24. Juli 2026 – dpa
Anfang des Monats wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren über den renommierten Verlag eröffnet. Das ist jetzt bereits überstanden. Für die Zukunft fehlt aber ein bisher wichtiges Puzzleteil.
Der renommierte Göttinger Steidl Verlag hat das vorläufige Insolvenzverfahren verlassen. Anfang des Monats hatte das Amtsgericht Göttingen das Verfahren eröffnet. Nun seien alle offenen Forderungen beglichen worden, teilte das Amtsgericht mit. Das habe der Gläubiger bestätigt.
Nach Angaben von Verlagschef Gerhard Steidl ging es bei dem vorläufigen Insolvenzverfahren um Mahnbescheide von zwei Krankenversicherungen «über relativ kleine Beträge». Die Schieflage seines Verlages verdeutliche zudem die Probleme, mit der die Branche zu kämpfen habe. US-Zölle oder Zurückweisungen durch die Zensur in China etwa würden dem Geschäft zusetzen. Sein Unternehmen sei jetzt aber wieder auf einem «sehr, sehr guten Weg».
Laut dem Göttinger Arbeitsrechtler Sascha John, der nach eigenen Angaben den Großteil der Steidl-Mitarbeiter vertritt, waren Anfang des Monats noch mehrere Klagen offen. Es sei um nicht oder verzögert bezahlte Gehälter gegangen.
Der Steidl Verlag war in der Vergangenheit unter anderem dafür bekannt, seit 1993 die weltweiten Rechte am Werk von Günter Grass zu halten. Für die Zukunft kann der Verlag darauf aber nicht mehr bauen. Die Günter und Ute Grass Stiftung beendete die Zusammenarbeit im Mai, weil sich der Verlag wiederholt im Zahlungsrückstand befunden habe, sagte eine Sprecherin der Stiftung Mitte der Woche.
Steidl selbst sagte, seit dem Tod von Günter und Ute Grass habe eine Entfremdung zwischen ihm und der Stiftung stattgefunden. Die Grass-Verkäufe hätten aber auch nur noch etwa zwei Prozent des Umsatzes ausgemacht. Für die Zukunft verhandele der Vertrag mit einem seriösen Schweizer Investor. Die Vereinbarung stehe kurz vor dem Abschluss.