11. August 2026 – dpa

Auseinandersetzung um Hund

Streit um Chihuahua eskaliert – Drei Angeklagte in Kassel

Ein Chihuahua wird für 800 Euro verkauft und kurz darauf für 2.000 angeboten: Der Fall landet vor Gericht. Die Anklage spricht von Gewalt, eine Beschuldigte schildert den Ablauf völlig anders.

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Ein Chihuahua ist zum Zankapfel geworden. (Symbolbild)

Kleiner Hund, großer Zankapfel: Nach einem Internetverkauf eskaliert der Streit um einen Chihuahua. Nun müssen sich drei Angeklagte am Landgericht Kassel verantworten. Zwei 30- und 31-jährigen Frauen aus Oldenburg und Edewecht (Landkreis Ammerland) wird schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, einem 66-Jährigen aus Bremen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Raub und Körperverletzung.

Die Vorgeschichte laut Staatsanwaltschaft: Die 31-Jährige verkauft im September 2020 für 800 Euro ihren Chihuahua im Internet an einen Mann aus Kassel. Nur einen Tag später soll der Käufer den Hund ebenfalls im Internet zum Verkauf angeboten haben - für 2.000 Euro. Darauf sei der 66-jährige Angeklagte aufmerksam geworden, der selbst Interesse am Kauf des Hundes gehabt, aber zunächst nicht den Zuschlag bekommen hatte. Er soll die 31-Jährige über das Inserat informiert haben. Die wiederum soll ihre 30 Jahre alte Bekannte ins Bild gesetzt haben.

Laut Anklage will die 31-Jährige den Chihuahua zurückholen. «Notfalls mit Gewalt», sagte die Staatsanwältin. Sie sei der Meinung gewesen, der neue Besitzer habe den Hund nur gekauft, um ihn teurer weiterzuverkaufen - ohne Rücksicht auf das Tierwohl. Die 31-Jährige habe den Mitangeklagten aufgefordert, Kontakt zu dem neuen Besitzer aufzunehmen und vorzugeben, den Hund kaufen zu wollen.

Die drei Angeklagten sollen dann zusammen zur Wohnung des neuen Chihuahua-Besitzers in Kassel gefahren sein. Dort habe sich die 30 Jahre alte Bekannte der Frau zunächst als interessierte Käuferin ausgegeben und den Mann anschließend damit konfrontiert, dass er den Hund erst einen Tag zuvor gekauft habe. Nach Angaben der Staatsanwältin sagte sie ihm, sie werde den Hund wieder mitnehmen und ihm 200 Euro für das Tier geben. Das habe der neue Besitzer abgelehnt und die vollen 800 Euro gefordert.

Daraufhin soll es laut Anklage zunächst zu einem verbalen Streit gekommen sein, der in eine körperliche Auseinandersetzung mündete. Der 66-Jährige habe dem Mann gegen die Brust geschlagen und gegen das Schienbein getreten. Die 30-Jährige habe ihn mit der Faust auf die Brust und ins Gesicht geschlagen und mit Pfefferspray besprüht, bevor sie ihm den Hund entrissen habe.

Die Frau selbst schilderte die Situation am ersten Prozesstag völlig anders. Sie sei mitgefahren, weil ihre Freundin außer sich gewesen sei vor Sorge um den Hund und sich heftige Vorwürfe gemacht habe. Sie hätte befürchtet, dass der Käufer falsche Angaben gemacht habe und der Hund in falsche Hände geraten könne.

In Kassel habe sie dem neuen Besitzer einen Umschlag mit 700 Euro gegeben, gab die 30-Jährige an. Der sei zunächst mit dem Rückkauf einverstanden gewesen. Dann aber sei er aggressiv geworden, habe ihr plötzlich den Chihuahua entrissen und ihn grob und heftig geschüttelt. «Er hat gesagt: "Wenn ich den Hund nicht haben kann, kann ihn niemand haben".»

«Ich dachte, der Hund stirbt», sagte die Beschuldigte. Sie habe den Mann gebeten aufzuhören. Als er das nicht getan habe, habe sie in Panik einmal kurz das Pfefferspray eingesetzt. Der mitangeklagte 66-Jährige soll nach ihrer Schilderung nichts getan und ruhig neben ihr gestanden haben. Die 31-jährige Angeklagte habe im Auto gesessen. «Ich schwöre Ihnen, wir wollten keinen Ärger», sagte sie. Sie habe in Ruhe mit dem neuen Besitzer reden wollen. In der Rückschau tue ihr das Ganze furchtbar leid.

Die beiden weiteren Angeklagten äußerten sich zunächst nicht. Das Landgericht hat in dem Verfahren vier weitere Termine bis Ende August anberaumt.

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