», heißt es auf der Internetseite der Forschungsstelle. Die FSO gibt mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen auch kostenlos Länder-Analysen mit Einschätzungen zu politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen heraus, neben Russland etwa auch für Belarus. Auch mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine befassen sich die Wissenschaftler.