10. Juli 2026 – dpa
Mehr als 200 Angelvereine setzen sich für bedrohte Fischarten ein: In Niedersachsens Flüssen schwimmen jetzt Millionen Aale und Zehntausende Quappen. Wie lief die Ansiedlung ab?
Angelvereine in Niedersachsen haben in diesem Jahr 3,2 Millionen Aale und 109.300 Quappen in die Gewässer eingesetzt. Die größte Arterhaltungsaktion des Anglerverbands Niedersachsen sei damit für 2026 abgeschlossen, teilte der Verband mit. Von Borkum bis nach Osnabrück und von Amt Neuhaus bis nach Duderstadt - über 200 Angelvereine hätten sich daran beteiligt. Ziel der Aktion: die Rote-Liste-Arten in den Flüssen und Bächen erhalten.
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt: Wasserkraftwerke und andere menschengemachte Hindernisse versperren ihm seine Wanderroute aus Deutschland bis in den Nordatlantik - und zurück. Der Wanderfisch laicht nur in der Sargassosee nahe Florida. Dazu kommt: «Junge Aale, die sich auf dem Rückweg in unsere Bäche und Flüsse befinden, fallen häufig illegalen Schmugglern zum Opfer, die die sogenannten Glasaale als teure Delikatesse nach Ostasien verkaufen», berichtet der Anglerverband. Zudem gebe es tierische Fischräuber - etwa Kormorane, deren Bestände enorm zugenommen haben.
Damit in Niedersachsens Flüssen Aale leben, koordiniert der Anglerverband seit vielen Jahren die Verteilung von Glasaalen aus Frankreich in hiesigen Gewässern. Der Verband kauft die jungen Aale über einen Fischhändler von zertifizierten Fischereibetrieben in der Region um Biarritz in Frankreich.
In gut gekühlten Styroporkisten werden sie nach ihrem Fang innerhalb von 24 Stunden nach Bramsche (Landkreis Osnabrück) gebracht. Dort nehmen Angelvereine aus allen Regionen des Landes die Aale in Empfang, um sie in Fließgewässern einzusetzen, teilte der Anglerverband im Frühjahr mit.
Auch die Quappe – einzige Dorschart, die im Süßwasser lebt – wurde in Niedersachsen als gefährdet eingestuft. «Der kälteliebende Raubfisch ist den wenigsten Menschen bekannt, gehört aber zu Norddeutschlands faszinierender Fischartenvielfalt», schrieb der Anglerverband.
Der Verlust von regelmäßig überschwemmten, naturnahen Flussauen als Kinderstube habe dazu geführt, dass sich der einzige heimische Süßwasserdorsch in den Gewässern in der Region kaum noch erfolgreich vermehren kann – und das, obwohl ein Weibchen in der Laichzeit mehrere 100.000 Eier ablegen kann.
Der Verband zieht deshalb junge Quappen unter naturnahen Bedingungen auf. In diesem Jahr konnte «Quappen-Papa» Helmut Speckmann in Kooperation mit der Fischzucht Aschauer Teiche (Landkreis Celle) über 100.000 Jungquappen an 44 Angelvereine und Fischereigenossenschaften übergeben, wie es hieß. Die Jungtiere finden in zahlreichen Gewässern ein neues Zuhause – etwa in Aller, Aue, Dümmer, Else, Fuhse und Hunte.