25. September 2026 – dpa

Urgestein der Ostsee

Rettungsschwimmer wacht seit 50 Jahren über Küste in Binz

Holger Weiske ist mit seinen 70 Jahren und jahrzehntelangem Einsatz ein Urgestein an Rügens Küste. Über eine besondere Begegnung mit einem Wal und was sich seit der DDR für ihn verändert hat.

4mpxgshsmr-v11-ax-s2048.jpeg
Seit 50 Jahren hat Holger die Ostsee vor Binz im Blick.

Die Strandkörbe wurden weniger, die Boote schneller: Nach der Wende hat sich vor der Küste in Binz auf Rügen zwar einiges verändert, doch einer bleibt. Seit 1975 überblickt Holger Weiske als Rettungsschwimmer mit wachsamem Auge den Ostseestrand.

Der 70-jährige Lehrer ist inzwischen pensioniert und steht noch immer jedes Jahr in der Vor- und Nachsaison für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) im Rettungsturm mit seinem Fernglas bereit. Für seinen jahrelangen Einsatz und sein ehrenamtliches Engagement wurde er zum Jubiläum auch von seinen Kollegen und Kolleginnen sowie der Gemeinde gewürdigt.

In 50 Jahren Einsatz hat Weiske so einiges erlebt, Schönes wie Schreckliches. Die goldene Regel: «Als Rettungsschwimmer muss immer ein Auge auf das Wasser gerichtet sein», erzählt er. Das hat sich bei ihm eingebrannt. Dennoch kam in den Jahren manchmal auch jede Hilfe zu spät. Der 70-Jährige hat an der Küste bereits einige Todesfälle hautnah miterlebt.

Besonders einprägsam war eine Begegnung im August 1978. Zwei Tage lang besuchte ein Wal die Küste, für die der Rettungsschwimmer schon damals zuständig war. Holger Weiske konnte «Ossi», wie das Tier getauft wurde, aus nächster Nähe sehen. Der Wal sprang durch die Ostsee und tauchte unter Weiskes Rettungsboot umher. Einmal schoss «Ossi» einen Wasserstrahl direkt an der Bootswand hoch, erinnert sich der 70-Jährige an damals. Ein tolles Erlebnis. «Davon zehre ich heute noch», sagt er.

Zu DDR-Zeiten verlief am Strand von Binz nach der Badezone die Grenze. Wer sich der näherte, wurde vom Küstenschutzboot ins Visier genommen, erzählt der Rettungsschwimmer. Statt der heute erlaubten 60 PS durften die Rettungsboote damals nur 7,5 PS haben, wie Weiske berichtet. Und für Badegäste sei das Befahren der Ostsee vor Binz mit Booten und selbst «bootsähnlichen Schwimmkörpern» wie Luftmatratzen verboten gewesen. So groß war die Angst vor einer Republikflucht aus der DDR.

Nach der Wende verschwand die Grenze und die Ausrüstung der Rettungsschwimmer wurde besser. Doch auch die Menschen haben sich nach Beobachtung Weiskes verändert. Er erzählt, dass viele sich nicht mehr an Regeln halten und oft nicht sehen können, wenn eine Situation für sie oder ihre Kinder gefährlich sein könnte. Er versuche, sich mit Geduld und Überredungskunst dagegenzustellen, sagt der 70-Jährige. Immer mit dem Ziel, unter seiner Aufsicht den Strand in Binz und seine Badegäste so sicher wie möglich zu halten.

Weitere Meldungen

undefined
Antenne Niedersachsen
Audiothek