21. Juni 2026 – dpa
Heiner Wilmer ist neuer Bischof von Münster. Zum Start ruft er mit eindringlichen Worten dazu auf, bei Machtmissbrauch und Ausgrenzung nicht wegzusehen.
Vom Papst die Ernennungsurkunde, von seinem Vorgänger den Bischofsstab und dann der Gang an der Seite von Kardinal Woelki zu seinem Bischofsstuhl: Erst nach diesem Dreiklang war der neue Bischof von Münster offiziell in sein Amt eingeführt. 1.000 Gläubige und geladene Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft waren am Sonntag bei der feierlichen Messfeier im St.-Paulus-Dom dabei, als Heiner Wilmer, der bisherige Bischof von Hildesheim und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, das Bistum übernahm.
Draußen auf dem Domplatz, auf dem samstags und mittwochs die Händler auf dem großen Wochenmarkt stehen, schauten sich rund 1.000 Interessierte bei hochsommerlichen Temperaturen die Livebilder auf einer großen Leinwand an. Drinnen begleiteten mehrere Kardinäle und Bischöfe den 65-jährigen Wilmer.
Unter den geladenen Gästen waren neben den kirchlichen Würdenträgern unter anderem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst, Landtagspräsident André Kuper und die stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Niedersachsen, Julia Willie Hamburg (Grüne). Zum Bistum Münster, mit 1,6 Millionen Katholiken das nach Mitgliedern größte in Deutschland, gehört neben dem Münsterland, dem Nordrand des Ruhrgebiets und Teilen des Niederrheins auch das Oldenburger Land in Niedersachsen.
Zum Auftakt des feierlichen Gottesdienstes überreichte der Apostolische Nuntius in Deutschland, also der Botschafter des Vatikans, die päpstliche Ernennungsurkunde. Zu der Zeremonie gehört, dass Domprobst Hans-Bernd Köppen zuvor die Rechtmäßigkeit der Urkunde aus dem Vatikan überprüft, die der niederländische Erzbischof Hubertus van Megen nach Münster gebracht hat. Der Tradition folgend sagte der Dompropst dann an Wilmer gewandt: «Mit Freude stellen wir fest, dass Sie der rechtmäßige Bischof von Münster sind.»
Nach der Urkunde folgte dann der zweite Teil der Zeremonie: Vertreter und Vertreterinnen des Bistums, die an der Vorbereitung der Bischofswahl beteiligt waren, trugen den Bischofsstab durch den Mittelgang in den Chorraum und gaben in an den Bischof im Ruhestand, Felix Genn, weiter. Wilmers Vorgänger war 2025 aus Altergründen aus dem Amt geschieden. Er ist der 76. Nachfolger des Heiligen Liudger, dem ersten Bischof der Stadt.
Genn übergab den Stab an Wilmer mit den Worten: «Nimm hin den Stab des heiligen Liudger. Trage Sorge für die Kirche von Münster, trage Sorge für die ganze Herde Christi. Der Heilige Geist, der dich zum Bischof bestellt hat, möge dir helfen, das Volk Gottes zu leiten.»
Wilmer, der den Bischofsstab von seinem Vorgänger sichtlich gerührt entgegennahm, kündigte in seiner Predigt an, sich in unruhigen Zeiten «bekennen zu wollen». Wilmer fragte die Gläubigen im Dom: «Wozu stehen wir? Wozu bekennen wir uns?» Der neue Bischof verwies darauf, dass das Bistum auch die Antworten kenne. «Keine abstrakten, sondern gelebte.»
Er nannte als Beispiel Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848). Die Autorin der «Judenbuche» sei dahin gegangen, wo es wehtut. Sie habe Schuld, Gewalt und Ausgrenzung beschrieben. Sie habe auf ausgegrenzte Minderheiten in der Gesellschaft und Religion geschaut, wo andere weggesehen hätten. «Und sie stellt sich - leise, aber unüberhörbar - auf die Seite derer, die keine Stimme haben.»
Wilmer rief in seiner Predigt dazu auf, bei Machtmissbrauch und Gewalt nicht wegzusehen, die Wahrheit auszuhalten und an der Seite der Verwundeten zu stehen. Bereits im März, als seine Personalia bekannt wurde, hatte sich der 65-Jährige mit eindringlichen Worten zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche geäußert. «Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut», sagte Wilmer damals bei seiner Rede im Dom. «Das alles darf es nie wieder geben, und ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist.»
Mit dem dritten Schritt, der Inbesitznahme des Bischofsstuhls, der sogenannten Kathedra, war Wilmer dann ins Amt eingeführt. Das Bistum Münster gehört zur Kirchenprovinz Köln. Und so führte Rainer Kardinal Woelki als höherrangiger Erzbischof den 65-Jährigen zur Kathedra im Hohen Dom.
Wilmer wurde in Schapen im Emsland geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Nach dem Abitur trat er in den katholischen Orden der Herz-Jesu-Priester ein. Von 2018 bis 2026 war Wilmer Bischof von Hildesheim in Niedersachsen. Im Februar 2026 wurde er von seinen Amtsbrüdern zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt. Papst Leo XIV. hatte Wilmer am 26. März 2026 zum Nachfolger von Felix Genn ernannt.
Zu Gast bei dem Festgottesdienst in Münster waren unter anderem auch der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Michael Gerber aus Fulda, sowie Bischöfe aus Mexiko, Ghana und Luxemburg.
Zum Abschluss des Gottesdienstes bedankte sich Wilmer bei den Gästen aus der ganzen Welt in zahlreichen Sprachen. darunter Englisch, Französisch, Polnisch, Niederländisch, Italienisch - und Plattdeutsch. Der neue Bischof lernte erst spät im Kindergarten Hochdeutsch, wie er bei seiner Vorstellung im März berichtet hatte. An die Gäste aus seinem bisherigen Bistum Hildesheim richtete er einen besonderen Gruß: «Bei Euch habe ich gelernt, wie Bischofsein geht», sagte der 65-Jährige - und bekam dafür lauten Applaus.
Wilmer gilt als fortschrittlich, in seinem bisherigen Bistum in Niedersachsen werden auch alternative Leitungsmodelle mit Frauen erprobt. Immer wieder hat sich der neue Bischof in Münster in der Vergangenheit auch für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral ausgesprochen. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare findet er gut.