21. Juli 2026 – Sascha Funke

Zecken in Niedersachsen

Wo Zecken jetzt zum Risiko werden - und wie ihr euch schützt

Zecken breiten sich in Niedersachsen weiter aus - nicht nur im Wald, sondern auch in Parks, Gärten und direkt vor der Haustür. Gleichzeitig rückt mit dem Emsland und dem Landkreis Celle auch das Thema FSME stärker in den Fokus. Wer in Niedersachsen häufig draußen ist, sollte das Risiko kennen und wissen, wann eine Impfung sinnvoll sein kann.

Der Schatten einer Zecke ist auf einem grünen Blatt sichtbar
Auch in Norddeutschland leben viele Zecken. (Archivbild), Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Zecken breiten sich in Niedersachsen weiter aus

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA) kommen Zecken verstärkt in ganz Niedersachsen vor. Betroffen ist nicht nur die freie Natur. Auch im direkten Lebensumfeld - also vor der Haustür, im Garten oder im Park - ist ein Kontakt möglich.

Aus Sicht des NLGA zeigt sich außerdem ein zweiter Trend: Die von Zecken übertragbare Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, breitet sich weiter in Richtung Norden aus. Das Virus kann inzwischen bundesweit in Zecken nachgewiesen werden. Neue FSME-Risikogebiete in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt deuten ebenfalls darauf hin, dass sich die Entwicklung nicht mehr auf Süddeutschland beschränkt.

Eine sichere Vorhersage, wie sich die Lage in Niedersachsen in den kommenden Jahren verändert, ist laut Landesgesundheitsamt aber nicht möglich.

Wo das FSME-Risiko in Niedersachsen besonders hoch ist

In Niedersachsen gelten aktuell zwei Gebiete als offizielle FSME-Risikogebiete:

  • Emsland
  • Landkreis Celle

Das Emsland ist seit 2019 als Risikogebiet eingestuft, Celle seit 2025.

Darüber hinaus wurde das FSME-Virus laut NLGA auch in Zecken aus weiteren Teilen Niedersachsens nachgewiesen. Genannt werden unter anderem:

  • Landkreis Cuxhaven
  • Landkreis Nienburg
  • Region Hannover

Wichtig dabei: Ein Virusnachweis in Zecken ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem offiziellen Risikogebiet. Er zeigt aber, dass das Thema auch außerhalb der bisher ausgewiesenen Regionen relevant ist.

Zecken sitzen nicht nur im Wald

Wer an Zecken denkt, denkt oft an hohes Gras, Waldränder und Unterholz. Tatsächlich finden sich die Tiere laut Landesgesundheitsamt aber längst auch in alltäglichen Umgebungen. Dazu zählen:

  • Gärten
  • Parks
  • Grünflächen
  • Bereiche rund um Wohnhäuser

Der Kontakt mit Zecken passiert deshalb oft nicht beim Ausflug, sondern ganz normal im Alltag.

Gibt es überhaupt noch eine Zeckensaison?

Die klassische Zeckenzeit von März bis September gilt nach Einschätzung des NLGA praktisch nicht mehr. Wegen des Klimawandels seien Zecken inzwischen ganzjährig aktiv. Damit können sie zu jeder Jahreszeit ein gesundheitliches Risiko darstellen.

Wie viele FSME-Fälle gibt es in Niedersachsen?

Bis Mitte Juli dieses Jahres wurden in Niedersachsen fünf FSME-Fälle gemeldet. Im vergangenen Jahr waren es elf Fälle, 2024 insgesamt 13 Infektionen.

Dabei ist wichtig: Nicht jeder gemeldete Fall muss auf eine Infektion in Niedersachsen zurückgehen.

Mögliche Symptome einer FSME

Eine FSME-Erkrankung kann unter anderem mit folgenden Symptomen verbunden sein:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Darmbeschwerden
  • im schweren Verlauf auch eine Hirnhautentzündung

So ist die Lage in Bremen

Im Land Bremen wurde bis Mitte Juli kein FSME-Fall registriert. Auch im vergangenen Jahr gab es dort keine gemeldete FSME-Infektion. Für 2024 wurde eine Erkrankung genannt.

Wann eine FSME-Impfung empfohlen wird

Gegen FSME gibt es eine Schutzimpfung. Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) richtet sie sich vor allem an Erwachsene, die in einem Risikogebiet leben und sich häufig in der freien Natur aufhalten. Das gilt auch für Reisende, die innerhalb Deutschlands oder im Ausland in FSME-Risikogebiete fahren.

Nach Einschätzung der Ärztekammer Niedersachsen kann eine Impfung auch in Regionen sinnvoll sein, in denen das Virus bereits in Zecken nachgewiesen wurde. Das betrifft vor allem Menschen, die oft draußen sind und häufiger Zeckenstiche haben.

Die Impfung schützt vor FSME, nicht aber vor Borreliose oder vor dem Zeckenstich selbst.

Kinder haben oft ein höheres Risiko für Zeckenbisse

Gerade Kinder sind häufig lange draußen unterwegs und haben deshalb ein erhöhtes Risiko, von Zecken gebissen zu werden. Eltern sollten ihre Kinder nach Aufenthalten im Freien deshalb regelmäßig auf Zecken absuchen.

Borreliose bleibt in ganz Niedersachsen ein Risiko

Neben FSME können Zecken auch Borreliose übertragen. Anders als FSME ist Borreliose nicht meldepflichtig, deshalb gibt es dazu keine flächendeckenden Zahlen.

Nach Angaben des NLGA besteht das Risiko einer Borreliose-Infektion aber in ganz Niedersachsen. Je nach Region und Entwicklungsstadium der Zecken sind bis zu 35 Prozent der Tiere mit Borrelien infiziert.

Woran man Borreliose erkennen kann

Ein typisches Anzeichen ist ein roter Hautring um die Einstichstelle. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Die Erkrankung kann aber vor allem im Frühstadium mit Antibiotika behandelt werden.

Wichtig ist deshalb, eine festgesaugte Zecke möglichst schnell zu entfernen. Denn nach Angaben des NLGA dauert es einige Stunden, bis Borreliose-Erreger auf den Menschen übertragen werden.

Welche Rolle der Klimawandel spielt

Nach Einschätzung der Ärztekammer Niedersachsen nimmt die Zahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland seit Jahren zu. Deshalb erscheint es grundsätzlich möglich, dass künftig von einem allgemein höheren Risiko ausgegangen werden muss.

Sollte sich FSME weiter ausbreiten, könnte das langfristig auch Folgen für die Impfempfehlung haben.


Kurzfakten: Zecken in Niedersachsen

  • Zecken kommen in ganz Niedersachsen vor
  • Das Risiko besteht auch in Gärten, Parks und auf Grünflächen
  • Offizielle FSME-Risikogebiete sind derzeit Emsland und Landkreis Celle
  • Virusnachweise gab es außerdem unter anderem in Cuxhaven, Nienburg und der Region Hannover
  • Zecken sind laut NLGA inzwischen ganzjährig aktiv
  • Gegen FSME gibt es eine Impfung, gegen Borreliose nicht

verwendete Quellen: Mit Material dpa

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