30. Juli 2026 – dpa

Robben im Wattenmeer

Seehund in Sicht - Was sollte man dann tun und was nicht?

Wer einen Seehund am Strand entdeckt, sollte Abstand halten und das Tier nicht anfassen. Warum das Beobachten oft die beste Hilfe ist und was bei Unsicherheit zu tun ist.

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Aufwachsen und fit für die Wildnis werden: In den Seehundstationen des Wattenmeers werden Jungtiere ohne Mutter und verletzte Tiere aufgepäppelt. (Archivbild)

Seit einigen Wochen tummeln sich Hunderte kleine Seehunde an den Küsten der Nordsee. Einige von ihnen brauchen allerdings Hilfe, aber längst nicht alle. Wie lässt sich das unterscheiden und worauf müssen Strandspaziergänger achten, wenn sie eine vermutlich hilflose, einsame Robbe im Sand sehen?

Die Seehundstationen in Friedrichskoog (Schleswig-Holstein) und Norddeich (Niedersachsen) haben da ganz klare Anweisungen:

1. Robbe nicht anfassen.

2. Hunde fernhalten und weiten Abstand einhalten.

3a. In Schleswig-Holstein: Seehundjäger über die Robben.App informieren, Polizei oder Seehundstation Friedrichskoog via +49 4854 1372 anrufen.

3b. In Niedersachsen: Seehundstation in Norddeich über +49 4931 973330 kontaktieren.

3c: In Hamburg/auf Neuwerk: Nationalpark-Haus Neuwerk unter +49 4721 395349 anrufen.

Das gelte für jeden allein liegenden Seehund, den man am Strand sieht - auch für verletzte, sagt eine Mitarbeiterin der Aufzuchtstation in Friedrichskoog der Deutschen Presse-Agentur.

Es gilt, mindestens 300 Meter Abstand zu halten und den Weg zum Wasser nicht zu versperren. Auf keinen Fall dürfen Robben angefasst oder gar eingesammelt werden. Ein vermeintlicher «Rettungsversuch» sei oft nicht hilfreich: Der menschliche Kontakt könne im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Mutter ihr Junges zurücklässt. Die Tiere können außerdem beißen und dadurch auch Krankheiten übertragen.

Nach einem Fund machen sich der Seehundjäger oder andere Experten ein Bild von der Lage und schätzen ein, ob der Seehund tatsächlich Hilfe braucht. Manchmal kämen die Mütter auch wenig später schon wieder zu ihrem Nachwuchs zurück.

Falls doch Unterstützung nötig ist, prüft der Experte, welche es sein muss. Wenige Tage und Wochen alte, verlassene und noch auf Muttermilch angewiesene Tiere - sogenannte Heuler - kommen in die Aufzuchtstationen entlang des Wattenmeeres. Auch verletzte Tiere werden hier versorgt, wenn sie beispielsweise von Kegelrobben verletzt wurden oder sich an Steinen weh getan habe

In der Regel ernähren sich die kleinen Robben vier bis sechs Wochen lang mit Muttermilch.

Doch, das sei durchaus noch möglich, sagt die Mitarbeiterin weiter. Denn es gibt sowohl Früh- als auch Spätgeburten bei den Seehunden. Eines der Tiere, das bereits Anfang Mai zur Welt gekommen ist, ist Robbe Tilda. Sie wurde in Friedrichskoog aufgezogen und wiegt nun so viel, dass sie am Donnerstagvormittag als erster Heuler die Station verlassen darf.

Und auch jetzt seien noch Geburten möglich, wenn auch nicht mehr so viele. «Die Geburtenzeit ist so gut wie beendet.» An der deutschen Nordsee werden jährlich mehr als 7.000 Robben im deutschen Teil des Wattenmeeres geboren - meist zwischen Juni und Juli.

Das hat tatsächlich nichts mit dem Alter zu tun, wie die Mitarbeiterin weiter sagt. Stattdessen ist vor allem das Gewicht entscheidend. «Sie müssen mindestens 25 Kilogramm auf die Waage bringen und ein externer Tierarzt muss eine Freigabe für die Auswilderung erteilen.»

Im Moment leben rund 180 Tiere in der Seehundstation in Friedrichskoog. Das sei ähnlich viel wie sonst auch. Eine konkrete Bilanz könne aber erst am Ende der Saison gezogen werden. Die Tiere bekommen übrigens vor der Auswilderung eine farbige Marke mit einer Nummer drauf. Sie wird an der Hinterflosse befestigt. In Norddeich sind es aktuell 123 Tiere, wie Peter Lienau, Geschäftsführer Seehundstation Norddeich, der dpa sagte.

Das lasse sich nicht detailliert aufschlüsseln, sagt die Mitarbeiterin in Friedrichskoog. Aber in Hochzeiten - um den 20. Juni herum - würden durchaus drei Anrufe pro gefundenem Tier bei der Station eingehen. «In gut besuchten Gegenden wie St. Peter-Ording können das auch mal mehr sein, in weniger belebten Gegenden weniger.» Auch Lienau sprach von sehr vielen Anrufen am Tag aufgrund von Tierfunden.

Junge Seehunde heulen, jammern aber nicht: «Das Heulen ist ein normaler Kontaktlaut des Jungtieres, mit dem es seine Mutter ruft, kein Klagen», betont die Seehundstation Friedrichskoog auf seiner Webseite. Dieses charakteristische Rufen hat Seehunden, die in der Säugezeit dauerhaft von ihrer Mutter getrennt sind, ihren Namen eingebracht.

Nach vergleichsweise niedrigen Jungtierzahlen in den Jahren 2022 bis 2024 wurde 2025 die zweithöchste absolute Zahl von Jungtieren seit Beginn der grenzübergreifenden Zählungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, den Niederlanden und in Dänemark verzeichnet. Insgesamt wurden 10.044 Jungtiere gezählt – ein Plus von 22 Prozent gegenüber 2024.

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