09. Juli 2026 – dpa
VW berät im Aufsichtsrat über verschärfte Sparpläne. Die IG Metall protestiert zum Protest - auch direkt am Versammlungsort.
Vor Beginn der Aufsichtsratssitzung zu möglichen weiteren Einschnitten beim VW-Konzern haben Beschäftigte in Wolfsburg lautstark protestiert. Mehrere hundert Mitarbeiter zogen mit Tröten und Sirene vor das Vorstandshochhaus, wo das Gremium am Nachmittag tagte. Die Sitzung, die um 14.30 Uhr beginnen sollte, verzögerte sich zunächst und begann um 16 Uhr.
Angeführt wurde der kleine Demonstrationszug von der IG-Metall-Vorsitzenden Christiane Benner und Betriebsratschefin Daniela Cavallo, die beide dem Kontrollgremium angehören. «Vereint für unsere Zukunft kämpfen», stand auf einem Transparent.
«Dass vier Werke in Deutschland geschlossen werden, das dürfen wir als IG Metall nicht mitmachen», sagte Benner. «Das werden wir nicht akzeptieren.» Die Gewerkschaft habe im Tarifstreit 2024 gezeigt, dass sie zu Kompromissen bereit sei. Deshalb halte sie es «für absolut unverantwortlich, wie im Moment mit der Zukunft der Menschen gespielt wird, wie Angst geschürt wird». Sie forderte vom Vorstand: «Wir brauchen intelligente Lösungen.»
Berichte über mögliche Werksschließungen und einen verstärkten Stellenabbau verunsicherten die Belegschaft, kritisierte Betriebsratschefin Cavallo. «Wir fordern vom Vorstand: Schluss mit diesen Verunsicherungen. Wir brauchen Klarheit für die Belegschaft. Wir brauchen einen umfassenden Plan.» Und das beinhalte eben nicht, dass eine Sanierung nur mit Personalabbau und Standortschließungen möglich sei.
Die IG Metall zählte rund 500 Teilnehmer der Protestaktion in Wolfsburg. Weitere Aktionen gebe es auch an anderen Konzernstandorten in Deutschland, einschließlich Standorten der Konzerntöchter Audi, Porsche und MAN.
Laut IG Metall handelt es sich nicht um einen Arbeitskampf, sondern um Informations- oder Protestveranstaltungen. Die Versammlungen fallen daher deutlich kleiner aus als bei den Warnstreiks 2024. Damals kamen laut Gewerkschaft mehr als 30.000 Teilnehmer zur Kundgebung in Wolfsburg.
Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger warnte bereits vor einer Eskalation: «Wer sich mit den Beschäftigten und wer sich mit der Mitbestimmung anlegt, der riskiert einen Großkonflikt, der sich gewaschen hat», sagte er. Der erste Aktionstag sei ein klares Warnsignal, so der Gewerkschafter. «Wir werden nicht tatenlos zusehen. Wenn der Konzern seinen Kurs nicht ändert, dann war das nur eine Warnung.»
Mit den Protesten reagiert die Gewerkschaft auf Berichte über verschärfte Sparpläne bei VW. Laut «Manager Magazin» könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Der Konzern selbst hat sich bisher nicht zu Details geäußert. «Die genauen Inhalte des Zukunftsplans und die damit verbundenen notwendigen Maßnahmen werden heute zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Volkswagen AG erörtert», sagte ein Sprecher. «Und ja, wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen.»
Nach der Aufsichtsratssitzung will Volkswagen zügig über mögliche Entscheidungen informieren, wie der Sprecher weiter sagte: «Über die Ergebnisse der heutigen Aufsichtsratssitzung und getroffene Entscheidungen werden wir schnellstmöglich informieren.» Mit einem Ende der Sitzung rechneten Beobachter nicht vor dem frühen Abend.