08. September 2026 – dpa
Mit Millioneninvestitionen modernisiert der Bund viele Bundeswehrstandorte im Land. In Wilhelmshaven wird der größte Marinestützpunkt erweitert. Auch andernorts wird für die Truppe kräftig investiert.
Ob modernere Kasernen, neue Dienstgebäude oder zeitgemäße Unterkünfte: Für die Bundeswehr baut das Staatliche Baumanagement in Niedersachsen vielerorts an Millionenvorhaben.
Eines der bedeutendsten Bauprojekte ist die Norderweiterung des größten deutschen Marinestützpunktes in Wilhelmshaven. «Das was hier geplant ist, hat ein Bauvolumen von 250 Millionen Euro», sagt Alexander Größ vom Staatlichen Baumanagement in der Region Nord-West bei einem Baustellenrundgang.
Um mehr Platz für Soldatinnen und Soldaten zu schaffen, entstehen auf einer Fläche von 34 Hektar, etwa so groß wie 48 Fußballfelder, insgesamt sechs neue Dienst- und elf Unterkunftsgebäude. Die ersten Gebäude sollen nach rund zwei Jahren Bauzeit voraussichtlich im kommenden Jahr übergeben werden.
«Wir als Marine sind sehr froh, dass die Norderweiterung kommt», sagt Lars Hennig, Kasernenkommandant am Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven. Denn der aktuelle Aufwuchs bei der Marine sei «sehr immens». «Wir sind zwingend auf diese Erweiterung angewiesen», sagt Hennig.
Die Flotte von aktuell 15 in Wilhelmshaven stationierten Großschiffen solle absehbar auf 20 Schiffe wachsen. Außerdem gebe es am Standort wieder eine Grundausbildung von Soldaten. Auch für die Absicherung werde mehr Personal benötigt. «Damit wächst die Anzahl an Menschen, die hier arbeiten.»
Wilhelmshaven ist der größte Standort der Deutschen Marine. Neben dem Marinestützpunkt gibt es dort unter anderem auch das Marinearsenal und das Logistikzentrum der Bundeswehr. Nach Angaben der Bundeswehr arbeiten an dem Standort rund 10.000 Soldaten und zivile Beschäftigte.
Während auf der Norderweiterung das erste Dienstgebäude fast fertig ist, laufen am zweiten und dritten Gebäude die Innenausbauten. Auch die ersten Unterkunftsgebäude stehen. In einer bereits fertig eingerichteten Musterstube, gebaut nach sogenanntem Hotelstandard, ist schon zu sehen, wie die Soldaten künftig untergebracht werden: Mehrbettstuben für sechs oder gar acht Soldaten wie sonst bislang vielerorts bei der Truppe Standard gibt es in den neuen Gebäuden nicht mehr.
«Jeder Soldat hat ein eigenes Bad, ein möbliertes Zimmer, Flachbildschirm, Mini-Kühlschrank. Es ist also eine hohe Qualität in der Unterkunft», sagt Jörn Tacke, Projektleiter der Unterkunftsgebäude beim Staatlichen Baumanagement. Mit den Einzelzimmern hätten die Soldaten Privatsphäre und Rückzugsräume. Insgesamt entstehen 1.185 Unterkunftsstuben, jede etwa 14 Quadratmeter groß. Dazu kommen auf jeweils drei Etagen Teeküchen, Waschküchen und Gemeinschaftsräume, sagt Tacke.
Da der Bund nach dem Verfassungsrecht nicht selbst für die Bundeswehr bauen darf, beauftragt dieser dafür die Bauverwaltungen der Länder. In Niedersachsen ist das Staatliche Baumanagement zuständig.
Nicht nur in Wilhelmshaven wird für die Bundeswehr gebaut. Das Bauvolumen für die Truppe hatte der Bund in Niedersachsen zuletzt gesteigert. 2025 setzte das Staatliche Baumanagement insgesamt Bauausgaben in Höhe von 752 Millionen Euro um, davon entfiel etwa die Hälfte des Bauvolumens, nämlich 375,3 Millionen Euro, auf Liegenschaften der Bundeswehr. 2024 gab es Investitionen von 372,7 Millionen Euro. Gemessen an dem Bauvolumen ist Niedersachsen damit nach eigenen Angaben Spitzenreitern unter den Ländern, wenn es um das Bauen für die Bundeswehr geht.
«Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Investitionsvolumen für das Jahr 2026 weiter steigen dürfte», teilt das Staatliche Baumanagement auf Anfrage mit. Denn auch der Baubedarf bei militärischen Liegenschaften werde voraussichtlich weiter steigen, hieß es. Dabei kämen mehrere Entwicklungen zusammen.
Zum einen bestehe an vielen Bundeswehr-Standorten ein erheblicher Modernisierungs- und Sanierungsbedarf, da Gebäude und technische Infrastruktur inzwischen teils Jahrzehnte alt seien und nicht mehr den aktuellen Standards entsprächen. Zum anderen gebe es auch neue infrastrukturelle Anforderungen durch die Weiterentwicklung und Modernisierung der Bundeswehr. «Hinzu kommen zusätzliche Bedarfe durch den geplanten Aufwuchs und die damit verbundene größere Zahl von Soldatinnen und Soldaten», teilt das Staatliche Baumanagement weiter mit. «Das allein erfordert eine Vielzahl neuer Unterkunftsgebäude - auch in Niedersachsen.»
Diese Großprojekte stehen außerdem an:
Der Nato-Flugplatz Wittmundhafen wird schon seit 2019 saniert und umgebaut, weil die Infrastruktur nicht mehr den Anforderungen an den Flugbetrieb gerecht wurde. Weil unter anderem die Start- und Landebahn erneuert wurde, wurde der Flugbetrieb der Eurofighter zeitweise nach Rostock-Laage verlegt. Außerdem wurden etwa eine neue Waffenkammer und eine neue Lärmschutzhalle gebaut. Bis 2032 soll so in Wittmund laut Staatlichem Baumanagement der modernste Militärflughafen Deutschlands entstehen. Dafür sind Investitionen von inzwischen rund 850 Millionen Euro geplant.
Modernisiert wurde bereits in Teilen der Militärflugplatz Wunstorf in der Region Hannover, wo etwa die Transportflugzeuge A400M stationiert sind. Dort wurde eine neue Wasch- und Wartungshalle für rund 70 Millionen Euro errichtet. Als nächstes soll nach Angaben des Staatlichen Baumanagements die Tanklager- und Kraftstoffversorgungsinfrastruktur für rund 53 Millionen Euro erweitert werden. Auch ein neuer Tower soll entstehen.
Neben Marine und Luftwaffe wird auch beim Heer modernisiert und neu gebaut. Das Staatliche Baumanagement verweist etwa auf den Standort Munster, den größten deutschen Heeresstandort. Dort sollen ab 2029 unter anderem 17 moderne Unterkunftsgebäude ebenfalls im sogenannten Hotelstandard entstehen. «Die Genehmigung des Gesamtprojekts wird noch in 2026 erwartet», teilt die Behörde dazu mit. Die Baukosten sollen allein dafür bei rund 186 Millionen Euro liegen.
Daneben wird an der Örtzetal-Kaserne Munster der Bau einer neuen Feuerwehrwache geplant, fertig sein soll sie Mitte 2027. Außerdem soll der Standort in den kommenden Jahren eine neue Heizzentrale, ein modernisiertes Wärmeverteilnetz und eine neue Hallenschießanlage bekommen.
Auch das Marinearsenal in Wilhelmshaven soll bis Ende der 2030er Jahre im laufenden Betrieb umfassend modernisiert und teils sogar neu gestaltet werden. Nach Angaben des Staatlichen Baumanagements plant der Bund dafür insgesamt Investitionen von rund einer Milliarde Euro.
Weil viele Gebäude und Infrastruktur aus den 1960er und 1970er Jahren stammen, besteht laut der Behörde ein erheblicher Modernisierungsbedarf. Rund 55 Bestandsgebäude - das entspricht fast zwei Drittel der Liegenschaften dort - sollen abgerissen werden.
Die größte und wohl auch sichtbarste Einzelmaßnahme ist der Bau eines neuen Trockendocks für rund 400 Millionen Euro. Baustart soll 2027 sein.