25. Juli 2026 – dpa
Der fünfte Gesamtsieg bei der Tour de France ist Superstar Tadej Pogacar vor der finalen Etappe in Paris kaum zu nehmen. Das Team hat aber noch einen anderen Grund zur Freude.
Tadej Pogacar rauschte flankiert von Zehntausenden Fans in den Radsport-Sehnsuchtsort und rollte feiernd gemeinsam mit seinem Teamkollegen Isaac del Toro über den Zielstrich. Beide streckten jeweils Finger neben ihren Helmen empor - und wollten wohl eine Stier-Pose zeigen.
Bei der zweiten Radsport-Party der diesjährigen Tour de France hinauf in den Kultort triumphierte der Star Pogacar zwar nicht in animalischer Weise zum zweiten Mal nacheinander in Alpe d'Huez, doch der fünfte Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt ist dem 27-Jährigen kaum noch zu nehmen. Sonntag endet die Tour in Paris.
«Wir müssen morgen durchhalten, Paris überstehen, und dann können wir dieses Gelbe Trikot feiern», sagte Pogacar im französischen Fernsehen. Besonders freute er sich darüber, dass das Team aller Voraussicht nach in del Toro einen weiteren Fahrer auf dem Podium haben wird. «Zwei Leute auf dem Podium ist etwas Unvorstellbares. Wir können sehr stolz sein. Ich bin so glücklich für Isaac», sagte er.
In der Gesamtwertung steht Pogacar mit einem Abstand von 6:26 Minuten vor dem erneut stark auftrumpfenden Zweitplatzierten Remco Evenepoel vom deutschen Red-Bull-Team. Der Mexikaner del Toro steht 9:42 Minuten hinter dem Star auf Rang drei.
«Viele Leute sprechen darüber, wie ich Isaac zum Podium verholfen habe. Zuvor hat Isaac mir aber geholfen, das Gelbe Trikot zu holen. Und das Team umso mehr. Es war eine Ehre, heute für Isaac zu fahren», sagte Pogacar.
Nach seinem eindrucksvollen Rekord-Sieg am Vortag konnte oder wollte der Slowene bei der Königsetappe, die dieses Mal von der anderen Seite und mit deutlich weniger Fans am Streckenrand hinauf nach Alpe d'Huez führte, dem Ecuadorianer Richard Carapaz nichts entgegensetzen. Der 33-Jährige feierte seinen zweiten Etappenerfolg bei der diesjährigen Tour - seinen dritten insgesamt.
Auf der vorletzten Etappe gewann Carapaz vor dem Belgier Evenepoel und dem US-Amerikaner Sepp Kuss. Pogacar wurde Vierter.
«Zwei Etappensiege, dazu zweite und dritte Plätze. Das war eine supergute Tour für mich. Ich bin super happy», sagte Evenepoel, der seit Dienstag auf seinen deutschen Teamkollegen Florian Lipowitz nach dessen Sturz verzichten musste.
Kurz vor der Zieleinfahrt wurde Kuss zum Pechvogel der Etappe. Der Teamkollege des während dieser Tour ausgeschiedenen Mitfavoriten Jonas Vingegaard stürzte erst einmal. Und dann noch ein zweites Mal bei einer Abfahrt.
Dank eines vor dem Abhang schützenden Fangnetzes wurde der US-Amerikaner noch vor schwerwiegenden Folgen geschützt. Zu dem Zeitpunkt war der Profi auf dem Weg zum Etappensieg, doch er wurde während seines Sturzes noch von Carapaz überholt. «Ich selbst hatte keine große Angst», sagte Kuss später im französischen TV, schränkte aber ein: «Ich bin glimpflich davongekommen.»
Die zweite Etappe hinauf in dem Radsport-Kultort hatte es in sich. Bei der Etappe mit etwa 5600 Höhenmetern - den meisten Höhenmetern bei dieser Tour - standen drei Anstiege der höchsten Kategorie an. Darunter die Kletterpartie zum Alpen-Giganten Col du Galibier, dem Dach der Tour mit einer durchschnittlichen Steigung von fast sieben Prozent auf 17,7 Kilometern. Oben auf dem Gipfel war Carapaz Erster und sicherte sich wichtige Punkte für die Bergwertung.
Währenddessen machte der Star Pogacar höchstselbst Tempoarbeit, um die Distanz von etwa viereinhalb Minuten zur Fluchtgruppe um Carapaz zu verkürzen. Der Titelverteidiger konzentrierte sich vor allem auf Helfer-Aufgaben für Kollege del Toro und schien weniger hungrig auf den 27. Etappensieg insgesamt. Am Vortag hatte er noch den Geschwindigkeitsrekord von Marco Pantani in Alpe d'Huez pulverisiert.
Zu dem Zeitpunkt war der deutsche Radprofi Pascal Ackermann, der sich in den Massensprints bei dieser Rundfahrt kaum zeigen konnte, schon bei der Tour raus. Beim Anstieg zum Col de la Croix-de-Fer war das Rennen für den Profi beendet.
Der sichtlich enttäuschte Pfälzer sagte dem ZDF: «Es hat heute halt einfach nicht gereicht.» Bei der Etappe am Vortag habe er einen Team-Materialwagen am Berg überholen worden. Er sei am Vorderreifen hängengeblieben und habe sich dann «quer über die Motorhaube gedreht». «Das soll jetzt keine Ausrede sein. Die Beine waren leer. Aber das Knie kommt halt auch ein bisschen dazu.»
Am Sonntag endet die 113. Frankreich-Rundfahrt in der französischen Hauptstadt. Allerdings anders als geplant: Wegen der schweren Waldbrände im Südwesten des Landes und der benötigten Rettungskräfte wird die letzte Etappe deutlich verkürzt und komplett in die Hauptstadt verlagert.
Statt 133 Kilometer stehen nur noch 89 an. Die Profis rollen in Paris los statt im Vorort Thoiry. Zwei zusätzliche Runden rund um die Champs-Élysées werden eingebaut, teilten die Veranstalter mit. Die drei Überquerungen des Montmartre-Hügels bleiben bestehen.