Diesel und Super E10 sind so teuer wie nie - für Pendler, Familien und Betriebe wird Tanken zunehmend zur Belastung. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies fordert einen schnellen Preisdeckel. Während Kunden an Tankstellen ihrem Frust Luft machen, helfen manche Arbeitgeber in Niedersachsen bereits mit Tankgutscheinen, damit Mitarbeitende den Weg zur Arbeit weiter bezahlen können.
Am Mittwoch (16.09.) hat Diesel seinen bisherigen Höchststand vom 7. April 2026 überschritten und kostete im Durchschnitt 2,453 Euro pro Liter. Bei Super E10 lag der Preis im bundesweiten Durchschnitt bei 2,314 Euro pro Liter, wie der ADAC mitteilt.
Zu den hohen Spritpreisen an den Tankstellen hat sich auch bereits Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies geäußert. Nach seinem Willen müssen diese schnell gedeckelt werden. "Ich kann die Worte 'keine Schnellschüsse' ehrlich gesagt nicht mehr hören. Überhaupt mal ein Schuss wäre schön. Den Spritpreisdeckel fordere ich seit Monaten", sagte der SPD-Politiker auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover. "Hätte man in Berlin etwas erarbeitet in der Zwischenzeit, würden wir jetzt nicht weitestgehend blank dastehen."
Lies sagte, die Spritpreise seien kein abstraktes Problem, sondern ein massives Problem im Alltag für Pendler mit dem Auto, für Familien, aber auch für Handwerker, Spediteure und Betriebe. Alle litten unter den Preisen, die "nahezu groteske Höhen" erreichten.
Dass die Preise dabei schnell stiegen, aber nur langsam sinken, sei ein "Marktversagen" und ein "Inflationsmotor". Gerade Menschen mit geringen Einkommen treffe das hart.
Wie sieht es an den Tankstellen und in Betrieben aus?
Um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen, hat unsere Antenne Niedersachsen Moin-Show mit Norman gesprochen. Er ist Tankwart in Hagenburg bei Wunstorf und berichtet, dass er und sein Team wegen der hohen Spritpreise von den Kunden glücklicherweise "nicht so angegangen werden" und fügt hinzu: "Wir sind hier im ländlichen Raum. Wir kennen die meisten unserer Kunden hier sehr gut und ich kann mir vorstellen, dass das in der Stadt schlimmer ist."
Auf die Frage, wie seine Kunden auf die hohen Spritpreise reagieren, sagt Norman: "Es gibt halt Leute, die sind halt immer noch so ein bisschen spaßig dabei. Die fragen dann oder sagen 'Ich wollte nicht die ganze Tankstelle kaufen' mit so einem Zwinkern. Es gibt aber halt auch viele, die das ganz klar auch beim Namen nennen und von Abzocke sprechen. Also die sehen die Verantwortlichkeit in der Politik, ganz klar. Das führt halt zu einer Unzufriedenheit." Und weiter: "Man hört halt von vielen Kunden, die dann halt vielleicht auch finanziell in einem Sektor arbeiten, wo es wehtut und die trotzdem aufs Auto angewiesen sind. Die täglich teilweise 100 Kilometer fahren müssen, um ihre Arbeitsstelle zu erreichen und die schlicht und einfach irgendwann sagen 'Wir können uns das nicht mehr leisten, zur Arbeit zu fahren. Wir gehen drei Wochen arbeiten und müssen eine Woche krank machen weil wir kein Geld mehr haben, um zu tanken'."
Matthias ist Chef des Autohauses Witteborn in Lüchow und in seinem Betrieb teilen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Gedanken und Sorgen zu den gestiegenen Spritpreisen ganz offen mit ihm. Lolo, eine von Matthias Mitarbeiterinnen hat sich aufgrund der hohen Preise bei uns gemeldet. Sie fährt jeden Tag rund 30 km zur Arbeit. Im Antenne Niedersachsen-Interview erzählt sie, sie habe ihren Chef gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre, sie zu entlassen, weil es einfach schwierig sei, mit dem Geld klarzukommen. Denn nicht nur die Spritkosten steigen, sondern auch andere Kosten.
Für Lolos Chef Matthias war das ein echtes Alarmsignal. "Mein Chef nimmt das schon sehr ernst", erzählt Lolo. Um seine Mitarbeitenden zu entlasten, hat Matthias reagiert: Er stellt ihnen Tankgutscheine zur Verfügung, damit sie nicht kündigen. "Also es kommt ein bisschen Panik auf, muss ich sagen. Weil wenn einer geht, dann überlegt der nächste auch schon wieder. Und dann ist der Betrieb leer. Wir sind hier sechs Leute, das ist nicht so sehr groß", erklärt Matthias.