21. Juli 2026 – dpa

Fischereidialog

Niedersachsen plant fischereifreie Zonen in der Nordsee

Fischereiverbände und Umweltorganisationen ringen um streng geschützte Zonen in der Nordsee. Wie die Landesregierung einen Ausgleich sucht.

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Möwen fliegen einem Fischkutter in der Elbmündung hinterher. (Symbolbild), Foto: Marcus Brandt/dpa

Rund zehn Prozent des niedersächsischen Küstenmeeres sollen künftig streng geschützt und für die Fischerei gesperrt werden. Umwelt- und Landwirtschaftsministerium haben dazu konkrete Gebietsvorschläge mit Fischerei-, Umwelt- und Kommunalvertretern beraten. Nach kleineren Anpassungen sollen die Pläne in das parlamentarische Verfahren gehen.

«Es ist eine Einschränkung für die Krabbenfischer», sagte Umweltminister Christian Meyer (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich blieben 90 Prozent des Küstenmeeres grundsätzlich für die Krabben- und Muschelfischerei zugänglich. Ziel sei ein langfristiger Kompromiss zwischen Naturschutz und Fischerei.

Grundlage sind Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030. Demnach sollen 30 Prozent der Meeresflächen wirksam geschützt und insgesamt 10 Prozent streng geschützt werden. Vorgesehen sind fischereifreie Flächen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und im Meeresschutzgebiet Borkum-Riff.

Die genaue Auswahl ist weiterhin nicht abgeschlossen. Größere Änderungen an der Gebietskulisse erwartet der Umweltminister jedoch nicht mehr. Nach der Sommerpause solle das Gesetzgebungsverfahren zur Änderung des Nationalparkgesetzes beginnen. Ein Abschluss werde möglichst im Frühjahr 2027 angestrebt.

Ernährungsministerin Miriam Staudte (Grüne) sprach von einer grundsätzlichen Akzeptanz des Zehn-Prozent-Ziels. Streit habe es vor allem um Details gegeben, etwa den Zuschnitt einzelner Flächen. Die Gebietsdiskussion solle noch in diesem Sommer beendet werden.

Die Landesregierung will die Krabbenfischerei mit mehr als einer Million Euro zusätzlich unterstützen. Damit sollen besondere Belastungen ausgeglichen und Umweltleistungen der Betriebe gefördert werden.

Die Fischereiverbände sehen dennoch erheblichen Klärungsbedarf. Sie fordern weitere Gespräche, genauere Daten, Folgenabschätzungen und Änderungen an den vorgeschlagenen Schutzzonen. Umweltorganisationen gehen die Pläne dagegen nicht weit genug. WWF und Deutsche Umwelthilfe verlangen einen deutlich stärkeren Schutz des Wattenmeeres vor Grundschleppnetzen.

Der Fischereidialog war im April des vergangenen Jahres begonnen worden. In Niedersachsen sind nach Angaben der Ministerien 114 Fischereifahrzeuge mit 317 Beschäftigten registriert, darunter 88 Krabbenkutter.

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