23. Juli 2026 – dpa

Gefräßiger Schädling

Erster Japankäfer in Niedersachsen – wie gefährlich ist er?

Mehr als 400 Pflanzenarten stehen auf seiner Speisekarte: Warum der kleine Käfer mit den weißen Haarbüscheln für Niedersachsen zum Problem werden könnte.

gtjivwd2gc-v8-ax-s2048.jpeg
Der Japankäfer ist etwa einen Zentimeter groß und damit etwas kleiner als eine Ein-Cent-Münze. (Symbolbild)

Er ist nur etwa so groß wie eine Kaffeebohne, kann aber erhebliche Schäden anrichten: Am Flughafen Hannover sind erstmals in Niedersachsen zwei Japankäfer entdeckt worden. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen vermutet, dass die Tiere als blinde Passagiere eingeschleppt wurden. Was bedeutet der Fund?

Der Japankäfer ist ein Pflanzenschädling. Er stammt ursprünglich aus Asien und befällt nach Angaben der Landwirtschaftskammer mehr als 400 Pflanzenarten. In der Europäischen Union gilt er als meldepflichtiger Quarantäneschädling.

Mitarbeiter des Pflanzenschutzdienstes entdeckten zwei Exemplare in Lockstofffallen am Flughafen Hannover. Es ist nach Angaben der Landwirtschaftskammer der erste Nachweis des Käfers in Niedersachsen.

Bislang gibt es nach Einschätzung des Pflanzenschutzamtes keinen Hinweis darauf, dass sich der Japankäfer in Niedersachsen angesiedelt hat. Weil nur zwei Tiere in einem eng begrenzten Bereich gefunden wurden, geht die Behörde von eingeschleppten Einzeltieren aus. Die Überwachung rund um den Flughafen soll dennoch deutlich ausgeweitet werden.

Japankäfer reisen häufig unbemerkt in Flugzeugen, Lastwagen, Autos, Güterzügen, Wohnwagen oder Gepäck mit. Eier und Larven können zudem über Erde, Pflanzenballen oder Pflanzensubstrate verschleppt werden. Die beiden Tiere könnten aus einem Befallsgebiet mit einem Flugzeug oder Lastwagen angekommen sein.

Die Larven leben im Boden und fressen bevorzugt an den Wurzeln von Gräsern auf Rasenflächen, Wiesen und Weiden. Ausgewachsene Käfer fressen Blätter, Blüten und Früchte. Bei starkem Befall können sie Pflanzen weitgehend kahl fressen.

Zu den möglichen Wirtspflanzen gehören Obstbäume, Weinreben, Rosen, Haselnüsse, Mais und Soja sowie Ahorn, Buche und Eiche. Eine dauerhafte Ansiedlung könnte deshalb Landwirtschaft, Obstbau, Baumschulen, Forstwirtschaft, Gärten und öffentliche Grünanlagen treffen.

Der Käfer ist ungefähr so groß wie eine Kaffeebohne. Er hat bräunliche Flügeldecken sowie einen metallisch grün schimmernden Kopf und Halsschild. Dadurch ähnelt er heimischen Arten wie dem Gartenlaubkäfer.

Das deutlichste Erkennungsmerkmal sind weiße Haarbüschel: An jeder Körperseite befinden sich fünf, am Hinterende zwei weitere. Fehlen diese Haarbüschel, handelt es sich laut Landwirtschaftskammer nicht um einen Japankäfer. Bei Gefahr spreizt das Tier zudem auffällig ein Beinpaar ab.

Der Schädling wurde 2014 nach Norditalien eingeschleppt und hat sich von dort weiter ausgebreitet. Er kommt inzwischen unter anderem in der Schweiz sowie in Teilen Deutschlands vor. Nachweise gibt es etwa in Hessen und Baden-Württemberg.

Die Hauptflugzeit der ausgewachsenen Käfer reicht von Juni bis September. In dieser Zeit können sie besonders leicht in Fahrzeugen oder Gepäck mitreisen. Wer aus einem Befallsgebiet zurückkehrt, sollte Gepäck und Fahrzeuge sorgfältig kontrollieren. Pflanzen und Schnittblumen sollten nach Empfehlung des Pflanzenschutzamtes nicht aus betroffenen Regionen mitgebracht werden.

Verdächtige Käfer sollten fotografiert und möglichst in einem verschlossenen Glas eingefangen werden. Sie sollten weder freigelassen noch zerdrückt werden, damit Fachleute sie untersuchen können.

Weitere Meldungen

undefined
Antenne Niedersachsen
Audiothek