27. August 2026 – dpa
Was machten römische Truppen vor rund 1.800 Jahren im heutigen Sachsen-Anhalt? Neue Grabungen bei Deersheim liefern weitere Hinweise dazu.
Archäologen haben bei Deersheim (Landkreis Harz) weitere Spuren eines römischen Marschlagers aus dem frühen 3. Jahrhundert untersucht. Bei dreiwöchigen Grabungen wurden unter anderem die Überreste von zwei Feldbacköfen freigelegt.
«Die Form der Öfen ist ganz typisch für diese Marschlager», sagte Martin Freudenreich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Erhalten sind vor allem Strukturen aus gebranntem Lehm. Zu erkennen seien die eigentliche Ofenkammer, der Platz für das Brennmaterial und die Zone vor dem Ofen.
Anhand von Holzkohle aus den Brenngruben wollen die Forscher die Öfen nun genauer datieren. Dafür wurden Proben entnommen, die mit der Radiokohlenstoffmethode untersucht werden. In den Öfen könnten zudem noch Keramikfragmente entdeckt werden. Größere Funde seien dort allerdings nicht zu erwarten, sagte Freudenreich.
Untersucht wurde auch der für römische Marschlager typische Spitzgraben. Bei Deersheim nahe der Grenze zu Niedersachsen ist er rund einen Meter tief und etwa 1,10 Meter breit. Insgesamt erstreckt sich der Graben nach bisherigen Erkenntnissen über anderthalb bis zwei Kilometer. Davon nahmen die Archäologen bislang rund 20 Meter näher in den Blick.
Dass sich im Graben kaum Funde befinden, führen die Forscher auf die kurze Nutzungsdauer zurück. Die römischen Einheiten blieben dort vermutlich zwischen einem Tag und höchstens einer Woche. Insgesamt umfasste das Lager rund 20 Hektar und bot Platz für Tausende Soldaten und Begleitpersonen.
Zu den bislang geborgenen Gegenständen zählen das Fragment einer sogenannten Elbefibel, Eisennägel und Bruchstücke römischer Keramik. Darunter befindet sich auch «Terra Sigillata», eine rotgebrannte Feinkeramik, die damals als Luxusware galt.
Das Lager gehört zu mehreren römischen Marschlagern, die 2024 anhand von Luftbildern in Sachsen-Anhalt entdeckt wurden. Weitere Anlagen liegen bei Aken und Trabitz. Diese sind mit jeweils mehr als 60 Hektar deutlich größer als das Lager bei Deersheim.
Die Anlagen gelten als die bislang nordöstlichsten bekannten römischen Lager im freien Germanien. Sie lieferten wichtige Hinweise auf römische Truppenvorstöße weit östlich des Rheins, sagte Landesarchäologe Harald Meller. Die Grabungen bei Deersheim dauern noch bis Anfang September.