28. Juli 2020 –

Fall Maddie

Polizei beendet Grabung in Kleingarten

Die Grabungsarbeiten der Polizei am Stadtrand von Hannover in einem Kleingarten, die mit der verschwundenen kleinen Maddie zusammenhängen, wurden am Abend (29.07.) beendet. Zwei Tage lang durchsuchten Polizisten das Grundstück. Ob etwas gefunden wurde, bleibt vorerst unklar.

29.07.2020: Am Stadtrand von Hannover setzt die Polizei Grabungsarbeiten in einem Kleingarten fort, die mit der verschwundenen kleinen Maddie zusammenhängen. Immer mehr Erde lassen die Fahnder wegbaggern. (Foto: Antenne Niedersachsen)
29.07.2020: Am Stadtrand von Hannover setzt die Polizei Grabungsarbeiten in einem Kleingarten fort, die mit der verschwundenen kleinen Maddie zusammenhängen. Immer mehr Erde lassen die Fahnder wegbaggern. (Foto: Antenne Niedersachsen)

Update 30.07.2020:

Im Fall der vor 13 Jahren verschwundenen kleinen Madeleine McCann ist die Polizeiaktion in einem Kleingarten am Stadtrand von Hannover am gestrigen Abend (29.07.) beendet worden. Ob etwas gefunden wurde, blieb zunächst unklar. Zwei Tage lang hatten Polizisten auf dem Grundstück das Erdreich mit Spaten und Harken durchkämmt. Auch ein kleiner Bagger, eine Mini-Raupe und eine Drohne kamen zum Einsatz. Am Abend sagte ein Polizist am Ort, die Aktion sei beendet. Daraufhin wurden auch die Sichtschutzwände zur Straße abgebaut.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte zu Beginn des Einsatzes lediglich bestätigt, dass die Grabungen im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen stehen. Der Mann soll die dreijährige Britin 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve entführt haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind tot ist. Nach Maddies (Madeleines) Verschwinden lebte der Verdächtige in Hannover - Medienberichten zufolge wohnte er in einem Kleinbus und arbeitete in einer Werkstatt nicht weit von dem jetzt durchsuchten Kleingarten entfernt.

(dpa)

Foto: picture alliance/dpa
Foto: picture alliance/dpa

Update 29.07.2020:

Im Fall der verschwundenen kleinen Maddie hat die Polizei in Hannover am Mittwochmorgen die Grabungsarbeiten in einem Kleingarten fortgesetzt. Nun soll die Polizei bei ihren Ausgrabungen in der Kleingartenanlage auf einen bisher unbekannten Keller gestoßen. Das meldet die Bild-Zeitung. Demnach seien auch Spürhunde aus Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Ob die Polizei in dem Keller etwas gefunden hat, ist noch unklar.

Die Arbeiten auf der Parzelle am Stadtrand waren am Dienstagabend nach Sonnenuntergang unterbrochen worden. Mit einem Bagger ließen die Ermittler am Mittwochmorgen weiteres Erdreich auf dem Grundstück wegschaufeln, das Beamte im Anschluss mit Spaten und Harke genauer durchsuchten. Inzwischen zwei Zelte haben die Fahnder auf dem Gelände aufgebaut. An der Aktion ist neben der Polizei aus Hannover und Braunschweig weiter auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt.

Die Grabungen stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig im Zusammenhang mit der 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwundenen dreijährigen Maddie McCann sowie einem 43-jährigen in Kiel inhaftierten Deutschen. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Mordes. Er wird verdächtigt, das Kind 2007 in Portugal entführt zu haben. Nach dem Verschwinden der kleinen Britin soll er in Hannover gelebt haben. Welche Verbindungen es zwischen dem Mann und der Kleingartenparzelle geben könnte, sagen die Ermittler ebenso wenig wie, was sie sich auf dem Gelände erhoffen zu finden.

Zu sehen ist, dass die Polizei neben Erdreich auch Fundamente hat wegbaggern lassen. Zu erwarten ist, dass am Mittwoch weiter in die Tiefe gegraben wird. Erneut war auch ein Spürhund der Polizei auf dem Gelände im Einsatz. Fernsehteams und Fotografen von Medien aus unterschiedlichen Ländern drängen sich inzwischen an der Absperrung am Rande der Grabungsarbeiten. Neben der britischen Presse waren TV-Teams unter anderem aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden vor Ort.

Sophie Garret von Sky News - Situation für die Familie
29.07.2020
Sophie Garret von Sky News - Situation für die Familie
Sophie Garret arbeitet bei Sky News. Die britische Journalistin erklärt im Antenne Niedersachsen-Interview, was das Verschwinden von Maddie für die Familie bedeutet. 
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Jenny Hill von der BBC zum Fall Maddie
29.07.2020
Jenny Hill von der BBC zum Fall Maddie
Jenny Hill von der BBC hat den Kollegen von RTL Nord im Interview gesagt, was die Ermittlungen in Deutschland für die Familie der kleinen Maddie und für Großbritannien bedeuten.
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Wie der Pächter der unmittelbar angrenzenden Nachbarparzelle der Deutschen Presse-Agentur sagte, war das Gartengrundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf, auf dem Gelände wuchsen Brombeerbüsche und ein Kirschbaum. Vor Start der Grabungsarbeiten hatte die Polizei den Baum fällen und Buschwerk entfernen lassen. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutze, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen, sagte der Pächter.

