15. Oktober 2026 – dpa
Nach den Überschwemmungen in Istanbul dauern die Rettungsarbeiten an und auch der Regen hat noch nicht überall aufgehört. Stattdessen warnt der türkische Innenminister vor neuen Unwettern im Land.
Während nach heftigen Überschwemmungen in Istanbul die Rettungsarbeiten noch andauern, drohen der Türkei bereits neue starke Regenfälle. Innenminister Mustafa Ciftci warnte, auch in den nord-westlichen Provinzen Kocaeli, Zonguldak, Sakarya, Yalova und Düzce würden ab heute nach Angaben der Generaldirektion für Meteorologie bis zu 100 Kilogramm Niederschlag pro Quadratmeter erwartet. Die dortigen Schulen seien deshalb geschlossen. Er rief die Bevölkerung dazu auf, nur auf die Straßen zu gehen, wenn dies unbedingt notwendig sei, und sich von Unterführungen und Flussbetten fernzuhalten.
In einigen Stadtteilen Istanbuls wurden seit Mittwochabend die stärksten Niederschlagsmengen seit 1985 gemessen, wie lokale Medien unter Berufung auf die Stadtverwaltung berichteten. Innenminister Ciftci bilanzierte, Istanbul habe bisher eine Niederschlagsmenge bis zu 272 Kilogramm pro Quadratmeter erreicht. Laut dem Gouverneur von Istanbul, Davut Gül, laufen die Rettungsarbeiten an 14 Orten noch.
Mehr als 46.000 Einsatzkräfte waren demnach an den Such- und Rettungsmaßnahmen beteiligt. In ganz Istanbul retteten sie gut 2.700 Menschen - teils auch mit Booten. Landesweit gingen laut Gül rund 10.000 Hinweise ein, davon fast 9.000 allein in Istanbul.
Die Provinzverwaltung stellte dem Gouverneur zufolge in 39 Bezirken Unterkünfte für Menschen bereit, die ihre Häuser verlassen mussten oder diese gar nicht erst erreichen konnten. Die Überschwemmungen hatten Istanbul am Mittwoch in den späten Abendstunden getroffen. Zahlreiche Menschen waren noch auf dem Weg von der Arbeit nach Hause gewesen und waren mit ihren Autos stecken geblieben.
Auch Flugzeuge vom Flughafen Istanbul mussten wegen des Unwetters umgeleitet werden. 19 Flüge seien gestrichen worden, sagte Gül. Zunächst waren zudem noch mehrere kleinere Straßen gesperrt. Das am Mittwochabend verhängte Fahrverbot für Motorräder dauerte zwar offiziell an. Da viele Menschen aber als Lieferanten arbeiten und auf das Fahrzeug angewiesen sind, war es schwer umzusetzen.
Gül zufolge wurde noch kontrolliert, ob es Lecks an Stromleitungen gebe. Gestern war ein 14-jähriger durch einen Stromschlag in einer Pfütze ums Leben gekommen. Auch in der Vergangenheit kam es in der Türkei andernorts zu ähnlichen Unfällen.
Am Donnerstag wurde die Leiche eines Mannes nahe eines Parks im Stadtteil Kagithane gefunden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Provinzverwaltung berichtete; die Identifizierung laufe noch. Damit steigt die Zahl der Todesopfer durch Überschwemmungen in Istanbul auf drei, vier weitere Menschen werden vermisst.
Nachdem bereits am Mittwoch der Präsenzunterricht in den Schulen für den heutigen Tag abgesagt worden war, erklärte Gouverneur Gül auch den Unterricht am Freitag für ausgesetzt. Für Anfang der kommenden Woche kündigte Gül genauere Informationen über die konkreten Schäden des Unwetters an.
Die Istanbuler Kammer für Stadtplanung kritisierte, die aktuelle Situation ließe sich nicht allein mit der Heftigkeit der Regenfälle erklären. Die oppositionsnahe Nachrichtenagentur Anka zitierte aus einer schriftlichen Erklärung, dass vielmehr der seit Jahren andauernde Druck zur intensiven Bebauung Istanbuls irreversible Schäden an der Natur und den Wassereinzuggebieten der Stadt verursacht habe.
Durch die Versiegelung von Flächen, auf denen Regenwasser in den Boden versickern könnte, würde das Wasser schnell über die Oberfläche abfließen. Die Verengung von Flussbetten oder deren Randbebauung führten dazu, dass die Kapazitäten der städtischen Infrastruktur überschritten würden. Dadurch erhöhe sich das Risiko von Überschwemmungen und Hochwasser bei starken Regenfällen.