30. September 2026 – dpa
Der außergewöhnliche Saal stand monatelang leer. Nun soll die Außenstelle des Landgerichts Verden wieder als Verhandlungsort dienen. Es geht um Mord, den Streit von Großfamilien und ein Zufallsopfer.
Die zum Gerichtssaal umgebaute Reithalle in Verden soll erstmals nach dem Urteil gegen die Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette wieder genutzt werden. Am 29. Oktober 2026 startet dort ein Mordprozess gegen einen 32-Jährigen, wie eine Sprecherin des Landgerichts Verden auf dpa-Nachfrage sagte. Den Ermittlungen zufolge soll der Mann Anfang Mai einen 37-Jährigen erschossen haben.
Der Mann starb am Tatort. Ein Passant erlitt so schwere Verletzungen, dass er querschnittgelähmt ist. Die Ermittler gehen davon aus, dass er ein Zufallsopfer war. Über den neuen Prozess in der Reithalle hatte zuvor die «Kreiszeitung» berichtet.
Hintergrund der Tat in Nienburg ist den Ermittlern zufolge ein Streit zwischen Mitgliedern von Großfamilien. Kurz vor der Tat war eine Verhandlung vor dem Landgericht Verden, bei der sieben Menschen wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt waren - darunter der später getötete 37-Jährige.
Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Stunden später fielen die tödlichen Schüsse. Der nun angeklagte 32-Jährige mit deutscher und syrischer Staatsangehörigkeit wurde nach der Tat festgenommen und kam in Untersuchungshaft - wegen Mordes und versuchten Mordes.
Das Landgericht rechnet mit vielen Zuschauern und will deshalb in dem für den Klette-Prozess umgebauten Saal verhandeln, wie die Sprecherin sagte. Seit dem Urteil Ende Mai ist das zum Hochsicherheitstrakt umgebaute Gelände eines früheren Reithofs unbenutzt. In dem Gerichtssaal sitzt das Publikum hinter einer Sicherheitsscheibe. Die Miete der Anlage inklusive der Ausgaben für den Umbau kostet laut niedersächsischem Justizministerium rund 3,6 Millionen Euro. Der Vertrag läuft bis Ende Mai 2027 und kann bei Bedarf verlängert werden.