(mit Material der dpa)


Update 28.07.2020:

Wird jetzt auch in Hannover nach der 2007 verschwundenen Maddie gesucht? Ein orangefarbener Kleinbagger schaufelt Erde in einem Kleingarten zur Seite, mit Spaten und Harke durchkämmen Polizisten den sandigen Boden. Vor Beginn des Einsatzes in der ansonsten verwaist wirkenden Kleingartenkolonie am Stadtrand von Hannover wurden Büsche beseitigt, sie füllen zwei Container an der abgesperrten Zufahrt.

Eine Passantin über den Verdächtigen: «Der hat ja hier gewohnt»

Die Grabungen am Dienstag stehen im Zusammenhang mit der 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwundenen dreijährigen Maddie McCann - dies bestätigt die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Der 43-jährige Deutsche, gegen den in diesem spektakulären Fall wegen Mordes ermittelt wird, soll nach dem Verschwinden der Britin in Hannover gelebt haben. Über die Durchsuchung unter Beteiligung des Bundeskriminalamtes (BKA) hatte zuerst die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» berichtet.

Ein Sichtschutzzaun soll Blicke abwehren. Ein Beamter mit einem Spürhund kommt auf die Parzelle, auch Spurensicherer in weißen Anzügen sind da. Was das Großaufgebot der Polizei zu finden hofft, verraten die Ermittler nicht. Auf ein, zwei Grundstücken der Kolonie werde im Sommer manchmal gegrillt, sagt eine Nachbarin, die mit Walkingstöcken vorbeikommt. Bäume verdecken den Blick auf das zwischen einem Stichkanal und der Straße liegende Gelände. «Der hat ja hier gewohnt», sagt eine Passantin, als sie erfährt, dass es um den Verdächtigen im Fall Maddie geht.

BKA ermittelt seit 2013 gegen den Deutschen

Der wegen anderer Delikte in Kiel inhaftierte 43-Jährige steht im Verdacht, Maddie 2007 entführt zu haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Mädchen tot ist. Am 3. Mai 2007 soll der Mann zu «tatrelevanter» Zeit in Praia da Luz mit dem Handy telefoniert haben. Das BKA ermittelt nach Zeugenhinweisen bereits seit 2013 im Fall Maddie gegen den Deutschen - allerdings reichten die Indizien bislang für eine Anklage nicht aus.

Der Verdächtige äußert sich nicht zu den Mordvorwürfen. «Nach Akteneinsicht sehen wir weiter», sagt sein Anwalt Friedrich Fülscher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Landgericht Braunschweig hatte den 43-Jährigen Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2005 in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Mehr über das Verschwinden von Maddie McCann könnt ihr hier lesen.



Verdächtiger bereits vorbestraft

Der Mann ist auch wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorbestraft. Die Ermittler in Braunschweig sind für den Fall zuständig, weil der Verdächtige seinen letzten offiziellen deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte. Jedoch lebte er auch in der niedersächsischen Landeshauptstadt, Medienberichten zufolge seit 2007.

Nach Recherchen der Zeitung «Neue Presse» schlief er in einem Transporter auf einem Werkstattgelände - rund vier Kilometer von dem Kleingarten entfernt. Das Amtsgericht Hannover verurteilte ihn 2010 wegen Urkundenfälschung und 2013 wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu Geldstrafen. In den Jahren 2013 bis 2015 pendelte er laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover zwischen Deutschland und Portugal. Ende 2012 eröffnete der Mann zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin einen Kiosk in Braunschweig. Nach der Trennung führte er den Laden allein weiter, anderthalb Jahre später gab er ihn und die angrenzende Wohnung auf.

Europaweite Überprüfung ungeklärter Vermisstenfälle

Nach einem erneuten Zeugenaufruf in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» zum Fall Maddie Anfang Juni gingen mehr als 800 Hinweise bei den Ermittlern ein. Zudem werden europaweit ungeklärte Verbrechen beziehungsweise Vermisstenfälle überprüft, ob es Bezüge zu dem verurteilten Sexualstraftäter geben könnte. Ermittler in Belgien und den Niederlanden öffneten alte Akten noch einmal.

Die Durchsuchung des Kleingartens in Hannover-Linden sollte nach Medienberichten am Mittwoch fortgesetzt werden. Anfang Juli hatte die portugiesische Polizei mit Hilfe von Tauchern in drei Brunnen nach der vor 13 Jahren verschwundenen Maddie gesucht - ohne Erfolg.

(dpa)

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