01. November 2026 – dpa
Polizisten schießen auf ein Auto, nachdem es in eine Menschengruppe gesteuert wurde. Was die Polizei über die Beteiligten weiß – und warum sie nun besonders präsent bleibt.
Nach einem Angriff per Auto auf eine Gruppe von Menschen in Neustadt am Rübenberge bei Hannover will die Polizei eine weitere Eskalation verhindern. «Wir werden alles dafür tun, dass dieser Konflikt nicht weiter eskaliert», sagte die für Neustadt zuständige Leiterin der Polizeiinspektion Garbsen, Ilka Kreye. Erste Ermittlungen wiesen auf einen Konflikt zwischen Großfamilien hin, die in Teilen der sogenannten Clankriminalität zugerechnet werden. Der Ort sei ein Schwerpunkt der Clankriminaltät im Raum Hannover, sagte die Leitende Polizeidirektorin.
Dort gebe es im Vergleich mit anderen Dienststellen «überproportional hohe Fallzahlen mit Bezug zur Clankriminalität», sagte sie. Dennoch: Im Vergleich zur Gesamtkriminalität habe der Anteil der Clankriminalität im Gebiet des Polizeikommissariats Neustadt 2025 bei etwas mehr als zwei Prozent gelegen. Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.
Am späten Montagabend war ein Auto gezielt in eine kleine Menschengruppe gesteuert worden. Mindestens fünf Menschen wurden leicht bis schwer verletzt. Polizeibeamte, die in der Nähe mit einer Verkehrskontrolle beschäftigt waren, schossen auf den Wagen, um den Angriff zu stoppen. Der Täter ließ das Auto zurück und floh.
Nach der Tat nahm die Polizei einen 36-Jährigen fest; der Mann mit deutscher und libanesischer Staatsangehörigkeit sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hildesheim äußerte er sich nicht. Der Zentralen Kriminaldienst der Polizeidirektion Hannover ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.
Die Ermittler gehen nach bisherigem Stand davon aus, dass sich die Beteiligten kannten. Nach Kreyes Worten gehören diese ortsansässigen Großfamilien an, die teils im Zusammenhang mit Clankriminalität, aber auch mit anderen Delikten regelmäßig polizeilich in Erscheinung treten.
«Nach unseren Erkenntnissen sind in der Vergangenheit insbesondere Einzelpersonen aus in Neustadt ansässigen Großfamilien, zu denen Erkenntnisse im Bereich der Clankriminalität vorliegen, polizeilich in Erscheinung getreten», sagte Kreye. Sie betonte: «Ehrlich gesagt: Für Konflikte, die über Jahre gewachsen sind, gibt es keine schnelle Lösung. Erfahrungsgemäß werden solche Auseinandersetzungen häufig untereinander ausgetragen und nicht bei der Polizei angezeigt. Das macht unsere Ermittlungsarbeit schwierig.»
Sie sagte aber auch, dass nach aktuellem Ermittlungsstand keine Erkenntnisse vorliegen, wonach bei dem Auto-Angriff Unbeteiligte unmittelbar gefährdet waren. «Dass eine solche Tat trotzdem verunsichert, verstehen wir sehr gut. Natürlich besteht immer eine abstrakte Gefahr, dass Dritte zu Schaden kommen können», sagte sie.
Um das Sicherheitsgefühl in dem Ort zu stärken, sei unmittelbar nach der Tat verstärkte Präsenz in Neustadt am Rübenberge angeordnet worden, sagte Kreye. «Sie bleibt, solange die Lage es erfordert.» Für das Sicherheitsgefühl sei aber neben der verstärkten Polizeipräsenz auch eine akribische Ermittlungsarbeit nötig. Wichtig sei es zudem, dass Aufnahmen der Tat vom Montag nicht weiterverbreitet, sondern der Polizei zur Verfügung gestellt würden, «um Menschen nicht noch mehr zu verunsichern».