06. Juli 2026 – dpa

Rekorde und Kuriositäten

Neuenkirchen: Ein Name, neun Orte, endlose Verwechslungen

Es ist ein besonderer Rekord: Kein Bundesland hat mehr Neuenkirchen als Niedersachsen. Die Namensgleichheit führt zu folgenreichen Verwechslungen und einer besonderen Fußballtradition.

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In Niedersachsen gibt es einen Neuenkirchen-Rekord. In keinem anderen Bundesland gibt es mehr Gemeinden mit diesem Namen.

Wer nach Neuenkirchen fahren möchte, sollte sich gut informieren. Denn eine Gemeinde mit diesem Namen gibt es in Niedersachsen so oft wie in keinem anderen Bundesland, wie das Statistische Bundesamt auf dpa-Nachfrage mitteilt.

Demnach tragen in Niedersachsen sechs Gemeinden den Namen Neuenkirchen, eine davon heißt Neuenkirchen-Vörden. Dazu kommen drei weitere Neuenkirchen, die Teil einer anderen Gemeinde sind. Es gibt also insgesamt neun Neuenkirchen in Niedersachsen. Über den ungewöhnlichen Namens-Rekord hatte zuvor der NDR berichtet.

Die sechs Gemeinden mit dem Namen Neuenkirchen liegen über weite Teile Niedersachsens verteilt, mit einem Schwerpunkt in der Nordhälfte.

  • Neuenkirchen (Altes Land) im Landkreis Stade
  • Neuenkirchen (Land Hadeln) im Landkreis Cuxhaven
  • Neuenkirchen (Lüneburger Heide) im Heidekreis
  • Neuenkirchen im Landkreis Diepholz
  • Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück
  • Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta

Dazu kommen:

  • Neuenkirchen, ein Ortsteil der Gemeinde Liebenburg im Landkreis Goslar
  • Neuenkirchen, ein Stadtteil von Melle im Landkreis Osnabrück
  • Neuenkirchen, eine Ortschaft der Gemeinde Schwanewede im Landkreis Osterholz

Die gleichnamigen Orte sorgen immer wieder für Verwechslungen. Der Bürgermeisterin von Neuenkirchen im Landkreis Cuxhaven, Dagmar Diers, fallen einige Beispiele ein. «In der Grundschule sollte während einer Projektwoche Rope-Skipping vorgestellt und erlernt werden», erzählt die SPD-Politikerin. Der Trainer für die besondere Art des Seilspringens wurde um 9 Uhr erwartet, doch die Schülerinnen und Schüler mussten sich gedulden. Warum? Der Mann war in Neuenkirchen im Alten Land gelandet. «Das Training begann dann eine Stunde später», sagt die Bürgermeisterin.

Ihr zufolge passierte dasselbe jüngst einem Arzt des Blutspendedienstes. Auch dieser fuhr zunächst ins Neuenkirchen im Landkreis Stade. Die Lieferung von neuen Tischtennisplatten verzögerte sich demnach, weil die Spedition in ein anderes Bundesland fuhr - nach Neuenkirchen in Mecklenburg-Vorpommern.

«Verwechslungen gehören bei uns fast schon zum Alltag», sagt der Bürgermeister der Gemeinde Neuenkirchen im Hülsen im Landkreis Osnabrück, Christoph Trame (CDU). «Besonders häufig werden wir mit Neuenkirchen-Vörden oder dem Ortsteil Neuenkirchen der Stadt Melle verwechselt», erzählt er. Demnach sorgen unvollständige Adressangaben für Irritationen bei Post, Lieferdiensten und Besuchern.

«Eine Geschichte wird hier immer wieder mit einem Schmunzeln erzählt», berichtet er. Demnach stiegen Nachtschwärmer nach dem Karneval in Damme in den Bus nach Neuenkirchen. Erst am Ziel merkten sie, dass es nicht ihr Neuenkirchen, sondern ein anderes war. «Ob jede Version dieser Geschichte wahr ist, sei dahingestellt, aber sie zeigt sehr schön die Herausforderungen, die ein häufiger Ortsname mit sich bringen kann», so der Bürgermeister.

Sein Kollege aus der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta, Ansgar Brockmann (parteilos), kennt auch viele Verwechslungen. Der «Neuenkirchen-Rekord» sei ein regelmäßiges Thema, sagt er. Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück liege nur 25 Kilometer entfernt. «Da gibt es auch schon persönliche und verwandtschaftliche Beziehungen», so der Bürgermeister.

Demnach kommt es auch im Rathaus regelmäßig vor, dass Besucher kommen, die einen Termin im anderen Neuenkirchen haben oder eine Straße suchen, die es in diesem Neuenkirchen überhaupt nicht gibt. «Auch außerhalb von Niedersachsen ist dieser Ortsname keine Seltenheit», sagt der Politiker und erzählt, dass seine Gemeinde mitunter auch Post für Neuenkirchen bei Rheine in Nordrhein-Westfalen bekommt.

Wer in Neuenkirchen Fußball spielt, kann sich mit anderen Neuenkirchener Mannschaften messen. Nach verschiedenen Medienberichten treffen sich seit dem Jahr 1987 Mannschaften aus Orten mit dem Namen Neuenkirchen zu einer Meisterschaft. Bei dem Turnier im vergangenen Juni waren zwölf Mannschaften aus neun Orten dabei, wie der NDR berichtete. «Sie alle eint die Liebe zum Fußball und der gemeinsame Ortsname», heißt es in dem Fernsehbericht.

Darin erzählt Frank Kramer vom TuS Neuenkirchen, dass früher zahlreiche Fußballmannschaften, die zu einem Spiel fuhren, im «falschen» Neuenkirchen landeten. Daraus sei die Idee für eine Neuenkirchen-Meisterschaft entstanden - mit Gruppenspielen, Halbfinale, Finale. Woher die Siegermannschaften bei den Damen und Herren kommen, ist jedes Jahr klar: Aus Neuenkirchen.

Der Name verweist in der Regel auf eine neu errichtete Kirche - das erklärt, warum viele Orte diesen Namen tragen. Über die Geschichte von Neuenkirchen an der Unterweser im Landkreis Osterholz schreibt der Verein Heimatfreunde Neuenkirchen: «In der Mitte des 9. Jahrhunderts soll es in Neuenkirchen schon ein Gotteshaus gegeben haben. 1192 wurde es durch die St. Michaels-Kirche ersetzt. Seither ist von "Nygenkerken" die Rede.»

Die Neuenkirchen unterscheiden sich - sie sind verschieden groß, gehören zu unterschiedlichen Landkreisen und bieten unterschiedliche Treffpunkte, wie Vertreter und Vertreterinnen der Gemeinden auf dpa-Nachfrage mitteilen. Mehrere verweisen auf eine starke Gemeinschaft und viele Aktivitäten im Ort – für Jung bis Alt.

«Einen regelmäßigen institutionellen Austausch mit allen anderen Neuenkirchen gibt es derzeit nicht», sagt Bürgermeister Trame. «Dennoch verfolgt man natürlich mit Interesse, was in den Namensvettern passiert.» Die Namensgleichheit schaffe ein Gefühl der Verbundenheit, sagt er. «Auch wenn jede Gemeinde ihren ganz eigenen Charakter hat.»

Der Neuenkirchen-Rekord sei den Bürgerinnen und Bürgern seiner Gemeinde bekannt, erzählt der Politiker. Die Reaktionen darauf reichten von Belustigung bis hin zu einem gewissen Stolz - schließlich gehöre man zu einer besonderen niedersächsischen Ortsfamilie.

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