13. August 2026 – dpa

Leichtathletik

Goldener Abend: Neugebauer und Krause gewinnen EM-Titel

Am vierten Wettkampftag ist das deutsche Leichtathletik-Team im Medaillenrausch. Zehnkämpfer Leo Neugebauer und Hindernisläuferin Gesa Krause holen Gold. Und das ist noch nicht alles.

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Leo Neugebauer verteidigte seine Führung im Zehnkampf.

Während Gesa Krause nach ihrem Sieglauf über 3.000 Meter Hindernis schon in den Katakomben des Alexander Stadiums ihren EM-Titel ausgelassen feierte und fleißig Interviews gab, taumelte Europas neuer Zehnkampf-König Leo Neugebauer mit letzter Kraft zu Gold.

Vollkommen ausgepumpt verteidigte der 26-Jährige in einem dramatischen 1.500-Meter-Lauf seinen Vorsprung vor seinem Teamkollegen Niklaus Kaul, der dank einer fulminanten Aufholjagd Silber gewann. «Also zwei Medaillen für Deutschland im Zehnkampf: Es geht gar nicht besser», sagte Europameister Neugebauer. Bronze gab es zudem für Hindernisläuferin Olivia Gürth und Diskuswerfer Henrik Janssen.

Für das deutsche Leichtathletik-Team sind die Titel von Krause und Neugebauer die ersten Goldmedaillen bei der EM in Birmingham. «Mir fehlen fast ein bisschen die Worte», sagte Krause. Mit einem unnachahmlichen Schlussspurt stürmte sie zu ihrem dritten EM-Titel. Schon 2016 in Amsterdam und 2018 in Berlin hatte sie Gold gewonnen.

Am laut britischen Medien wärmsten Tag des Jahres und fünftwärmsten Tag seit Beginn der Wetter-Aufzeichnungen lieferten sich Neugebauer und Kaul einen heißen Kampf um Gold. Über 1.500 Meter sorgten die beiden für einen Krimi. Während Kaul ins Ziel stürmte, gingen Neugebauer die Kräfte aus. Stürzend landete er im Ziel. Am Ende hatte der Weltmeister einen Vorsprung von nur noch 38 Punkten.

«Ich wusste, wie weit ich ungefähr hinter Niklas sein sollte, habe alles gegeben, um das so zu machen. Auf den letzten 50 Metern haben mich meine Beine ein bisschen im Stich gelassen», sagte Neugebauer.

Giftige Aussagen gab es nach Krauses Sieg von Teamkollegin Lea Meyer, weil sich Krause lange im Windschatten von Meyer aufgehalten hatte. Meyer diktierte das Tempo, stürzte aber am letzten Wassergraben auf Medaillenkurs liegend. So fiel sie noch hinter Gürth auf den vierten Platz zurück.

Anschließend kritisierte Meyer die Renntaktik Krauses. «Also das ist einem ja bewusst: Gesa will einfach keinen Meter was machen. Die sitzt es aus und rennt da hinten raus», sagte die 28-Jährige, die sichtlich bedient war.

Krause nahm die Kritik gelassen hin: «Also erst einmal tut es mir unfassbar leid, dass sie gestürzt ist», betonte sie. Das wünsche man keiner Konkurrentin. «Man entscheidet sich ja selbst zur Führungsarbeit», sagte Krause.

Chaos hatte es zuvor am zweiten Wettkampf-Tag der Zehnkämpfer im Stabhochsprung gegeben, das hatte vor allem Neugebauer unnötige Kräfte gekostet. Er und weitere sechs Mehrkämpfer überquerten in brütender Mittagshitze vermeintlich die Höhe von 4,80 Metern. Das Problem: Die Höhe der Stabhochsprung-Latte wurde von den Kampfrichtern nicht auf 4,80 Meter eingestellt. Stattdessen lag die Latte noch bei der vorherigen Höhe von 4,70 Metern.

Doch damit nicht genug: Bei Versuchen von Neugebauer waren die Abstände der Ständer, auf denen die Latte liegt, nicht auf den Wert eingestellt, den er angegeben hatte. Ähnlich erging es dem Franzosen Makenson Gletty.

«So etwas habe ich noch nie erlebt», hatte Neugebauer gesagt, der bei einem der Wiederholungssprünge in den Einstichkasten fiel und sich dabei an der Wade verletzte. Nach einem Protest erhielt Neugebauer bei brütender Hitze von 35 Grad Celsius im Alexander Stadium eine weitere Chance über 4,80 Meter - und nutzte diese.

Am Ende überquerte er sogar 4,90 Meter. «Gott sei Dank ist es am Ende noch mal gut gegangen. Das war echt verrückt», sagte Neugebauer. Bundestrainer Jörg Roos sprach von «Wettkampfverzerrung».

Von dem ganzen Wirrwarr nicht betroffen war Kaul, der in der anderen Stabhochsprung-Gruppe startete und eine Saisonbestleistung nach der anderen bei der EM aufstellte - und beinahe noch Neugebauer abgefangen hätte.

Diskuswerfer Janssen schleuderte sein Wurfgerät auf eine Saisonbestleistung von 69,53 Metern und feierte damit den größten Erfolg seiner Karriere. Es war die erste EM-Medaille eines deutschen Diskuswerfers seit dem Titelgewinn von Olympiasieger Robert Harting 2014 in Zürich. Den Sieg sicherte sich der slowenische Titelverteidiger Kristjan Ceh mit Meisterschaftsrekord von 72,51 Metern vor dem Litauer Mykolas Alekna, der 69,89 Meter weit warf.

Eine Machtdemonstration zeigte der von einer Sperre bedrohte Owen Ansah über 200 Meter. Zwei Tage nach Bronze über 100 Meter gewann Ansah sein Halbfinale in 20,04 Sekunden. Der 25-Jährige hat im Finale am Freitag erneut Medaillenchancen.

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