29. Oktober 2026 – dpa
Alptraum für Wildpark-Besucher: Ein Wolf greift ein Kind an. Die Polizei ermittelt gegen eine Mitarbeiterin. Nach der Attacke rücken die Sicherheitsvorkehrungen in Wolfsgehegen in den Fokus.
Nach dem Angriff eines Wolfs auf ein achtjähriges Mädchen in einem Wildpark im brandenburgischen Baruth/Mark ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Die Ermittlungen richteten sich gegen eine Mitarbeiterin, die mit den Kindern im Gehege gewesen sei, sagte eine Polizeisprecherin.
Der Landkreis kündigte eine Aufarbeitung des Angriffs und eine Kontrolle des Wildparks südlich von Berlin Anfang kommender Woche an. In einer Mitteilung teilte die Kreisverwaltung mit: «Nach den vorliegenden Informationen hätten die Kinder das Gehege nicht betreten dürfen.» Warum es dazu kam und ob möglicherweise Sicherheitsvorkehrungen nicht beachtet wurden, blieb unklar. Weitere Angaben dazu wollte eine Sprecherin des Landkreises nicht machen.
Ein Wolf hatte am Mittwochmorgen das Mädchen schwer verletzt. Das Kind kam per Rettungshubschrauber in eine Berliner Klinik. Angriffe von Wölfen sind in Deutschland sehr selten.
Für mehrere Kinder sei vor der regulären Öffnung des Wildparks ein «Tierpflegertag für Kinder» vorgesehen gewesen, teilte der Landkreis Teltow-Fläming mit.
«Während der Tränkung der Tiere im Wildgehege griffen die dort gehaltenen Wölfe ein Mädchen an und verletzten es schwer», so der Landkreis. Es soll sich um eine Polarwolf-Anlage handeln. Das Eingreifen der Tierpflegerin habe weiteres Leid verhindert. Zwei weitere Kinder im Gehege wurden nicht verletzt.
Unklar blieb, wie nah Kinder Wölfen bei dem «Tierpflegertag» normalerweise kommen dürfen und welche Schutzbarrieren es gibt. Im Wolfcenter Dörverden in Niedersachsen dürfen Besucher Wölfen nur hinter einem 3,5 Meter hohen Zaun näher kommen, wie Betreiber Frank Faß sagte.
Der Landkreis teilte mit, die Betriebsgenehmigung für den Wildpark enthalte Anforderungen an die Sicherheit der Tierhaltungsanlagen. Die Gehege von Raubtieren und Wisenten müssten täglich auf Schwachstellen überprüft werden.
2016 waren zwei Löwen im Wildpark aus ihrem Gehege ausgebüxt. Sie wurden von einem zweiten Sicherheitszaun und einer Tierärztin mit Betäubungsgewehr gestoppt.
Die Polizeidirektion wollte einen Tag nach dem Angriff keine weiteren Angaben zum Ablauf machen. Die Achtjährige habe sich mit zwei anderen Kindern und der Mitarbeiterin in einem Gehege befunden. «Dort wurde sie von mindestens einem Wolf angegriffen». Wie der Vorfall abgelaufen sei, sei Teil der Ermittlungen. Auch Zeugen wurden befragt.
Der Wolfsangriff löste auch beim Wolfcenter Dörverden große Anteilnahme aus. Betreiber Faß schilderte die Sicherheitsvorkehrungen. Besucher dürfen nicht ins eigentliche Wolfsgehege hinein. Sie können sich zwei mit der Hand aufgezogenen Wölfen nur aus einer gesicherten Schleuse nähern.
Besucher sollten dabei «reizarme» Kleidung tragen und Schmuck ablegen, erklärte Faß. Auch auffällige Accessoires könnten Tiere neugierig machen. Ein Wolf habe einmal versucht, die bauschige Jacke eines Kindes ins Gehege zu ziehen.
2007 hatte ein Wolf im Zoo Hannover eine Tierpflegerin angegriffen und schwer verletzt. In diesem Frühjahr hatte sich zudem in Hamburg ein frei lebender Wolf in eine Einkaufspassage verirrt und eine Frau verletzt.
Frei lebende Wölfe meiden laut Experten die Nähe zu Menschen. Dennoch tauchen sie mitunter in dicht besiedelten Gebieten auf. Faß riet, bei einer Begegnung mit einem Wolf keinesfalls wegzurennen.
In Brandenburg leben im bundesweiten Vergleich besonders viele Wolfsrudel. Der Umgang mit den Tieren sorgt für Streit, weil Wölfe immer wieder Schafe und Ziegen reißen. Ihr strenger Schutzstatus wurde zuletzt gelockert. Ein Abschuss soll leichter möglich sein, vor allem wenn Tiere Schutzzäune überwinden und Nutztiere töten.