06. September 2026 – dpa
Nach einer emotionalen Achterbahnfahrt stehen die Basketballerinnen vor einem Gruppenfinale gegen Mali. Im dritten Spiel ist von Platz eins bis Platz vier alles möglich.
Nach dem wichtigen und befreienden Sieg gegen Japan hüpften Deutschlands Basketballerinnen erleichtert über das Parkett der Max-Schmeling-Halle. Aus den Boxen erklang jener Song, der das Team durch diese Heim-WM in Berlin tragen soll: «Durch den Monsun» von Tokio Hotel.
Musik, die nicht den Geschmack jedes der 8.367 Besucherinnen und Besucher in der Halle traf, für die deutsche Mannschaft aber eine große Bedeutung hat. «Es geht immer weiter - wie durch einen Monsun eben», sagte Kapitänin Marie Gülich zur ungewöhnlichen Musikauswahl. Einfach allen Rückschlägen und Widerständen trotzen - das ist das Motto des deutschen Teams.
Und Rückschläge gab es für die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes in diesem Sommer genug. Erst die verletzungsbedingte Absage von Topstar Satou Sabally, dann die Verletzungen von Leonie Fiebich und Nyara Sabally, die deshalb angeschlagen in die so lang ersehnte Heim-WM starteten. Und schließlich das 53:83-Debakel im Auftaktspiel gegen Spanien, das der Hochstimmung in der Hauptstadt einen kleinen Dämpfer versetzte.
Als dann vor dem richtungsweisenden Duell mit Japan auch noch die Nachricht kam, dass Spielmacherin Alexis Peterson erkrankt ausfällt, schwante vielen Böses. Doch die Gastgeberinnen stemmten sich gegen alle Widrigkeiten und zeigten beim 74:58 gegen Japan eine beeindruckende Reaktion.
«Es war schon immer so bei uns: Wenn jemand ausfällt, dann rücken wir ein Stück weit zusammen, das war auch heute der Fall», sagte Anführerin Fiebich. «Wir haben füreinander gespielt und gekämpft. Das macht das Team aus.»
Von Beginn an kam die deutsche Mannschaft mit viel mehr Aggressivität auf das Parkett und erlaubte den Dreipunkt-Spezialistinnen aus Japan kaum einen freien Wurf aus der Distanz. «Die Mädels wollten zeigen, dass sich gegen Spanien nicht die wahre Mannschaft gezeigt hat, dass wir besser spielen können», sagte Bundestrainer Olaf Lange. «Ich bin unheimlich stolz darauf, mit welchem Spirit und Zusammenhalt die Mannschaft heute aufgetreten ist.»
Mit der gleichen Entschlossenheit wollen Fiebich und Co. an diesem Montag (17.50 Uhr/ProSieben Maxx und Magentasport) in der Berlin Arena auch in das Gruppenfinale gegen Mali gehen. Die Afrikanerinnen gewannen sensationell mit 82:73 gegen Spanien, sodass vor dem letzten Vorrundenspieltag alle Teams in der Gruppe A einen Sieg und eine Niederlage auf dem Konto haben.
Für das deutsche Team ist damit von Gruppensieg bis Ausscheiden noch alles möglich. Mit einem Sieg gegen Mali ist Deutschland mindestens in den Play Ins und würde am Dienstag gegen Ungarn oder Südkorea um den Einzug ins Viertelfinale spielen.
Doch auch eine Niederlage könnte reichen, wenn Spanien parallel in der Max-Schmeling-Halle gegen Japan gewinnt. Dann würde die DBB-Auswahl wegen des gewonnenen direkten Vergleichs mit Japan als Dritter weiterkommen. Gewinnt Deutschland gegen Mali und setzt sich parallel Japan gegen Vize-Europameister Spanien durch, wäre das deutsche Team sogar direkt für das Viertelfinale am Donnerstag qualifiziert - und hätte davor zwei Tage frei.
Doch zunächst gilt aller Fokus dem Duell mit Mali. «Das wird wieder ein komplett anderes Spiel, sehr physisch», sagte Gülich. Umso wichtiger, dass Nyara Sabally dabei ist. Dass die 26-Jährige gegen Japan einen Tag nach dem Spiel gegen Spanien fast 22 Minuten auf dem Feld stand, überraschte auch den Bundestrainer.
Bis kurz vor dem WM-Start war das Mitwirken von Sabally fraglich. Wegen Wadenproblemen hatte sie seit dem 12. August kein Spiel mehr für ihren WNBA-Club Toronto Tempo absolviert. Zuvor plagte sie sich immer wieder mit Knieproblemen herum.
«Ich habe sie diese Saison ja in Toronto gecoacht, da hat sie bislang noch keine zwei Spiele an zwei Tagen gemacht. Das ging wegen ihres Knies nicht», sagte Lange, der parallel zu seinem Bundestrainer-Job auch als Assistenz-Coach in Toronto tätig ist. «Ich glaube, es hat auch viel damit zu tun, dass es in Berlin ist. Sie hat ihre Familie hier und das ist schon noch einmal eine spezielle Situation.»