20. August 2026 – dpa
Max Verstappen wird zum Red-Bull-Lebenswerk. Der Niederländer beendet alle Spekulationen und sein Arbeitgeber behält den wichtigsten Mitarbeiter.
Die Langzeit-Ehe mit Red Bull will Max Verstappen nur privat noch toppen. «Ich übe für meine eigene Hochzeit», sagte der 28 Jahre alte Niederländer und lachte. Mit der Verlängerung seines Vertrags bei Red Bull bis Ende 2030 kommt Verstappen dann auf 15 Jahre Formel 1 für das Unternehmen.
«Ich werde das in meiner Ehe versuchen zu verdreifachen», kündigte er an. Noch ist Verstappen allerdings unverheiratet mit Partnerin Kelly Piquet. Beide haben aber schon ein gemeinsames Kind.
Verstappens zweite Familie, und das betonte er gleich zigfach im Fahrerlager in den Dünen von Zandvoort, heißt Red Bull. Er wurde in der Fahrerakademie des Unternehmens ausgebildet, 2015 stieg er für das damalige Schwesterteam Toro Rosso in die Formel 1 ein, im Jahr darauf wurde er befördert und siegte gleich beim ersten Rennen im Red Bull.
Als die Bilder von damals aus Barcelona im proppenvollen Motorhome seines Dauer-Arbeitgebers nach der großen Verkündung liefen, blickte er fast schon verlegen auf den Bildschirm.
«Es ist nicht nur eine großartige Nachricht für die Formel 1, für uns und den gesamten Sport», kommentierte Teamchef Laurent Mekkies die Einigung. Dass der Rennstall Verstappen auch die Freiheiten lässt, in anderen Rennserien zu starten, trug auch zur erneuten Einigung bei. Trotz reichlicher Spekulationen beschäftigte sich Verstappen nach eigenen Aussagen nicht wirklich mit einem anderen Team. «Ich war näher dran aufzuhören, als zu wechseln», betont er.
Gespräche mit den Formel-1-Verantwortlichen stimmen ihn aber zuversichtlich, dass das Regelwerk sich weiter in eine für ihn akzeptablere Richtung entwickelt. Vor allem die Verteilung und Gewichtung der Batterie-Power sorgt für Unmut unter den Fahrern. Zudem reizt Verstappen nun schon die mögliche Rückkehr von V8-Motoren eventuell ab 2030.
Verstappen wird dann 32 Jahre alt. Details zu seinem neuen Vertrag gaben beide Seiten nicht bekannt. Dass der Niederländer sich auch über eine Anhebung des Salärs freuen darf, dürfte aber unstrittig sein. Berichten zufolge soll sein Gehalt bisher bei über 60 Millionen Euro - im Jahr - gelegen haben.
Für Red Bull lohnt es sich. Im üppigen Portfolio ist Verstappen einer der ganz Großen, zudem wurde er in der Fahrernachwuchs-Akademie des österreichischen Unternehmens ausgebildet und ist längst die Konstante des Teams geworden.
Weder das Ende von Teamchef Christian Horner im vergangenen Jahr, das Aus von Mentor Helmut Marko als Motorsportberater vor dieser Saison oder der angekündigte Weggang von Renningenieur Gianpiero Lambiase veranlassten Verstappen zu einem Wechsel. «Einige Namen sind weg, aber es ist immer noch meine Familie», betonte er.
Die aktuelle Erfolgskrise nährte dennoch mediale Spekulationen. Würde er von einer möglichen Klausel Gebrauch machen? Und wenn ja, wohin könnte Verstappen wechseln? Mercedes hatte oft mit dem Niederländer geflirtet, in Kimi Antonelli (19) nun aber selbst den WM-Spitzenreiter mit großen Zukunftsaussichten.
Nach dem Weggang von Star-Designer Adrian Newey von Red Bull zu Aston Martin galt auch der Rennstall mit Sitz in Silverstone als Option, das Team kommt aber weiter nicht auf Touren. Oder auch mit McLaren wurde Verstappen in Verbindung gebracht. Dort haben Weltmeister Lando Norris und Oscar Piastri allerdings auch langfristige Verträge. Verstappen selbst hatte die Gerüchte eigentlich nie angeheizt.
«Die Entscheidung, unseren gemeinsamen Weg fortzusetzen, beruht auf dem Vertrauen, das Max und das Team über viele Jahre hinweg aufgebaut haben, sowie auf dem Vertrauen von Max in unsere Mitarbeiter, unsere Unternehmenskultur und unsere Zukunftsvision», sagte Teamchef Mekies.
Die Gespräche mit Geschäftsführer Oliver Mintzlaff seien sehr reibungslos verlaufen, berichtete Verstappen. Dass das alles offensichtlich in der Urlaubszeit passierte, gehörte zum Plan.
«Die Ferien waren schön, aber im Hintergrund hatten wir einiges zu tun», sagte Verstappen, der mit der Familie wie auch einige andere Piloten vor allem Sonne und Meer genossen hatten vor dem Start in die zweite Saisonhälfte mit dem Großen Preis der Niederlande - Verstappens Heimrennen.
2021 bei der Rückkehr, 2022 und 2023 siegte er vor den begeisterten Oranje-Fans. 2024 und im vergangenen Jahr wurde er Zweiter. Insgesamt gewann Verstappen bisher 71 Grand Prix. Nur Rekordweltmeister Lewis Hamilton mit 106, der mit 41 Jahren weiter für Ferrari fährt, und der ebenfalls siebenmalige Champion Michael Schumacher mit 91 haben mehr Grand-Prix-Erfolge.
Dass ein Sieg bei Verstappen an diesem Sonntag (15.00 Uhr/Sky und RTL) im vorerst letzten Grand Prix in Zandvoort ganz oben steht, scheint eher fraglich. In den elf Rennen vor der Sommerpause schaffte er es nicht einmal auf Platz eins. Genau dahin will Verstappen mit Red Bull aber zurück.
Und nun haben sie bei Verstappens Formel-1-Lebenswerk noch ein bisschen mehr Zeit dafür. Er habe Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz vor dessen Tod 2022 gesagt, dass er für immer bei Red Bull bleiben wolle, erinnerte sich Verstappen: «Wir sind auf einem guten Weg.»