06. November 2026 – dpa

Ausstellung

Herlinde Koelbls «Fadenkreuze für das Leben» im Museum

Der Fotografin sind sensible Porträts krebskranker Menschen gelungen. Die Ausstellung soll dazu beitragen, das Thema Krebs zu enttabuisieren.

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Die Ausstellung soll dazu beitragen, das Thema Krebs zu enttabuisieren.

Eine nackte Brust mit aufgemaltem Kreuz, ein Kopf unter einer Netzmaske mit einer Markierung: Die renommierte Fotografin Herlinde Koelbl hat 40 an Krebs erkrankte Menschen porträtiert. Die eindrucksvolle Ausstellung «Fadenkreuze für das Leben» im Kunstmuseum Bonn bietet einen künstlerischen Blick auf Krankheit, Verletzlichkeit und Hoffnung.

Farbfotos zeigen in Nahaufnahme die markierte Körperstelle. Daneben hängen großformatige Schwarz-Weiß-Porträts und Tafeln mit Zitaten der erkrankten Personen. «Krebs ist ein Thema, über das man nicht gerne redet, obwohl es omnipräsent ist», sagte Koelbl.

Dass diese Menschen sich bereitgefunden hätten, sich mit ihrem entblößten Körper und in all ihrer Verletzlichkeit fotografieren zu lassen, mache das Besondere der Ausstellung aus. Dennoch sei es keine traurige, sondern eine mutmachende und lebensbejahende Schau.

Ausgangspunkt sei ihre eigene Brustkrebserkrankung vor gut sechs Jahren gewesen. Für die Strahlentherapie seien die Bestrahlungsstellen auf ihrem Körper mit Fadenkreuzen markiert worden, schilderte die 87-Jährige. Dies habe sie an ihr früheres Werk «Targets» erinnert, für das sie weltweit Schießziele und Fadenkreuze des Militärs fotografiert hatte: «Dort dienten sie dem Töten, in der Krebstherapie dem Überleben.»

Die Deutsche Krebsgesellschaft und die Stiftung Deutsche Krebshilfe sind Kooperationspartner des Kunstmuseums. In den vergangenen Jahren habe es große Fortschritte bei der Krebstherapie gegeben, sagte Mirjam Einecke-Renz von der Deutschen Krebsgesellschaft. Dennoch bedeute die Diagnose Krebs einen großen Einschnitt ins Leben. «Herlinde Koelbl trägt mit ihrer Kunst dazu bei, das Thema zu enttabuisieren und den Erfahrungen und Emotionen der Betroffenen Raum zu geben.»

Die Ausstellung läuft bis zum 16. Mai 2027. Zum Rahmenprogramm gehören unter anderem Vorträge von Medizinern und Erkrankten.

Koelbl zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Fotografinnen in Deutschland und ist besonders für ihre Langzeitstudien bekannt, etwa über die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Für «Spuren der Macht» begleitete Koelbl über Jahre insgesamt 15 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.

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