31. August 2026 – dpa

Standort auf der Kippe?

VW-Werk Emden: Ministerpräsident Lies setzt auf mehr E-Autos

Bei Volkswagen in Emden werden inzwischen ausschließliche E-Autos gebaut - dennoch droht dem Werk in Ostfriesland das Aus. Ministerpräsident Lies betont dagegen das Potenzial des Standortes.

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Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sieht eine Standortgarantie für den Bau von E-Autos im VW-Werk Emden.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sieht trotz der diskutierten Sparpläne bei Volkswagen eine klare Perspektive für das Werk im ostfriesischen Emden - und zwar im Bau von mehr Elektroautos. «Für mich als Ministerpräsident ist es nicht vorstellbar, dass wir hier keine Autos mehr bauen», sagte der SPD-Politiker nach einem Standortbesuch mit Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) und Vertretern des Betriebsrates und der Gewerkschaft IG Metall.

Lies sagte, dass das Werk, in dem VW nach einer Milliardeninvestition ausschließlich E-Autos produziert, noch Kapazitäten habe. «Wenn wir oft darüber reden, warum sind Standorte an der einen Stelle teurer oder günstiger, dann hat das viel mit der Frage der Auslastung zu tun. Hier ist noch Platz. Hier können wir noch mehr Elektroautos bauen.» Lies und Ministerin Hamburg sitzen als Vertreter des Landes Niedersachsen auch im VW-Aufsichtsrat, der nach Medienberichten an diesem Freitag zusammentritt.

Elektromobilität sei ein Wachstumsmarkt und VW dabei Marktführer in Europa, sagte der Ministerpräsident. «Wir müssen den Wachstumsmarkt der E-Mobilität mitdenken und über den Wachstumsmarkt eben auch zusätzliche Fahrzeuge produzieren und damit auch mehr Auslastung in die Standorte bringen. Und dazu gehört mit Sicherheit Emden». Es brauche nun ein «sehr schnelles Signal», dass der Bau von E-Autos in Ostfriesland Zukunft bei Volkswagen habe.

Bei Volkswagen wird derzeit über weitere Sparmaßnahmen debattiert. Der laufende Arbeitsplatzabbau - 50.000 Stellen bis 2030 - reicht aus Sicht des Vorstands um Konzernchef Oliver Blume nicht aus. Im Raum steht der Abbau weiterer zehntausender Stellen. Die VW-Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm stehen auf der Kippe. Für sie gibt es laut Blume noch keine «keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre».

In dem Werk in Ostfriesland arbeiten rund 7.700 Beschäftigte, es ist der wichtigste industrielle Arbeitgeber in der Region.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo erinnerte an den Kompromiss, den Belegschaft, Gewerkschaft und Vorstand in der Tarifeinigung 2024 gefunden hatten. Neben dem bereits vereinbarten Stellenabbau und Kostensenkungen zählten dazu auch Zusagen, etwa Perspektiven für die Standorte, sagte Cavallo. «Die Belegschaft, der Betriebsrat, die IG Metall, wir haben geliefert, und jetzt erwarten wir natürlich zu Recht, weil es genauso vereinbart ist, dass auch der Vorstand seine Zusage einhält. Nämlich, dass es dann auch Folgeprodukte hier in Emden gibt, sobald dann aktuelle Produkte auslaufen.»

Dem Vorstoß von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), wonach längere Arbeitszeiten bei VW eine Option für den Erhalt von Werken sein könnten, erteilte Cavallo eine Absage. «Wenn wir jetzt uns darauf einlassen würden, was ich überhaupt nicht teile, auf eine 40-Stunden-Woche zu gehen, dann würden wir unser Programm, was wir aktuell haben, ja noch vergrößern, weil dann müsste der Personalabbau ja noch viel größer sein», sagte Cavallo.

Es gebe bereits flexibel an den Standorten Mehrarbeit, wo diese nötig sei. Kretschmer hatte im ZDF-«Morgenmagazin» für einen Mix an Maßnahmen plädiert, «auch ein Stück weit eine längere Arbeitszeit».

Auf die Frage, ob am VW-Werk in Emden auch ein Einstieg in die Rüstungsproduktion, wie es für den VW-Standort Osnabrück erwogen werde, möglich sei, sagte Lies, es gebe «keinen Grund, das Werk für den Bau von Elektrofahrzeugen infrage zu stellen».

Thomas Preuß, Bevollmächtigter der IG Metall in Emden, kündigte starken Widerstand an, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer keine Einigung finden. «Aber dann laufen wir in einen Konflikt zu, den haben wir bei Volkswagen so noch nicht gesehen.» Noch sei eine Tür geöffnet.

Konzernchef Blume habe auf der Betriebsversammlung in Emden selbst gesagt, die Ostfriesen seien «sturmerprobt», sagte Preuß. «Aber wir können auch Orkan, und wir können auch einen Orkan produzieren in die Standorte rein. Und dann muss man sich auf Widerstand einstellen», sagte der Gewerkschafter.

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