20. August 2026 – dpa
Ihr Paarungsverhalten macht sie berühmt und berüchtigt. Doch die Gottesanbeterin ist auch aus anderen Gründen ein faszinierendes Insekt. Im Norden steigt die Chance, die Fangschrecke zu sehen.
Sie frisst Heuschrecken, Fliegen und männliche Artgenossen – die europäische Gottesanbeterin. Nun breitet sich das wärmeliebende Insekt mit dem lateinischen Namen Mantis religiosa im Norden Deutschlands immer weiter aus. Jüngst wurde eine Gottesanbeterin in Wolfsburg gesichtet, wie Michael Kühn von der Naturschutzorganisation Nabu in Wolfsburg mitteilte. Zuvor hatte die «Braunschweiger Zeitung» darüber berichtet.
«Die extrem hohen Temperaturen in Deutschland und auch in Wolfsburg begünstigen die Ausbreitung dieser sehr interessanten Fangschrecke», sagte Kühn. Das Insekt lebe eigentlich in warmen Regionen Europas - etwa in Frankreich, Spanien und Italien. Kaum ein Insekt fasziniere die Menschen so wie die Gottesanbeterin, so Kühn. «Mit ihren zum "Gebet" gefalteten, dornenbestückten Fangarmen und dem dreieckigen Kopf ist sie eine Besonderheit in der Insektenwelt.»
Seit einiger Zeit wird das Insekt vermehrt in Deutschland gesehen - auch in der Hauptstadt. «Heute kann man in ganz Berlin auf Brachen, Schuttflächen oder an sonnigen Wegrändern mit etwas Glück diesem faszinierenden Insekt begegnen», teilte die Artenschutzreferentin beim Nabu Berlin, Janina Klug, Anfang August mit. Dem Nabu zufolge begünstigt der Klimawandel die rasche Ausbreitung.
Damit werden auch in Niedersachsen zunehmend Gottesanbeterinnen erwartet. Dies sei spannend, der Grund aber alarmierend, sagte Kühn vom Nabu in Wolfsburg. «Ohne den immer schneller werdenden Klimawandel würde diese Art niemals ihren Lebensraum so weit nach Norden ausbreiten können», erklärte er. «Die Natur und ihre Lebewesen verändern sich in einer Geschwindigkeit, die vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar war.»
Die Gottesanbeterin ist wegen ihres Paarungsverhaltens berühmt und berüchtigt, wie der Nabu schreibt. Demnach stirbt rund ein Drittel der Männchen unmittelbar nach der Paarung - weil das Weibchen das kleinere Männchen frisst. Weibliche Tiere werden bis zu acht Zentimeter groß, Männchen bis zu sechs Zentimeter.
Durch ihre meist grüne oder braune Färbung ist eine Gottesanbeterin gut getarnt, was ihr bei der Jagd auf Insekten wie Heuschrecken und Fliegen hilft. Sie kann stundenlang unbemerkt ruhen und sich dann im Zeitlupentempo anschleichen. Für den tödlichen Zugriff sei sie perfekt ausgerüstet, schreibt der Nabu. «Ihre kräftigen Fangarme sind mit zahlreichen Dornen bestückt und können sich rasend schnell bewegen. Einmal in den Fangarmen gibt es für die Beute kein Zurück mehr.» Der Naturschutzorganisation zufolge dauert der Fangschlag 50 bis 60 Millisekunden und ist damit etwa sechsmal schneller als ein Lidschlag des menschlichen Auges. Für Menschen ist die Gottesanbeterin ungefährlich.