05. September 2026 – dpa
Nach mehr als zehn Jahren Pause sollen wieder Züge zwischen Ostfriesland und den Niederlanden fahren. Ein erster Teil der «Wunderline» ist fertig. Was sich für Pendler und Reisende jetzt ändert.
Mehr als zehn Jahre lang war die grenzüberschreitende Zugverbindung zwischen Leer in Ostfriesland und dem niederländischen Groningen unterbrochen – nun wird der Bahnbetrieb wieder aufgenommen. Von dem 5. Oktober an sollen auf der Strecke wieder Züge rollen, wie die Deutsche Bahn und die Provinz Groningen kürzlich mitteilten. Die Wiederaufnahme der Verbindung ist auch ein erster Schritt bei der Realisierung der sogenannten «Wunderline», die Bahnreisen zwischen Groningen und Bremen schneller und komfortabler machen soll. Was Reisende nun wissen sollten:
Weil die Bahnstrecke in den vergangenen Jahren modernisiert wurde - und weil es eine neue Friesenbrücke gibt. Seitdem ein Frachter 2015 die damals geschlossene Klappbrücke bei Weener gerammt und zerstört hatte, war die Emsquerung für Bahnverkehr unterbrochen und damit auch der grenzüberschreitende Zugverkehr in die Niederlande. Inzwischen wurde die Friesenbrücke neu gebaut. Zudem wurde an der Bahnstrecke zwischen der deutsch-niederländischen Grenze und Ihrhove (Landkreis Leer) an Gleisen, Weichen, Signalen und Oberleitungen gearbeitet.
«Dass nach zehn Jahren wieder Züge zwischen Groningen und Leer fahren, ist eine gute Nachricht für die gesamte Grenzregion», sagte Erik Jan Bennema, Abgeordneter der Provinz Groningen, in einer Mitteilung. Er wies darauf hin, dass diese Verbindung wichtig für Reisende, Studierende, Pendler und Besucher beider Länder sei. Auch Ute Plambeck, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für die Region Norddeutschland, sprach von einer «guten Nachricht» für die Menschen in der deutsch-niederländischen Grenzregion.
Ursprünglich war der Neustart der deutsch-niederländischen Bahnverbindung zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 geplant gewesen. Doch es gab Verzögerungen bei den Bauarbeiten.
Fahrgäste zwischen Leer und Groningen sollen künftig einmal pro Stunde mit dem Zug die Grenze überqueren können. Betrieben wird die Strecke von der Bahngesellschaft Arriva.
Bei den meisten Fahrten werktags ist laut Fahrplan zwischen Groningen und Leer allerdings vorerst ein Umstieg im niederländischen Winschoten nötig. Wie lange das der Fall sein wird, war zunächst nicht bekannt. Nur die ersten beiden Fahrten am Morgen und die letzten beiden Fahrten am Abend verkehren durchgehend. An Wochenenden sind alle Verbindungen ohne Umstieg.
Zwischen Groningen und Winschoten fahren die Züge als Schnellzug, mit Halten in Groningen Europapark und Scheemda. Zwischen Winschoten und Leer halten die Züge an allen Unterwegsbahnhöfen.
Das liegt nach Angaben der Bahn und der Provinz Groningen zum einen an einer Geschwindigkeitsbegrenzung bei Hardegarijp in den Niederlanden und zum anderen an den Öffnungszeiten der Friesenbrücke. Es ist eine Hub-Dreh-Brücke, die für die Schifffahrt auf der Ems öffnen muss. Eine durchgehende Verbindung an Werktagen sei derzeit daher «noch störanfällig». «Um Fahrgästen von Beginn an einen zuverlässigen Fahrplan zu bieten, knüpfen wir an die aktuelle Situation im niederländischen Schienennetz an», heißt es in einer Mitteilung.
Fahrgäste benötigen für eine Bahnfahrt eine gültige internationale Fahrkarte. Auch das Niedersachsen-Ticket mit dem Zusatz «+ Groningen» kann auf der Strecke genutzt werden. Eine niederländische eingecheckte OV-Karte oder eine OV-chipkaart sind demnach ebenso nutzbar.
Die Bahn teilt mit, die Wiederaufnahme der Zugverbindung zwischen Groningen und Leer sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur sogenannten «Wunderline», «der schnellen, internationalen Zugverbindung zwischen Groningen und Bremen». Die erste Bauphase ist damit abgeschlossen.
In der zweiten Baustufe ist nach Angaben der Bahn geplant, in den Abschnitten zwischen der deutsch-niederländischen Grenze und Ihrhove sowie zwischen Stickhausen-Velde (Landkreis Leer) und Augustfehn (Landkreis Ammerland) die bestehende Bahnlinie zweispurig auszubauen. Dann sollen zusätzliche Bahnsteige gebaut sowie Gleise, Bahnübergänge, Signale und Oberleitungen modernisiert werden. Wann dieser Ausbau beginnt, ist aber noch offen. «Für diese Projektphase laufen noch keine konkreten Planungen, sodass zum Zeitpunkt der Umsetzung derzeit keine belastbaren Aussagen möglich sind», teilt eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit.
Die Erneuerung der insgesamt 173 Kilometer langen Strecke soll Bahnreisenden künftig eine schnellere Verbindung zwischen Norddeutschland und dem Norden der Niederlande bieten. Durch die «Wunderline» soll sich die Fahrzeit für Reisende zwischen Bremen und Groningen künftig auf weniger als zweieinhalb Stunden verkürzen. Nach der zweiten Ausbaustufe soll die Reisezeit unter 2:15 Stunden betragen. Vor der Unterbrechung der Strecke lag die Reisezeit bei 2:43 Stunden.