Fußball-Bundesliga
Top-Torjäger Füllkrug als X-Faktor - Auch für Klopp?
Keiner trifft derzeit im deutschen Fußball so oft und verlässlich wie Niclas Füllkrug. Doch darf der Werder-Torjäger nach längerer Zeit auch wieder in der DFB-Elf stürmen?

Füllkrug ist derzeit in der Form seines Lebens. Der Bremer Stürmer trifft in dieser Saison nach Belieben. Egal, ob mit dem Kopf, den Füßen oder vom Elfmeterpunkt: Füllkrug hat alles drauf. Die Vehemenz, mit der er sich gegen Hoffenheim im Zweikampf behauptete und den Ball dann mit aller Macht in die Maschen hämmerte, war internationale Klasse.
Füllkrug beeindruckt nicht nur mit seinen Treffern. Es ist vor allem auch die Art und Weise, wie der Stürmer eine Mannschaft als Typ antreibt und mitzieht. Sie sticht heraus. «Die Professionalität, die er in jedem Training und in jedem Spiel vorlebt, ist beeindruckend und färbt auf die anderen Spieler ab», lobte Verteidiger Amos Pieper. «Niclas ist unsere Lokomotive», sagte Thioune.
Füllkrug ist aktuell topfit. In der Vergangenheit war er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden. Als Werder den Stürmer im Sommer von West Ham United auslieh, äußerten nicht wenige Zweifel am Transfer. Die Causa Victor Boniface, der an der Weser nie den Zustand eines Profi-Fußballers erreichte, galt als mahnendes Beispiel. Doch Füllkrug hat die Mahner widerlegt.
In den ersten vier Länderspielen unter Klopps Regie gelang keinem Stürmer ein Treffer. Konkurrenten wie Deniz Undav oder Nick Woltemade stecken aktuell im Formtief, junge Talente müssen erst noch international reifen. Um den historischen Abstieg aus der Nations League zu vermeiden, braucht die DFB-Elf gegen Serbien und die Niederlande unbedingt Siege - und dafür Tore. Füllkrug in seiner aktuellen Topform könnte sie liefern. Seine Quote von 14 Toren in 24 Länderspielen spricht im Übrigen dafür, dass er es auch im Nationaltrikot kann.
Klopp hat nach der dritten verkorksten Weltmeisterschaft in Serie den Neuaufbau ausgerufen. In seinem 44 Spieler umfassenden Premieren-Kader tummelten sich im September viele junge, teils unbekannte Spieler. Für Füllkrug war da kein Platz. «Niclas Füllkrug schießt in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen, ist aber 33. Das ist nicht meine Schuld», hatte Klopp zuletzt beim Streamingdienst DAZN gesagt. «Wir haben eine Gegenwart, eine mittelfristige Zukunft und eine langfristige Zukunft. In der Gegenwart kann es natürlich funktionieren, mittelfristig unter Umständen auch. Langfristig, ja, also da müssen wir jetzt mal sehen …».
Klopp setzt - wie schon als Vereinstrainer - auf Tempo-Fußball, auf Pressing. Bei seiner Premiere als Nachfolger von Julian Nagelsmann war der gewünschte Hochgeschwindigkeits-Fußball ansatzweise zu erkennen. So herausragend Füllkrug aktuell in Form ist - Schnelligkeit zählt nicht zu seinen Stärken.
Auch wenn Füllkrug derzeit topfit ist, wissen sie in Bremen und beim DFB um seine Verletzungen aus der Vergangenheit. Werder-Coach Thioune setzte seinen Torjäger im DFB-Pokal-Spiel bei Borussia Dortmund deshalb auch eine Stunde lang auf die Bank und nahm damit ein Ausschieden in Kauf. Wie Füllkrugs Körper auf Doppelbelastung reagiert, ist ungewiss.
Zur Wahrheit gehört auch: Bei West Ham United in der Premier League und bei der AC Mailand in der italienischen Serie A konnte sich Füllkrug nicht durchsetzen. Bei seiner Vorstellung in Bremen räumte er selbst ein, dass er die Unterschiede zwischen den einzelnen Ligen unterschätzt habe. West Ham legte dem Stürmer daher auch keine großen Steine in den Weg, als es darum ging, die Leihe zu seinem Herzensclub Werder möglich zu machen.


