17. September 2026 – dpa
Mehr als 250 Sitze kann die AfD in Niedersachsens Kommunalvertretungen nicht besetzen. Was sagt Landeschef Ansgar Schledde dazu?
Die AfD führt ihre unbesetzten Mandate nach den Kommunalwahlen in Niedersachsen auf die Sorge möglicher Kandidaten vor persönlichen und beruflichen Folgen zurück. «Ausschlaggebend dafür ist der hohe soziale Druck auf Kandidaten. Wer öffentlich für uns antritt, muss Anfeindungen und berufliche Nachteile in Kauf nehmen», sagte AfD-Landeschef Ansgar Schledde. «Das schreckt Menschen ab, die inhaltlich mit uns übereinstimmen.»
Landesweit bleiben nach den vorläufigen Ergebnissen 314 Sitze in den Kommunalvertretungen unbesetzt, darunter sind 258 Mandate der AfD. Die Gemeindewahlergebnisse aus dem Landkreis Rotenburg sind darin noch nicht berücksichtigt.
Damit sind deutlich mehr Sitze unbesetzt als zuletzt. Nach den Kommunalwahlen 2021 blieben lediglich 41 Sitze frei, nach den Wahlen 2016 gab es 54 unbesetzte Sitze.
Schledde sagte, die AfD habe ihre Wahlziele klar übertroffen. «Die Ergebnisse haben sich verdreifacht, die Zahl der Mandatsträger ist noch stärker gestiegen», sagte er. Das sei auch dank steigender Mitgliederzahlen möglich geworden. «Trotzdem konnten wir nicht alle Listen voll besetzen.»
Als Hindernis für die kommunale Arbeit der AfD sieht der Landesvorsitzende die unbesetzten Sitze nicht. «Wir ziehen flächendeckend in Kreistage, Stadt- und Gemeinderäte ein –
oft erstmals oder in Fraktionsstärke», sagte er. «Wo Sitze verfallen, bleibt der Wählerauftrag bestehen. Auch mit personell reduzierter Stärke werden wir die Sorgen der Bürger in die kommunalen Gremien tragen.»
Schledde rechnet zudem mit weiteren Eintritten in die Partei und mit einem steigenden Interesse an den kommunalen Mandaten. «Genau darauf konzentrieren wir uns jetzt», sagte er. «Wer 2026 nicht auf einer Liste stand, soll 2031 kandidieren können. Wir rufen interessierte Bürger ausdrücklich zum Beitritt auf.»
Die AfD hatte auf Kreisebene 15,9 Prozent der Stimmen erhalten und ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 damit mehr als verdreifacht. Bei den Gemeindewahlen erhielt sie 11,2 Prozent (plus 9 Prozentpunkte).
Der Verfassungsschutz hat die AfD in Niedersachsen als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt eingestuft. Die Partei wehrt sich juristisch dagegen.