04. September 2026 – dpa
Das Werk Kassel steht bei der VW-Sanierung nicht auf der Streichliste. Dennoch bangen Beschäftigte und Betriebsrat um die Zukunft - obwohl dort wichtige Kompetenzen für die E-Mobilität vorhanden sind
Die Beschäftigten des VW-Werks Kassel bleiben vorerst in der Schwebe. Es sei eindeutig zu früh, die Folgen des vom Aufsichtsrat beschlossenen Sparprogramms für den Standort zu bewerten, sagte der örtliche Betriebsratsvorsitzende Carsten Büchling auf Anfrage. Man warte auf Details aus dem Unternehmen und der IG Metall. Deren Bezirk Mitte wollte sich am Freitag ebenfalls nicht zu den Auswirkungen auf den Standort in Nordhessen äußern.
Am zweitgrößten deutschen VW-Standort in Baunatal bei Kassel arbeiten etwa 15.000 Menschen. Das Werk stellt nach erheblichen Investitionen Komponenten sowohl für E-Autos als auch für die auslaufenden Verbrennermodelle her. Es soll nach früheren Angaben zum konzernweiten Zentrum für den elektrischen Antriebsstrang entwickelt werden.
Am Donnerstag hatte der Aufsichtsrat des VW-Konzerns überraschend ein umfassendes Sparpaket beschlossen, mit dem weltweit erneut rund 50.000 Jobs gestrichen werden sollen. Rund die Hälfte davon entfällt voraussichtlich auf Deutschland. Die VW-Standorte Emden, Hannover und Zwickau sowie das Werk der Tochter Audi in Neckarsulm stehen auf der Kippe. Ein endgültiges Aus der Standorte wurde aber nicht beschlossen. Stattdessen soll nach Perspektiven gesucht werden.
Das Werk Kassel ist zentraler Bestandteil des Konzernteils «Group Components», der nach früheren Managementplänen wie die Kernmarke VW aus dem Konzern ausgegründet werden sollte. Nach Angaben der IG Metall und des Konzernbetriebsrats wurde das Vorhaben aber gestoppt.
Bereits im Jahr 2024 war bei VW mit dem Einverständnis der Arbeitnehmer ein erstes Sanierungsprogramm auf den Weg gebracht worden, mit dem bis 2030 ebenfalls 50.000 Jobs wegfallen sollen. Nach früheren Äußerungen Büchlings hat das Werk Kassel gute Ergebnisse geliefert und vereinbarte Beiträge erbracht. Auf einer Betriebsversammlung hatte der Betriebsratschef daher gefordert, dass Volkswagen die Vereinbarungen zu Investitionen, Produkten und Beschäftigungsperspektiven einhalten müsse.