28. Oktober 2026 – dpa
Autos, die wie von Geisterhand fahren: Im Emder Hafen lenken Sensoren und ein 5G-Netz fahrerlose Autos über Parkflächen und durch einen Kreisverkehr. Revolutioniert diese Technik den Hafenumschlag?
Für den Hafenumschlag hat Volkswagen in den vergangenen zwei Jahren zusammen mit Partnern in Emden untersucht, wie sich Fahrzeuge automatisiert ohne Fahrer auf Logistikflächen bewegen lassen. Durch solche automatisierten Fahrbewegungen soll der Fahrzeug-Umschlag in Autoterminals langfristig flexibler, sicherer und nachhaltiger werden - so die Hoffnung des Autobauers. Für die Forschung im Projekt AutoLog wurde ein eigenes Testfeld unter realen Logistikbedingungen im Emder Außenhafen aufgebaut.
Das Forschungsprojekt habe das Potenzial automatisierten Fahrens für die VW-Logistik aufgezeigt, sagte Christian Vollmer, Mitglied des VW-Markenvorstands für Produktion und Logistik, in einer Mitteilung. «Entscheidend ist für uns, neue Technologien nicht nur unter Laborbedingungen zu entwickeln, sondern ihre Praxistauglichkeit dort zu erproben, wo unsere Logistik täglich stattfindet.»
Die VW-Konzernlogistik verschifft nach früheren Angaben jährlich rund 2,4 Millionen Fahrzeuge von mehr als 40 Häfen aus – Emden ist in diesem Netzwerk der größte Hafen. Allein 2025 wurden in der ostfriesischen Stadt nach Angaben der Autoport Emden GmbH fast 1,2 Millionen Fahrzeuge des VW-Konzerns umgeschlagen. Nach Bremerhaven ist Emden der zweitgrößte Autoverladenhafen in Deutschland.
Auf der Testanlage in Emden habe VW nun wichtige Erkenntnisse gewonnen, «wie sich Fahrzeugbewegungen künftig intelligenter automatisieren und Logistikprozesse weiterentwickeln lassen», sagte Vollmer. «Diese Erfahrungen wollen wir für die weitere Entwicklung der Technologie nutzen.»
Für das Forschungsprojekt AutoLog arbeitete VW mit dem Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIMA) an der Universität Bremen, der Deutschen Telekom und dem Softwarespezialist Unikie zusammen. Das Projekt wurde vom Bundesverkehrsministerium gefördert.
Untersucht wurde unter anderem, welche Voraussetzungen für die automatisierten Abläufe an den Infrastrukturen von Autoterminals geschaffen werden müssen - und wie sich die Technik in bestehende Abläufe, etwa auch manuell gesteuerte Autos oder Fußgängerbewegungen, integrieren lässt.
Dafür wurde auf dem Autoterminalgelände ein Testfeld aufgebaut, auf dem ein- und ausgehende Fahrzeugströme simuliert und verschiedene Verkehrssituationen untersucht wurden. Neben Parkflächen und Fahrwegen gehörte auch ein viel genutzter Kreisverkehr dazu. Für die Automatisierung wurden Sensoren aufgebaut, die ein digitales Abbild der Testfläche erzeugten. Über eine Steuerungssoftware wurden die Fahrzeugbewegungen koordiniert. Für die Kommunikation zwischen dem System und den Fahrzeugen wurde das öffentliche 5G-Netz der Deutschen Telekom genutzt.
«In Emden haben wir gezeigt, dass sich automatisierte Fahrzeugbewegungen auch in einem anspruchsvollen Logistikumfeld mit Mischverkehr erproben lassen», sagte Vesa Kiviranta vom Softwareunternehmen Unikie. «Die gewonnenen Erfahrungen helfen uns, die Technologie weiterzuentwickeln und ihre Marktreife für den Einsatz in weiteren Logistikumgebungen zu bewerten.» In Emden endet die Erprobungsphase des AutoLog-Forschungsprojektes jetzt.
Volkswagen testet nach eigenen Angaben auch an anderen Stellen im Konzern automatisierte Fahrzeugbewegungen. Am Audi-Standort in Ingolstadt wird demnach etwa das automatisierte Verladen von Fahrzeugen auf Eisenbahnwaggons erprobt. Es sei neben dem Hafenumschlag wie in Emden ein weiterer Teil der Fahrzeug-Logistikkette, hieß es.