21. Juli 2026 – dpa

Digitaler Trend

Wie Stalker moderne Technik zur Überwachung der Opfer nutzen

Für die Opfer kann es zum Alptraum werden: In Niedersachsen sinkt zwar die Zahl der Stalking-Fälle leicht, aber dafür werden die Täter immer raffinierter - und vor allem digitaler.

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Das Landeskriminalamt Niedersachsen macht einen Trend beim Stalking aus: Die Täter setzen immer stärker auf digitale Spionage. (Symbolbild)

Stalker rüsten technisch auf: Täterinnen und Täter setzen nach Einschätzung des Landeskriminalamts Niedersachsen zunehmend auf digitale Werkzeuge, um ihre Opfer zu überwachen und unter Druck zu setzen. Trotz hoher Aufklärungsquote und leicht sinkender Fallzahlen bleibe Stalking ein «ernstes Problem», Grund zur Entwarnung gebe es nicht, teilte die Behörde mit. Denn die Intensität der Überwachung nehme dank technischer Hilfsmittel deutlich zu.

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der registrierten Nachstellungen in Niedersachsen laut Landeskriminalamt (LKA) leicht um 1,5 Prozent im Vergleich zu 2024 auf 2.354 Fälle. Die Aufklärungsquote blieb mit 93,2 Prozent auf hohem Niveau. Ein Grund dafür ist demnach, dass sich Täter und Opfer in fast allen Fällen kennen.

Nach LKA-Angaben sammeln Stalker Daten etwa aus sozialen Netzwerken, installieren Kontrollinstrumente, sogenannte Stalkerware, auf Geräten, übernehmen Accounts, tracken Standorte und versuchen etwa mittels sogenannter Deepfakes den Ruf ihrer Opfer zu schädigen. All das dient dazu, die Kontrolle über längere Zeit aufrechtzuerhalten.

Dabei gehen sie vom ersten Ausspähen bis zur vollständigen Kontrolle fast strategisch vor: Mit Hilfe sozialer Netzwerke und frei verfügbarer Daten werden Bewegungsprofile und Kontaktlisten der Opfer erstellt, Smartphones werden entwendet oder Passwörter erraten. So verschaffen sich Täter Zugang zum digitalen Leben ihrer Opfer. Heimlich eingesetzte Überwachungs-Apps oder Bluetooth-Tracker sorgen für dauernde Überwachung. Zum Schluss wird nach Behördenangaben oft mit der Veröffentlichung privater Daten oder täuschend echt wirkender, manipulierter Bilder und Videos gedroht.

Das Landeskriminalamt warnte: «So nachvollziehbar der Wunsch nach einer sofortigen Löschung der Spionage-Software ist, so riskant kann er sein.» Mit der Deinstallation verschwänden wertvolle digitale Beweise, außerdem sei die digitale Überwachung oft so engmaschig, dass die Täter über das Löschen der Software sofort informiert würden. Das könne «gerade in gewaltgeprägten Beziehungen zu unvorhersehbaren Reaktionen führen».

Sollte es zu Verdachtsmomenten wie einem auffällig hohen Akkuverbrauch oder Insiderwissen der Täter kommen, rät die Polizei, frühzeitig Anzeige zu erstatten. Und:

- Bevor technische Änderungen am Gerät vorgenommen werden, sollten Screenshots erstellt, Beweise gesichert und ein Stalking-Tagebuch geführt werden.

- Opfer sollten Hilfe etwa bei Beratungsstellen oder Opferschutzorganisationen suchen.

- Erst nach der Beratung sollten Passwörter über ein Gerät etwa von Freunden geändert und die sogenannte Zwei-Faktor-Authentisierung aktiviert werden, um Accounts und Geräte zu schützen.

- Neben E-Mail-, Benutzer- oder Social-Media-Konten sollten Betroffene auch an weitere Geräte wie Tablet, Laptop, Router oder Überwachungskameras denken, die manipuliert sein könnten.

Das Landeskriminalamt betonte, im Mittelpunkt stehe die Kontrolle über die eigene digitale Identität. Dazu gehörten sichere Passwörter, die konsequente Nutzung von Zwei-Faktor-Authentisierung sowie «ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten im Netz». Die Behörde empfahl, Standortfreigaben auf Social-Media-Profilen zu deaktivieren. Zusätzlichen Schutz böten Kontakt- und Näherungsverbote.

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