09. Oktober 2026 – dpa
In Wolfsburg startet ein Bürgerforum zur Corona-Aufarbeitung. Organisator ist die Enquete-Kommission des Bundestages. Sie erwartet Hinweise für künftige Krisen – und setzt auf einen offenen Austausch.
Welche Erfahrungen haben die Bürgerinnen und Bürger in der Corona-Zeit gemacht, und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Diese Fragen stehen im Zentrum von vier Dialogforen, zu denen die Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der Pandemie lädt. Sie hofft auf neue Einblicke und Empfehlungen, so wie bereits bei einer früheren Gesprächsrunde mit jungen Menschen. Den Auftakt der neuen Reihe macht eine Veranstaltung in Wolfsburg an diesem Samstag mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
«Die Empfehlungen, die uns die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mitgegeben haben, waren wirklich sehr ernsthaft und auch konkret», sagte der Kommissionsvorsitzende, Michael Hose (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. Das erhoffe man sich nun auch von den Bürgerforen in Wolfsburg, Halle an der Saale, Ingolstadt und Düsseldorf. «Uns ist wichtig, dass der Austausch dort in einem geschützten Raum stattfindet, in dem es nicht um Selbstdarstellung auf TikTok geht, sondern um einen offenen Dialog», betonte der Thüringer Bundestagsabgeordnete. Deshalb seien die Foren nicht öffentlich.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich für die Foren bewerben. Das Ausschusssekretariat achtete auf eine ausgewogene Verteilung von Berufs- und Altersgruppen. Am Ende wurde per Los entschieden.
Die Enquete-Kommission besteht aus 14 Abgeordneten und ebenso vielen externen Sachverständigen. Ihr Abschlussbericht soll Ende Juni 2027 vorliegen. «Unser Auftrag ist auch, die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen aus der Bevölkerung abzubilden», sagte Hose. Da seien die Sachverständigen von zentraler Bedeutung, aber auch die Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger im Alltag.
«Corona hatte schlimme gesundheitliche Folgen, aber auch gravierende gesellschaftliche Folgen», bilanziert er. Die Kommission wolle dazu beitragen, dass wieder Brücken entstehen, «auch da, wo sich Menschen während der Pandemie zerstritten haben und bis heute teilweise nicht mehr miteinander reden». Er habe den Eindruck, dass diese Unversöhnlichkeit allmählich überwunden werden könne.
Antworten suche die Kommission etwa auf Fragen wie: «Wie gehen wir mit dem Impfen um, wie mit den Schulschließungen im Falle einer neuen Pandemie?» Auch die Kommission werde wohl nicht «die perfekte Antwort finden», aber sie könne wichtige Anregungen für künftiges Handeln geben.
«Im Vergleich zu anderen Ländern war die Zahl der Corona-Todesopfer in Deutschland deutlich niedriger», sagte der Kommissionsvorsitzende. Zu den Dingen, die während der Pandemie gut gelaufen sind, zähle etwa das Kurzarbeitergeld. Dieses habe dazu beigetragen hat, dass Deutschland sowohl wirtschaftlich als auch arbeitsmarktpolitisch gut durchgekommen sei.
In den Pandemiejahren 2020 bis 2022 sind nach Daten des Robert Koch-Instituts rund 161.500 Menschen mit laborbestätigtem Nachweis einer Sars-CoV-2-Infektion in Verbindung mit Covid-19 gestorben.