02. Juli 2026 – dpa
Im Meer lagern 1,6 Millionen Tonnen alte Munition. Ein neues Zentrum in Rostock soll die Bergung voranbringen – und damit Risiken für Umwelt und Nahrungskette verringern.
Das neue Bundeskompetenzzentrum Munitionsbergung aus dem Meer in Rostock nimmt Gestalt an. Ein Aufbaustab habe die Arbeit aufgenommen, teilte das Bundesumweltministerium mit. Das Zentrum soll die Bergung von insgesamt 1,6 Millionen Tonnen Kriegsmunition in deutschen Hoheitsgewässern vorantreiben. Minister Carsten Schneider (SPD) will dort an diesem Donnerstag vorbeischauen.
Der Großteil der Altlasten wurde dort nach dem Zweiten Weltkrieg versenkt. In dem Zentrum sollen sich Forschungseinrichtungen, Praxis, Unternehmen sowie Bund und Küstenländer austauschen.
Die Sprengstoffe sondern nach Angaben des Bundesumweltministeriums Substanzen ab, die teils Krebs verursachen und das Erbgut schädigen können. Sie reicherten sich in Muscheln und Fischen an, gefährdeten die Meeresumwelt und könnten nah Ansicht von Experten auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Die Bundesregierung unterstützt die Bergung mit einem Sofortprogramm, zu dem sie 100 Millionen Euro beisteuert.
Zur Bergung und Entsorgung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee soll von Mitte 2028 an auch eine schwimmende Industrieplattform eingesetzt werden. Das Ministerium erwartet, dass die Anlage Ende 2028 in Betrieb geht.
Die Bergung von Altmunition soll auch Teil eines «Aktionsplans Meer» sein, für den das Bundesumweltministerium erste Eckpunkte vorstellte. Dazu gehört auch der Umgang mit sogenannten Geisternetzen, die herrenlos durchs Meer treiben und dort zur Gefahr für die Umwelt werden. Für sie sollen etwa Sammel- und Entsorgungsstrukturen in den Häfen kommen.
Die Meere litten unter dem Klimawandel, der ihnen unter anderem Sauerstoff entziehe, heißt es in dem Papier. «Dadurch werden Artenvielfalt und Lebensräume stark beeinträchtigt und in Teilen unwiederbringlich zerstört.» Auch Nord- und Ostsee gehe es schlecht. «Fischbestände wie Hering oder Dorsch, die früher wie selbstverständlich auf dem deutschen Speisezettel standen, sind eingebrochen und können kaum noch befischt werden.»
Die Ostsee leide flächendeckend unter Nährstoffeinträgen unter anderem aus Landwirtschaft und Industrie. Dies führe zum Wachstum von Algen. «So entstehen in tiefen Wasserschichten sauerstofffreie Todeszonen.» Bei bestimmten Wetterlagen führe das zu Fischsterben.