14. Oktober 2026 – dpa
Bundestrainer Wück kennt keinen männlichen Fußballprofi, der so beidfüßig ist wie Klara Bühl. Gegen Japan zeigt die Flügelflitzerin ihre Klasse – Teamkollegin Brand spricht schon vom WM-Titel.
Klara Bühl musste laut lachen. Die Szene, in der sie ihrer Gegenspielerin den Ball an der Eckfahne durch die Beine schob, werde sich hoffentlich in den sozialen Medien finden lassen, damit sie diese weiterverbreiten könne. Das war zwar nur im Spaß gemeint, wie Bühl der Reporterschar im Bremer Weserstadion nach dem überzeugenden 2:1 (1:1) in der Testpartie gegen Asienmeister Japan versicherte. Ihr frecher Beinschuss stand aber exemplarisch für die neue Spielfreude und das gewachsene Selbstverständnis der deutschen Fußballerinnen.
Alle hätten sehr viel Spaß gehabt, «einfach zu spielen, zu zocken», sagte Bühl und betonte die Spielstärke der DFB-Auswahl: «Dass wir den Ball laufen lassen können und auch mutig ins Eins-gegen-eins gegangen sind, und uns da auch gewisse Dribblings und Schüsse zugetraut haben.» Damit beschrieb die Siegtorschützin und Vorlagengeberin zum 1:1 perfekt auch ihren eigenen Auftritt.
Dort, wo die 25 Jahre alte Flügelflitzerin des FC Bayern München an diesem regnerischen Bremer Abend aufgetaucht war, ging's meist rasant, zielstrebig und eben trickreich zu. Das entscheidende Tor in der 73. Minute war der verdiente Lohn. «Was Klara drauf hat, sieht man jedes Wochenende in der Liga und auch immer im Länderspiel. Sie ist eine unglaublich wichtige Spielerin für uns und hat es heute wieder gezeigt», lobte Mittelfeldspielerin Sjoeke Nüsken ihre DFB-Kollegin.
Bundestrainer Christian Wück zog mit Blick auf Bühl einen besonderen Vergleich. «Ich kenne keinen Fußballspieler, keinen männlichen Fußballspieler, der so beidfüßig ist wie sie», sagte der 53 Jahre alte Ex-Profi. «Sie ist schnell, sie ist zweikampfstark, sie hat einen unheimlichen Willen gegen den Ball, und genau das macht einfach so Spielerinnen aus», lobte Wück. Bühl hatte das 2:1 mit ihrem vermeintlich schwächeren linken Fuß erzielt.
Trotz ihrer starken Leistung gegen den Fünften der Weltrangliste sieht sich die Vielgepriesene längst nicht am Limit. Danach gefragt, welche Note sie sich geben würde, antwortete Bühl: «Wenn wir von einer 10 von 10 reden, reden wir ja von einem perfekten Spiel. Das gibt's ja im Fußball sowieso nicht. Deswegen gebe ich mir da eine 7, 7,5, so was.»
Eine Erklärung lieferte sie auch. «Da war schon einiges Gutes dabei. Trotzdem hatte ich, glaube ich, wieder zwei, drei Torchancen, die dann nicht im Tor münden», sagte Bühl, die in ihrem 80. Länderspiel zum 31. Mal traf und für Wück längst «eine Weltklassespielerin» ist.
Die ebenfalls starke Linda Dallmann (28.) hatte das 1:1 erzielt. Japan war durch Momoko Tanikawa (15.), wie Bühl und Dallmann in München angestellt, zunächst in Führung gegangen. «Was unsere Mannschaft natürlich auszeichnet, ist, dass wir einfach sehr, sehr gierig sind», lobte Dallmann. «Man merkt einfach, dass die vielen jüngeren Spielerinnen einfach eine krasse Energie auf den Platz bringen.»
Im Vergleich zum 4:2 gegen Australien am Freitag in Karlsruhe habe die DFB-Elf «noch mal echt einen Schritt nach vorn gemacht», urteilte Jule Brand. «Einfach besser zusammengespielt, gut kombiniert, ruhig gespielt.» Auch eine gewisse Reife hob Brand, die am kommenden Freitag ihren 24. Geburtstag feiert, hervor: «Ich habe das Gefühl, wir haben auch erwachsener gespielt als vielleicht in anderen Spielen, ein bisschen schlauer.»
Etwas strenger und auf die zweite Kommastelle genau bewertete Bühl die Teamleistung. «Ich würde uns vielleicht jetzt so eine 6,57 geben», sagte sie. «Ich sehe schon noch Potenzial. Aber wir wissen auch, wo wir herkommen, und wir haben ein gutes Fundament gebaut. Aber ich bin auch eine Spielerin, die irgendwie immer mehr will.»
Mit Blick auf die WM im kommenden Sommer in Brasilien gab es mutige Aussagen. «Wir haben auf jeden Fall Weltklassespielerinnen», sagte Brand. «Mit der Mannschaft ist es möglich, auch Weltmeisterinnen zu werden.»