15. Oktober 2026 – dpa
Acht Pflichtspiele musste Deniz Undav auf sein erstes Saisontor warten. In Bratislava trifft der Stuttgarter Kapitän wieder – und klärt anschließend über seine Situation auf.
Rund um Deniz Undav fällt das branchenübliche Getöse oft noch ein wenig größer aus. Und gemessen daran, wie scharf der Fußball-Nationalstürmer sonst seinen Senf bei diversen Debatten dazugibt, fiel die Reaktion auf das Ende seiner Torflaute fast schon mild aus. «Ich bin ruhig geblieben. Natürlich sieht man alles, hört man alles. Aber wie gesagt, mir war klar, dass ich irgendwann eh treffen werde», sagte der Kapitän des VfB Stuttgart nach dem 3:0 in der Champions League bei Slovan Bratislava bei DAZN.
Sein Tor zum 1:0, erzielt mit dem schwächeren linken Fuß, dürfte die stets schwelenden Diskussionen rund um seine Person vorerst beruhigen. Zumal der 30 Jahre alte Stürmer keine Lust verspürte, verbal gegen seine Kritiker auszuteilen. Auf die Frage, ob er sich manchmal ungerecht bewertet fühle, antwortete Undav: «Ungerecht nicht, weil mir ist klar, wenn du so performt hast wie ich letzte Saison mit der WM, dass die Leute mich messen, dass ich gefühlt jedes Spiel treffen muss. Das ist mir klar.»
Vor allem aber muss Undav Argumente sammeln, damit ihn Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp wieder zur Nationalmannschaft einlädt. In Klopps XXL-Kader hatte es der Stürmer zuletzt nicht geschafft. Über das erste Tor im achten Saison-Pflichtspiel, gepaart mit einer insgesamt ordentlichen Leistung, will Undav wieder auf sich aufmerksam machen.
VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth war schon mal zufrieden: «In der Offensive viel gearbeitet, hat Angriffe, Chancen mit eingeleitet. Von daher heute wieder sehr, sehr wertvoll», lobte er. Undavs miese Saison-Torquote wollte er ohnehin nicht überbewerten: «Flaute ist das falsche Wort. Es gibt Phasen, in denen Stürmer halt nicht treffen», meinte er lakonisch. «Deniz ist nach wie vor über jeden Zweifel erhaben.»
VfB-Coach Sebastian Hoeneß war ebenfalls angetan von Undavs Leistung. Das 1:0 in der 29. Minute sei der Spielöffner gewesen. In manchen Situationen wünscht sich der Coach sogar mehr Eigensinn seines Stürmers. «Fakt ist, dass er schon immer wieder einfach einen Blick für seine Mitspieler hat», erklärte Hoeneß. Sandro Cruz (65./Eigentor) und Ermedin Demirovic (90.) sorgten für die weiteren VfB-Treffer.
Der Aufschwung des Kapitäns passt zur Formkurve des gesamten Teams. Tendenz steigend, durften die mitgereisten VfB-Fans in Bratislava erfreut feststellen. Zwar mussten die Schwaben einige kritische Momente überstehen, waren auf dem Rumpelrasen - laut Undav «ein Skandal» - aber die dominierende Elf mit einem klaren Chancenplus. Wie beim 2:0 in der Liga in Paderborn blieb der VfB ohne Gegentor.
Nur in der rund 15-minütigen Phase nach der Pause sah Wohlgemuth «Paderborn-Vibes», als die Schwaben fast den Ausgleich kassiert hätten und defensiv die Stabilität fehlte. «Wir sind ganz gut drin und dann übernehmen die Slowaken die Kontrolle mit einem Abseitstor, mit einem Lattenknaller. Da wurde es schon auch ungemütlich für uns», sagte der 47-Jährige.
Dass es auch offensiv - trotz Undav - noch Mängel gab, sah auch Wohlgemuth so: «Beim Herausspielen von Chancen waren wir konsequenter als im Verwerten von Torchancen. Da können wir uns das Leben das eine oder andere Mal ein wenig leichter machen», meinte er. «Wir sind immer noch dabei, noch stabiler in die Saison zu kommen.»
In der Bundesliga liegen die Schwaben, die am Samstag beim HSV gastieren, als Elfter mit sechs Punkten hinter ihren eigenen Erwartungen. In der Champions League ist der Start mit zwei Siegen aus zwei Spielen aber voll geglückt. Wie die Königsklassen-Bewertung also ausfalle, wurde Wohlgemuth gefragt. «Wir stehen vor Liverpool», antwortete er schmunzelnd.