05. November 2026 – dpa

ARD-Telenovela

Mehr als Herzschmerz: Das ist das Geheimnis von «Rote Rosen»

Die Serie «Rote Rosen» stellt Frauen aus drei Generationen ins Zentrum. Jetzt wird sie 20: Darsteller loben die familiäre Atmosphäre am Set. Wie profitiert Lüneburg von der Serie und ihren Fans?

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Jan Diepers, Produzent der Telenovela «Rote Rosen», hat weiter Planungssicherheit.

Starke Frauen aus drei Generationen in den Hauptrollen, ein familiärer Zusammenhalt am Set und eine traumhaft schöne Stadt als Kulisse: Der langjährige Erfolg der ARD-Telenovela «Rote Rosen» baut auf mehreren Säulen. Mehr als eine halbe Million Zuschauerinnen und Zuschauer lassen sich auch 20 Jahre nach dem Serienstart werktags um 14.10 Uhr in die Welt der «Roten Rosen» entführen. Sie ist geprägt von Intrigen, Liebesdramen und große Versöhnungen.

Zum 20-jährigen Bestehen der Serie (6. November) starten Staffel 25 und Folge 4.415 mit der neuen Hauptdarstellerin Theresa Scholze. Als Flora muss sie sich zwischen zwei Männern entscheiden.

Immer geht es um Frauen über 40 - wobei die Stars in den vergangenen Jahren etwas jünger geworden sind. «Wir erzählen die Geschichten von drei Generationen, uns ist es wichtig, Frauen in allen Altersgruppen dabei zu haben», berichtet Produzent Jan Diepers im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Das jüngere Publikum schaue häufiger in der Mediathek, wo die «Rosen» stets unter den Top Ten der ARD spielen, sagt Diepers. Die Zuschauerzahl im linearen Fernsehen sei wegen der geänderten Mediennutzung leicht rückläufig. «Wir reden über Liebe, Beziehung und wie man in der Gesellschaft miteinander umgeht», beschreibt der 55-Jährige das erfolgreiche Langzeit-Konzept. Bis Ende 2027 wird die Serie in der Produktionsstätte in Lüneburg und an vielen Orten der Altstadt gedreht.

«Die Zeiten sind schwierig, wir versuchen, die kleine Welt zu erhalten. Für uns ist die Weltpolitik und der Wahnsinn nicht so relevant», sagt der Produzent. So zeige es sich einmal mehr, dass die Serie mit Frauen im Zentrum genau richtig sei. «Es gibt genügend irrationale, männliche Patriarchen auf der Welt», betont Diepers, der seit sieben Jahren den Betrieb im großen Produktionsstudio im Industriegebiet mit rund 45 Kulissen lenkt.

Besonders oft ist er in der geräumigen Kantine anzutreffen, in der die Schauspieler klönen, gemeinsam Texte lernen oder auf einem Sofa schon einmal einnicken. «Ich muss 180 Seiten in zwei Wochen lernen», stöhnt Birthe Wolter, die die Franka spielt. Aus Anlass des zweiten Geburtstags ihres Sohnes Momme hat sie Kuchen für alle ausgegeben.

Momme lockert die Stimmung am Set auf, wenn er mit Roller oder Bobbycar durch die Gänge saust. In Diepers Büro lockt eine Murmelbahn. Eine Tagesmutter aus der Crew kümmert sich um den Kleinen. Auch Hunde werden mitgebracht und beschnuppern Besucher.

«Das Miteinander trägt den Laden. Das Pensum ist hoch, wir produzieren täglich eine Folge», sagt Yunus Cumartpay, der mit Jan Stapelfeldt das heimliche Traumpaar gibt. Das Feedback der Zuschauer zur Geschichte von Moran und Julius ist groß. Cumartpay gefällt das lockere Zusammenleben bei der Arbeit - fast wie in einer Wohngemeinschaft. Die Garderoben der Schauspieler sind meist leer, dafür ist die Kantine gut gefüllt. 120 bis 140 Menschen sind täglich im Haus, 20 davon vor der Kamera zu sehen.

«Die Leute machen das hier aus, das Team vor und hinter der Kamera», sagt Schauspieler Florian Odendahl. Und auch Riverboat-Moderatorin Kim Fisher, die wieder einmal für eine Gastrolle dabei ist, versteht den guten Ruf der Dreharbeiten: «Es ist hier sehr familiär.»

Eine eigene Ecke im großen Raum hat Yvonne Hornack. Sie coacht die Neulinge, hilft bei schwierigen Szenen wie intimen Annäherungen vor der Kamera. «Sie versucht, den Druck herauszunehmen», sagt Odendahl. So werde eine Liebesszene in Ruhe vorher geübt. «Das gibt einem ein sicheres Gefühl, es wirkt auch authentischer», so der Münchner.

Zum Wohlfühlen trägt die Stadt Lüneburg bei. Langjährige Darsteller leben in der Nähe, ihre Kinder gehen auf örtliche Schulen. Bestes Beispiel ist die 93 Jahre alte Brigitte Antonius, die in der Hansestadt mit ihren Hunden wohnt und nur in Drehpausen in Österreich weilt.

«Ich bin verliebt in Lüneburg», sagt Kim Fisher, die mit Kollegen abends zum Essen oder ins Kino geht. Einheimische stört es nicht, wenn sie manches Mal ihre Autos umparken müssen, weil die Altstadt mit den Backstein-Giebelhäusern vom Filmset eingenommen wird.

Lüneburg profitiert ungemein von der Serie. Sieben Millionen Tagestouristen reisen jedes Jahr an – einen großen Anteil daran haben die «Rosen»-Fans. «Etwa 30 Prozent der Interessenten für Übernachtung oder Stadtführung kommen wegen der "Rosen"», sagt Melanie-Gitte Lansmann von der Lüneburg Marketing GmbH. Das mache etwa 150.000 Übernachtungen aus.

Laut Statistiken haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Ankünfte und Übernachtungszahlen fast verdoppelt. Sie sind von 245.000 Übernachtungen 2007 auf 439.000 im vergangenen Jahr gestiegen. 50 Stadtführungen zu Drehorten der Serie im historischen Zentrum fanden 2008 statt, 2025 waren es 350 mit durchschnittlich 16 Personen.

«Lüneburg ist nicht nur Kulisse, sondern selbst ein echter Star der Serie», sagt Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne). Seit 20 Jahren bringe die ARD-Telenovela die Hansestadt millionenfach in die Wohnzimmer - und mache Altstadt, Rathaus und den Alten Kran weit über die Region hinaus bekannt. «Davon profitiert Lüneburg auch wirtschaftlich, insbesondere durch den Tourismus», betont sie.

Auch Produzent Diepers glaubt, dass die Serie ohne Lüneburg in der Qualität nicht möglich wäre: «Die Stadt ist für uns das ideale Freilichtstudio.»

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