26. Januar 2026 –

Image-Kampagne

Neues Niedersachsen-Image: Jetzt spricht die Agentur

Schön, sympathisch, langweilig?? Niedersachsen kämpft mit hartnäckigen Klischees. Im Antenne Niedersachsen-Interview erklärt erstmals die Berliner Agentur „Scholz & Friends“, wie das Land ein klareres Profil bekommen soll.

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Mit Moin und Strandkorb: Regierungschef Lies beim Sommerfest der Landesregierung in Berlin. (Archivbild)

Vielseitigkeit macht es schwierig

Was genau ist eigentlich das Problem mit dem Image von Niedersachsen? Für Stefan Wegner ist die Antwort überraschend ehrlich. „Niedersachsen ist in vielen Dingen gut – und genau das macht es schwierig“, sagt der Partner der Agentur Scholz & Friends im Gespräch mit Antenne Niedersachsen. Gemeint ist: Das Land kann viel – aber nichts davon sticht sofort heraus. Küste, Natur, Industrie, Landwirtschaft, Windkraft, Automobilstandort. Alles da, alles solide.

„In der Standortwerbung sagen alle: Hier kann man gut leben, gut arbeiten, gut investieren. Das sagen wirklich alle“, so Wegner. Genau hier müsse die neue Kampagne ansetzen – mit klareren Botschaften und mehr Wiedererkennbarkeit.

Vorurteile können Vorteile sein

Die Agentur „Scholz & Friends“ will dabei nicht gegen bestehende Bilder ankämpfen, sondern sie bewusst aufgreifen. „Vorurteile können auch Vorteile sein“, sagt Wegner. Gemeint ist: Mit Vorstellungen, die ohnehin schon in den Köpfen existieren, lässt sich leichter arbeiten, als ein Image komplett neu zu erfinden.

.Ein Beispiel: Niedersachsen gilt vielen als „groß und platt“. Für Investoren sei das kein Nachteil, sondern ein Argument. „Groß heißt Platz – Raum für Industrie, Infrastruktur und große Projekte“, erklärt Wegner. Bilder wie Windräder an der Küste, große Flächen oder internationale Konzerne seien längst präsent. Man müsse sie nur konsequent erzählen.

Kampagne soll auch im Land wirken

Die Diskussion um das Niedersachsen-Image wird inzwischen auch politisch offen geführt – teils mit Humor. Ministerpräsident Olaf Lies reagierte zuletzt augenzwinkernd auf den Vergleich von Niedersachsen als „Bielefeld der Bundesländer“. Lies sagte dazu: „Dass wir schön sind, würde ich bestätigen. Dass wir langweilig sind, glaube ich nicht. Und über Bielefeld will ich an dieser Stelle nichts sagen, da würde ich Ärger mit dem Regierungssprecher kriegen.“ Hintergrund: Regierungssprecher Christian Budde ist Fan von Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld.

Dass diese Debatte so öffentlich geführt wird, zeigt, wie sehr das Thema die Menschen im Land beschäftigt. Entsprechend zielt die Kampagne nicht nur nach außen, sondern auch nach innen, ins Land hinein. „Die Menschen im Land sind die wichtigsten Multiplikatoren“, betont Wegner. Ziel sei es, etwas zu entwickeln, mit dem man sich identifizieren kann.

10 Millionen Euro für einen Spruch?

Für die neue Standortkampagne stellt das Land in den Jahren 2026 und 2027 bis zu zehn Millionen Euro bereit. Eine Summe, die schnell Kritik auslöst – vor allem, wenn sie auf einen möglichen neuen Slogan reduziert wird. „Der Satz ist nicht die Kampagne“, stellt Wegner klar. Der größte Teil des Budgets fließe nicht in Wortspiele, sondern in Sichtbarkeit: Werbeflächen, internationale Ausspielung, Social Media, PR und Reichweite. Oder, wie Wegner es formuliert: „Hier geht es nicht um einen Joghurt im Supermarkt, sondern um ein Land.“

Die Zusammenarbeit hat gerade erst begonnen, ein fertiges Konzept wird nicht sofort vorliegen. Klar ist aber schon jetzt: Niedersachsen will raus aus der „schön, aber egal“-Ecke – und endlich so auftreten, dass man es wiedererkennt.

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