04. Juni 2026 –
Engagement in der Suchtprävention
Uli Borowka: "Jeder Tag, den ich trocken bin, ist wichtiger als jeder Titel, den ich gewonnen habe."
Im Antenne Niedersachsen-Interview spricht Werder- und Gladbach-Legende Uli Borowka so offen wie selten über die dunkle Seite hinter einer großen Karriere: Alkohol- und Medikamentensucht, Absturz und warum er heute mit Vorträgen und Suchthilfe anderen Mut macht.
Ex-Fußballprofi Uli Borowka schaut vor seiner Lesung vor Häftlingen der Jugendstrafanstalt in Berlin aus seinem Buch "Volle Pulle" in die Kamera. , Foto: picture alliance/dpa
Wenn über Uli Borowka gesprochen wird, kommen schnell diese Bilder auf: kompromissloser Innenverteidiger, klare Kante, klare Worte. Sogar der ehemalige Fußballprofi und heutige TV-Experte Olaf Thon erinnert sich an die erste Bundesliga-Begegnung mit einem Satz, der ihm bis heute hängen geblieben ist: "Mein erster Gegenspieler in der Bundesliga war Borowka. Er empfing mich mit den Worten: 'Ich brech dir gleich die Beine'." Spitznamen wie "Eisenfuß" oder "die Axt" passten in Borowkas Image – und machten ihn für viele zum "Klopper der Nation".
Aber Borowka war mehr als das: Seine Profi-Karriere begann 1980 bei Borussia Mönchengladbach, 1987 folgte der Wechsel an die Weser zu Werder Bremen. Am Ende stehen 388 Bundesligaspiele, zwei Meisterschaften und 1992 sogar der Europapokalsieg in seiner Profibilanz. Leistungsträger, Publikumsliebling, Nationalmannschaft – nach außen hin lief für Borowka alles glänzend. Doch der Schein trog.
Wer Leistung bringt, "darf auch ruhig einmal die Woche besoffen vom Stuhl fallen"
Im Antenne Niedersachsen Gespräch geht es um das, was lange niemand sehen sollte: Borowka erzählt von einer "dunklen Seite", die parallel zu ihm als Fußball-Profi existierte. Er war jahrelang alkohol- und medikamentenabhängig – verborgen unter dem Deckel der Leistungsgesellschaft. Sein Fazit dazu ist so brutal wie ehrlich zugleich: Solange Leistung kommt, wird vieles übersehen. Oder wie er es im Antenne Niedersachsen-Interview beschreibt: Wer Leistung bringt, "darf auch ruhig einmal die Woche besoffen vom Stuhl fallen".
Foto: picture alliance/dpa
03.06.2026
Uli Borowka im Antenne Niedersachsen-Interview
Uli Borowka im Antenne Niedersachsen-Interview
Borowka spricht über Co-Abhängigkeit, über die Angst im Umfeld, über das Wegschauen und darüber, wie schwer es ist, sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Den Wendepunkt beschreibt er nicht als einen dramatischen Moment, sondern als Prozess. Entscheidend wurde am Ende die Erkenntnis, dass "kontrolliert trinken" für Abhängige eine Illusion ist und dass Reden oftmals der erste Schritt raus aus der Abhängigkeit ist.
Heute ist Uli Borowka seit 26 Jahren trocken, wie er im Interview erzählt. Und er hat eine Mission daraus gemacht: Aufklären, Prävention, konkrete Hilfe. Er ist in Schulen unterwegs, spricht in Vereinen, Kliniken oder Gefängnissen und macht sich dafür stark, dass Sucht nicht länger tabuisiert wird. Sein stärkster Satz im Gespräch ist dabei auch sein persönliches Fazit: "Jeder Tag, den ich trocken bin, ist wichtiger als jeden Titel, den ich mal gewonnen habe."
Über Uli Borowkas Engagement
Mehr Infos zu Uli Borowka und seinem Engagement in der Suchtprävention und Suchthilfe findet ihr hier:
Hier finden Betroffene Hilfe
- Anonyme Alkoholiker: Die Anonymen Alkoholiker sind eine Selbsthilfeorganisation, bei der sich Betroffene regelmäßig in Gruppen treffen, um gemeinsam gegen die Alkoholsucht anzukämpfen. Meetings in der Nähe finden Betroffene hier.
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS): Hier können Betroffene nach Beratungs- und Hilfsangeboten in ihrer Nähe suchen.
- Al-Anon: Die Al-Anon Familiengruppen unterstützen all diejenigen, deren Leben jetzt oder in der Vergangenheit durch das Trinken eines anderen belastet worden ist.
- Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: Informationen und eine anonyme, individuelle Beratung erhalten Betroffene auf der Webseite des BIÖG, beim Info-Telefon unter 0221 892031 (zu erreichen Mo.-Do. von 10 bis 22 Uhr und Fr.-So. von 10 bis 18 Uhr) oder per Online-Beratung.
- Hausärztliche Praxis: Der Hausarzt bzw. die Hausärztin kann weiterhelfen, wenn Betroffene für die Lösung ihres Alkoholproblems fachliche Hilfe in Anspruch nehmen möchten.