05. Oktober 2026 – dpa
Die erhofften Millionen Euro bleiben aus. Niedersachsens Hochschulen müssen ihre Pläne langsamer umsetzen. Warum die Bewerbungen scheiterten? Die Hochschulspitzen liefern erste Erklärungen.
Die Absage hat Volker Epping getroffen. «Mir sind auch die Tränen gerollt», sagte der Präsident der Leibniz Universität Hannover (LUH). Ohne den erhofften Exzellenztitel fehlt seiner Hochschule zusätzliche Förderung in Höhe von Millionen Euro. Ihre Pläne wolle die Universität dennoch umsetzen – allerdings «auf kleinerer Flamme».
Auch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und der Verbund der Universitäten Oldenburg und Bremen gingen bei der Auswahl leer aus. Drei Tage nach der Entscheidung beschreiben die Hochschulspitzen und Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) erste Folgen und mögliche Erklärungen. Für eine abschließende Analyse wollen sie die ausführlichen Gutachten auswerten.
MHH-Präsidentin Denise Hilfiker-Kleiner nannte eine konkrete Folge: Vorgezogene Berufungen würden ohne die zusätzlichen Millionen Euro schwierig. Konzepte, die wenig oder nichts kosteten, würden dagegen umgesetzt. Welche Vorhaben im Nordwestverbund zurückstehen müssen, ist offen. Oldenburgs Universitätspräsident Ralph Bruder verwies auf die noch ausstehende Auswertung.
Die Absage betrifft die Förderung der Hochschulen als Ganzes. Die bereits bewilligten Exzellenzcluster, die einzelne Forschungsbereiche unterstützen, bleiben bestehen. Der fehlende Titel bedeutet also keinen Wegfall dieser Forschung – wohl aber weniger Geld, um die Hochschulen weiterzuentwickeln.
Warum es nicht reichte, erklären die Verantwortlichen bislang mit unterschiedlichen Herausforderungen. Hilfiker-Kleiner sagte: «Wir haben für uns gelernt: Als kleine Spartenuniversität ist es schwer, gegen die ganz großen Tanker und Verbünde alleine anzutreten.»
Epping sieht bei der LUH Aufholbedarf bei der Internationalisierung. Andere Hochschulen seien dort weiter gewesen. Corona habe die Bemühungen gebremst, Forschende aus dem Ausland zu gewinnen. Mehr internationale Studierende und Wissenschaftler zu gewinnen, verlange auch Veränderungen des Studienangebots. «Das ist ein Kulturwandel», sagte der langjährige Uni-Präsident.
Nach Eppings Darstellung kam zudem ein zusätzlicher Schub aus dem Landesprogramm «Potenziale strategisch entfalten» erst im Jahr 2025 – nach Ende des Bewertungszeitraums. Ob eine spätere Bewertung zum Erfolg geführt hätte, ließ er offen.
Minister Mohrs hält die stärkere Konzentration auf die jeweiligen Forschungsstärken weiterhin für richtig. Nach Auswertung der Gutachten wollen Land und Hochschulen über weitere Unterstützung beraten. Eine konkrete zusätzliche Fördersumme nannte er nicht.
Die oppositionelle CDU forderte dagegen politische Konsequenzen. Ihre wissenschaftspolitische Sprecherin Cindy Lutz kritisierte, Mohrs habe nicht überzeugend erklärt, warum Niedersachsen erneut leer ausgehe und was er daraus für seine Politik ableite. Sie verlangt verlässliche Investitionen und mehr Hochschulautonomie. Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Pippa Schneider, betonte hingegen, die bei der Bewerbung entstandenen Strukturen und Partnerschaften blieben auch ohne Titel bestehen.
Seit dem Ende der Förderung für die Georg-August-Universität Göttingen im Jahr 2012 hat Niedersachsen keinen Exzellenzstandort mehr. Die Hochschulen halten dennoch an ihren Konzepten fest. Wie viel davon ohne die erhofften Millionen Euro wie schnell umgesetzt werden kann, müssen sie nun klären.