20. August 2026 – dpa

Korruptionsprozess

Korruption bei Straßenreinigung: Angeklagter gibt alles zu

Als Mitarbeiter der Wuppertaler Straßenreinigung soll er Schmiergeld kassiert, betrogen und gefälscht haben. Als Angeklagter hat er nun alles gestanden - und erklärt, wie es dazu kam.

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Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe. (Archivbild)

Ein Angeklagter hat vor Gericht Korruption, Betrug und Urkundenfälschung in seiner Tätigkeit als Betriebsaufsicht bei der Wuppertaler Straßenreinigung zugegeben. «Meine Spielsucht hat mein Handeln bestimmt. Das führte zu einer Kette vieler Fehlentscheidungen», gestand der 39-Jährige beim Prozessauftakt am Wuppertaler Amtsgericht. Er übernehme die volle Verantwortung für die Taten.

Eine erblich bedingte Autoimmunkrankheit habe ihn in eine tiefe seelische Krise getrieben. Aus dieser Krise sei er wiederum in die Spielsucht gerutscht. Er habe das Vertrauen seines Arbeitgebers missbraucht, sei aber entschlossen, künftig ein ehrliches Leben zu führen. So habe er sich bemüht, den Schaden wiedergutzumachen. Dafür habe er sein Haus verkauft.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zahlreiche Fälle von Bestechlichkeit, Betrug und Urkundenfälschung vor. Er habe als Betriebsaufsicht bei der Straßenreinigung seine Aufgabe missbraucht, Rechnungen von Fremdfirmen zu prüfen, sagte die Staatsanwältin.

Von Garten- und Landschaftsbauern habe er «Provision» für weitere Aufträge verlangt. Diese hätten das Schmiergeld auf die Rechnungen aufgeschlagen, die sie bei dem städtischen Betrieb einreichten. Deren sachliche Richtigkeit habe der Angeklagte dann selbst bescheinigt. Diese Rechnungen habe sein Vorgesetzter daraufhin zur Zahlung freigegeben.

Insgesamt seien so 113.000 Euro zu viel gezahlt worden. Außerdem habe er Rechnungen von Firmen vollständig gefälscht, obwohl diese gar keine Rechnungen eingereicht hätten. So habe er dafür gesorgt, dass fast 36.000 Euro direkt auf sein Privatkonto flossen. Das Gericht teilte dem Angeklagten mit, dass entgegen der Anklage auch eine Verurteilung wegen besonders schwerer Bestechlichkeit in Betracht komme.

Der Prozess gegen den 39-Jährigen sollte bereits im März 2025 beginnen, doch der Angeklagte ließ den Prozess platzen und setzte sich in die Türkei ab. Auch dies sei ein schwerer Fehler gewesen, sagte er. Er habe sich in einer Ausnahmesituation befunden. Die Berichterstattung habe seine Familie sehr belastet.

Weil er mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde, war der Wuppertaler am 24. Juni an der türkisch-bulgarischen Grenze festgenommen und an die deutsche Justiz ausgeliefert worden.

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