14. Juni 2026 – dpa
Der Rekordweltmeister zeigt beim WM-Auftakt gegen Marokko keine Titelform. Den kniffligsten Gegner hat die Seleção erst mal hinter sich. Sie weiß aber auch: Es muss besser werden.
Vinícius Júnior grinste für ein paar Fotos, als ihm der einstige Nationalheld Ronaldo die Trophäe für den besten Spieler der Partie überreichte. Viel mehr gab es für die Brasilianer nach ihrem schwerfälligen WM-Auftakt gegen Marokko aber nicht zu lachen. Das 1:1 (1:1) gegen den hoch gehandelten Afrikameister war zwar kein herber Rückschlag, aber zumindest ein Dämpfer für die Seleção. Zu den Titelfavoriten gehören die Brasilianer erst mal nicht. Auch, wenn es nicht zu ihrem Selbstverständnis passt.
«Wir müssen besser werden», räumte Vinícius Júnior offen ein. Der Offensivstar von Real Madrid hatte den Rekordweltmeister mit seinem Traumtor in East Rutherford vor einer Niederlage bewahrt und Marokkos ebenso sehenswerte Führung durch Ismael Saibari egalisiert.
Das ist die gute Nachricht für die Brasilianer: Von ihrem größten Hoffnungsträger - insbesondere, weil der angeschlagene Altstar Neymar derzeit nur zuschauen kann - ist der erste Druck schon mal abgefallen. «Er hat gut gespielt, war sehr gefährlich», lobte Trainer Carlo Ancelotti den 25-Jährigen. Er habe alles, um eine gute Weltmeisterschaft zu spielen. Vom Rest des Teams, das dürfte auch Ancelotti so sehen, muss aber mehr kommen.
«Das Resultat war nicht schlecht», resümierte Ancelotti, der sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel einige kritische Fragen anhören musste. «Wir müssen besser werden», erkannte aber auch der erfahrene Italiener. In der ersten Halbzeit habe sich seine Mannschaft zu viele Ballverluste erlaubt, monierte der 67-Jährige unter anderem. Die Balance im Spiel habe gefehlt.
Das sahen sie auch in der Heimat so. Das Unentschieden habe die Zweifel verstärkt, die das Nationalteam schon vor dem Turnier umgeben hätten, schrieb die Tageszeitung «O Globo». Von einem «schmucklosen» Remis war in den brasilianischen Medien zudem zu lesen. Die Seleção habe leiden müssen. «Brasilien hat den Samba im Hotel gelassen», urteilte die argentinische Zeitung «Pagina12». Häme aus dem Land des Erzrivalen gab's also auch schon.
Immerhin: Die Brasilianer zeigten sich in der zweiten Halbzeit klar verbessert. Und eine WM wird auch nicht im ersten Spiel entschieden, wie Coach Ancelotti betonte. Zudem dürfte Marokko der kniffligste Gegner in der Gruppe C gewesen sein. Gegen den krassen Außenseiter Haiti sollte es am Freitagabend (Ortszeit) in Philadelphia mehr Räume für Brasiliens Edeltechniker geben.
Und dann auch wieder mehr zu lachen für Ronaldo? Der frühere Stürmerstar fieberte beim Auftakt vor den Toren New Yorks genauso auf der Tribüne mit wie seine ehemaligen Teamkollegen Kaká und Roberto Carlos. Gemeinsam hatten sie 2002 den bislang letzten von fünf WM-Titeln der Brasilianer gewonnen. Beim Start des XXL-Turniers in den USA, Kanada und Mexiko mussten sie nun erkennen: Vom damaligen Glanz ist die Seleção aktuell weit entfernt.